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Fahrplanänderung sorgt für Ärger

Walzbachtaler Schüler platzen täglich zu spät in den Unterricht

Sie springen in aller Frühe aus dem Bett. Pünktlich kommen Walzbachtaler Kinder, die in Gondelsheim zur Schule gehen, trotzdem nicht. Der Anschlusszug in Bretten fährt ihnen vor der Nase weg.

Pünktlich zum Sonnenaufgang: In aller Frühe steigen Schüler in Wössingen in den Zug. Pünktlich zum Unterricht kommen trotzdem nicht alle. Foto: Arnd Waidelich

Wann sollte ein Kind aus dem Haus gehen, um pünktlich in der Schule zu sein? 6.30 Uhr reicht Emilio Rabestein aus Wössingen jedenfalls nicht. Der 13-Jährige marschiert in tiefster Dunkelheit zur Bahnhaltestelle, trotzdem platzt er jeden Morgen zu spät in den Unterricht.

Das Problem: Emilio und seine Wössinger Klassenkameraden kommen mit der S4 im Regelfall zwar pünktlich am Brettener Bahnhof an. Ihr Anschlusszug nach Gondelsheim fährt ihnen dort jedoch vor der Nase weg. Grund ist eine Fahrplanänderung. „Das ging los, als wir nach dem Lockdown wieder zur Schule gehen konnten. Seitdem fährt die Bahn in Bretten zehn Minuten früher los“, sagt Emilio.

Mia-Sue Bieberle geht in dieselbe Klasse. Ihre Mutter Susanne kritisiert neben der Fahrplanänderung eine mangelhafte Absprache zwischen der AVG (Albtal-Verkehrsgesellschaft) und Abellio. Bis vor gut einem Jahr fuhr die AVG auf beiden Strecken.

Früher haben die Bahnfahrer gewartet, wenn sie wussten, dass die Schüler kommen. Aber Abellio wartet nicht.
Suanne Bieberle / Mutter

Jetzt übernimmt Abellio den zweiten Teil. „Früher haben die Bahnfahrer gewartet, wenn sie wussten, dass die Schüler kommen. Aber Abellio wartet nicht“, sagt sie. Nicolas Lutterbach, Pressesprecher der AVG, erläutert das übliche Vorgehen. „Im Verspätungsfall hat die S9 bis zu drei Minuten gehalten“, sagt er. Mit Abellio gebe es ebenfalls eine Wartevereinbarung. Nur reichen die drei Minuten halt nicht.

Wir bekommen keinen Ärger. Unsere Lehrer sagen, ‘Wir wissen’s, die Bahn halt.
Emilio Rabestein / Schüler

Hätten die Kinder derzeit den Ehrgeiz, tatsächlich Punkt 7.35 Uhr in der Kraichgauschule zu sein, müssten sie um 6.20 Uhr in Wössingen in den Zug steigen. Ihr Schulweg beträgt knapp zehn Kilometer, dafür wären sie dann deutlich länger als eine Stunde unterwegs. Für Emilio ist das keine Option. Er baut erfolgreich auf das Verständnis seiner Lehrer. „Wir bekommen keinen Ärger. Unsere Lehrer sagen, ‘Wir wissen’s, die Bahn halt.“

Für die Eltern kann das jedoch kein Dauerzustand sein. „Immerhin zahlen wir 50 Euro im Monat für das Ticket“, sagt Susanne Bieberle. „Außerdem ging das früher doch auch.“ Klassenkamerad Ali Kocagoz aus Wössingen hat eine Alternative zur Bahn gefunden: Sein Vater bringt ihn jeden Morgen mit dem Auto zur Schule.

Grund für schlechte Anbindung ist die Sanierung der ICE-Strecke

Tatsächlich könnte die Anbindung aber bald wieder funktionieren. Grund für die Umstellung ist nämlich nicht Corona, wie Emilio vermutet, sondern die Großbaustelle der Schnellfahrstrecke von Stuttgart nach Mannheim. Und diese sollte nach Auskunft der Deutschen Bahn ab dem ersten November Geschichte sein.

Abellio-Pressesprecherin Hannelore Schuster erklärt: „Der Zug von Bretten in Richtung Bruchsal muss infolge der Baumaßnahme bereits um 6.52 Uhr abfahren. Da die S4 Bretten um 6.55 Uhr erreicht, ist momentan kein Anschluss gegeben.“ Nach Ende der Sperrung sei die Abfahrt wieder wie zuvor um 6.58 Uhr.

Es geht also um wenige Minuten. Gäbe es da die Lösung, dass die S4 in Wössingen bis November ein wenig früher fährt? „Leider nein“, sagt Lutterbach. „Die Strecke ist größtenteils eingleisig. Da haben wir Takte, die einzuhalten sind.“

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