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Weinbau

Herbst ohne Weinfeste: Produzieren Weingartener Winzer überhaupt noch Neuen Wein?

300 bis 500 Liter Neuen Süßen verkauft die Weinmanufaktur jede Saison - nur ein verschwindend geringer Anteil an der Gesamtproduktion.

Kellermeister Volker Hartmann verkostet den aktuellen Jahrgang, der sich gerade im Jungweinstatus befindet. Foto: Foto: Nico Fischer

Von Nico Fisch

Im Moment ist Kellermeister Volker Hartmann von der Weinmanufaktur in Weingarten dabei, alle Gerätschaften und auch die Produktionshalle für den gewissermaßen „Winter-Frühjahr-Sommer-Schlaf“ gründlich zu reinigen. Damit geht eine Lese zu Ende, bei der die geerntete Qualität nach Hartmann „sehr gut“ ist, während es die Menge der geernteten Trauben hingegen eher nicht ist: Zwischen 20 und 30 Prozent weniger Trauben als im Vorjahr hat man nach Hartmann in diesem Jahr geerntet.

Die geringe Menge lag dabei an den hohen Temperaturen und dem geringen Niederschlag. Was passiert dabei eigentlich mit den Trauben nach der Anlieferung? Im ersten Schritt werden die Stile entfernt und die Trauben durch das Quetschen aufgebrochen, wie Hartmann erläutert.

Neuer Wein oder Neuer Süßer?

Das so entstandene Gemisch aus den Schalen, Kernen und Fruchtfleisch der Trauben, das auch Maische genannt wird, wird dann gepresst und der Saft fließt zur Lagerung in den Keller. Wer dann aber nicht abwarten will, bis die Weine ausgebaut sind und der neue Jahrgang degustiert werden kann, kann schon jetzt, direkt nach dem Entstehen, eine erste Kostprobe nehmen: als Neuer Wein oder Neuer Süßer nämlich, wie der Traubenmost oftmals auch betitelt wird.

Der Most wird dabei aus der laufenden Produktion entnommen, wie Hartmann schildert. Dabei gibt es sowohl hellen als auch roten Most, „je nachdem, was an Trauben an diesem Tag angeliefert werden“. Ein oder zwei Tage dauert es, bis der Most anfängt zu gären und Alkohol entsteht. Dabei kommt es aber auch immer auf die Art der Lagerung an, da zum Beispiel ein warmes Umfeld den Gärprozess beschleunigt.

Rund 300 bis 500 Liter Neuen Weins verkauft man bei der Weinmanufaktur pro Saison, wobei der Anteil an der Gesamtproduktion „verschwindenden gering“ ist, wie Hartmann schildert.

Das Abfüllen des Mostes in Kanister war dieses Jahr wegen Corona nicht möglich. Da das Wein- und Straßenfest in Weingarten normalerweise im Sommer gefeiert wird, gibt es dort auch keinen Neuen Wein. Gegenwärtig befinden sich die zukünftigen Weine in Edelstahltanks im Keller der Manufaktur und sind im so genannten Jungweinstadium. Von „neuem“ Wein kann hier also keine Rede mehr sein. Was es aber noch bei der einen oder anderen Bäckerei in der Region zu kaufen gibt ist Zwiebelkuchen, der oftmals in Kombination mit dem Traubenmost genossen wird.

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