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Vor- und Nachteile im Blick

Gemeinderäte in Weingarten befürchten Umweltschäden durch Geothermie

Aus Klimaschutzgründen ist man in Weingarten generell der Geothermie gegenüber offen. Weil aber viele Fragen für Bohrungen im Ort ungeklärt sind, arbeitet die Verwaltung gerade Vor- und Nachteile aus. So ist der aktuelle Stand.

Idyllisch: Als Naturschutzgebiet ist das Weingartener Moor Lebensraum für unzählige Pflanzen und Tiere: Nun ist Weingarten Aufsuchungsgebiet für Geothermie. Entsprechende Bohrungen könnten sich allerdings nachteilig auf das Ökosystem auswirken. Foto: Marianne Lother

Die Deutsche Erdwärme GmbH stellte einen Antrag auf Erteilung der bergrechtlichen Erlaubnis zum Aufsuchen von Erdwärme, Sole und Lithium im Feld Karlsruhe-Süd II. Von diesem Antrag ist die Gemarkung Weingarten betroffen. Das Regierungspräsidium hat die Gemeinde Weingarten aufgefordert, eine Stellungnahme abzugeben.

Ein solcher Antrag habe der Gemeinde bereits 2016 vorgelegen, sagte Bürgermeister Eric Bänziger (parteilos) in der jüngsten Gemeinderatssitzung. Der Gemeinderat habe ihn jedoch abgelehnt. Die Begründung war, Weingarten sei bereits durch die Probebohrungen nach Erdöl im Gewann „Bronnloch“ und durch zahlreiche noch vorhandene alte Ölleitungen aus den 1960er Jahren stark belastet.

Nun lasse die Klimaschutzdiskussion den Antrag in einem neuen Licht erscheinen. Das angestrebte Ziel, CO2-frei zu werden, bedeute, dass mehr als 50 Prozent der Energie aus Energieträgern gewonnen wird, die kein CO2 erzeugen. Die Ereignisse in der Gemeinde Staufen, in der Geothermie-Bohrungen zu größeren Schäden geführt hätten, seien nicht vergleichbar, sagte Bänziger

Erdbeben wohl nicht zu befürchten

In Staufen seien es oberflächennahe Bohrungen in wasserbindenden Keuperschichten gewesen. Außerdem seien sie mitten in der Stadt erfolgt. Auf der Gemarkung Weingarten werde auf eine völlig andere Art vorgegangen. Hier handele es sich um Tiefbohrungen in 2.500 bis 3.000 Metern Tiefe. Aus den Erfahrungen der Erdölaufsuchungsbohrung sei bekannt, dass in 1.700 Metern Tiefe Gesteinsschichten mit hohen Temperaturen vorhanden seien.

Erdbeben seien aus seiner Sicht nicht zu befürchten, denn die heute Technik arbeite mit deutlich geringeren Drücken als damals. Die Gefahr, dass sich Erdbeben mit Folgen wie in Staufen ereignen, sei ausgeschlossen.

Die Fraktionen zeigten sich skeptischer als der Bürgermeister. Nicolas Zippelius (CDU) sagte, er stehe dem Vorhaben der Deutschen Erdwärme grundsätzlich offen gegenüber. Er erkenne an, dass die Auswirkungen nicht mit Staufen vergleichbar seien. Negative Auswirkungen auf das Weingartner Moor seien aber nicht ausgeschlossen. Das bedürfe noch näherer Erläuterungen.

Nähere Informationen über die Vorgehensweise und ihre möglichen Folgen wünschte sich auch Hans-Martin Flinspach (Weingartener Bürgerbewegung, WBB). Denn bekanntlich binde das Moor CO2, was dann freigesetzt werde. Carolin Holzmüller (FDP) meinte, jedes Bauvorhaben werde auf seine Auswirkungen geprüft, also auch dieses. Ohne Prüfung könne sie keine Stellungnahme abgeben. Sonja Güntner (Grüne Liste) sah das Vorhaben grundsätzlich positiv. Wenn Klimaschutz gewollt werde, müssten alternative Energieträger herangezogen werden. „Wenn der Klimawandel nicht gestoppt wird, ist auch das Moor nicht zu retten.“ Darum signalisiere sie Zustimmung.

Werner Burst (SPD) glaubte nicht, dass sich die Geschichte aus dem Rheintal wiederhole. Wenn mit Vorsicht gearbeitet werde, stimme er zu.

Bänziger fasste die einzelnen Gesichtspunkte zusammen: Er weise auf die besondere Situation des Weingartner Moors als Naturschutzgebiet hin. Der Hotspot liege aber eher am Baggersee. Erdwärme sei notwendig. Neue Technik liege vor, Erdbeben seien nicht zu befürchten. Und wenn der Gemeinderat den Klimaschutz wolle, gehe an Geothermie kein Weg vorbei.

Endgültiger Beschluss vertagt

Gerhard Fritscher (CDU) schlug eine zweigeteilte Abstimmung vor. Der erste Teil solle eine aus Klimaschutzgründen grundsätzlich positive Haltung des Gemeinderates beinhalten. Im zweiten Teil fordere der Gemeinderat die Verwaltung auf, den Entwurf einer fundierten Stellungnahme zu erarbeiten und dem Gemeinderat zur Abstimmung vorzulegen.

Diesen Vorschlag begrüßte Timo Martin (WBB). Tiefgründigere Erläuterungen der Vor- und Nachteile seien besser als, als pauschal zu befürworten oder abzulehnen. Der Gemeinderat stimmte diesem Vorgehen einstimmig zu. Die endgültige Beschlussfassung war somit vertagt.

Auch in anderen Gemeinden in der Region reifen unterdessen Pläne zur Gewinnung von Geothermie. Am weitesten sind sie in Graben-Neudorf fortgeschritten: Im August genehmigte das zuständige Regierungspräsidium Freiburg Geothermie-Bohrungen in der Gemeinde. Im Ort ist das Vorhaben umstritten - eine Bürgerinitiative will es verhindern.

Zuletzt war in Vendenheim nördlich von Straßburg ein Geothermie-Projekt nach mehreren Erdbeben gestoppt worden.

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