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Mehr Kurzsichtigkeit durch Corona?

Wie die Augengesundheit im Homeoffice leidet - Optiker aus dem Raum Karlsruhe berichten

Die Pandemie geht ganz schön auf die Augen. Zu diesem Schluss kommen Optiker in der Region, die einen Anstieg der Beschwerden seit Mitte 2020 beobachten.

Dauereinsatz am Bildschirm: Die Arbeit im Homeoffice wirkt sich auf die Augen aus, sagen Optiker in der Region. Beschwerden über Kurzsichtigkeit hätten zugenommen, auch bei Schulkindern. Foto: Sebastian Gollnow

Kinder haben während der Lockdowns durch das Homeschooling mehr Zeit am Bildschirm verbracht – das hat Auswirkungen auf die Augengesundheit, wie Optiker in der Region bestätigen. Und: Auch Arbeitnehmer im Homeoffice sind vermehrt davon betroffen.

Optik Benz ist ein Familienbetrieb in Weingarten. Geschäftsführerin Tanja Benz sagt: „Die Kinder tun mir total leid.“ Sie beobachtet den Anstieg an Kunden seit Mitte 2020.

„Die größte Veränderung verzeichnen wir ab der fünften und sechsten Klasse“, präzisiert die Augenoptikerin. Ihre Schwiegertochter Sabine Benz führt aus: „Sowohl Stamm- als auch Neukunden entwickeln eine höhere Kurzsichtigkeit als gewohnt.“ Es gebe eine unmittelbare Verknüpfung zwischen Kurzsichtigkeit und Bildschirmarbeit, ist die Erfahrung der Optikerinnen.

„Schüler berichten, dass sie ganze Unterrichtsblöcke am Bildschirm verbringen“, erzählt Tanja Benz. Es ginge sogar noch weiter, weil die Kinder teilweise keine Pause gehabt hätten zwischen den Lehrblöcken, so dass die Augenmuskeln keine Möglichkeit hätten, sich zwischendurch zu entspannen. Dagegen helfe manchmal nur eine Zwangspause, wie Benz betont.

Optiker raten zu mehr Pausen im Homeoffice

„Mehr Pausen beim Arbeiten am Computer.“ Mit diesem Appell bestätigt Monika Nagel aus Dettenheim ihre Fachkollegin. Für eine Aussage, ob sich Homeoffice und Homeschooling auf die Augengesundheit auswirke, sei der Zeitraum aber noch zu kurz. Einen Vorteil könne die Augenoptikerin aus Dettenheim dem mobilen Arbeiten abgewinnen: „Die Leute sind flexibler bei den Terminen und können jetzt auch eher am Vormittag kommen.“

Dafür fallen andere Wege weg. „Der Gang über den Flur, das kurze Gespräch mit dem Kollegen oder das Meeting im Konferenzraum: Alles spielt sich aktuell online ab“, sagt Sabine Benz. Der Arbeitsalltag bestehe hauptsächlich darin, fast ununterbrochen auf den Bildschirm zu schauen. Der lange Aufenthalt in Innenräumen birgt ein zusätzliches Risiko: „Kunden klagen immer öfter über brennende und trockene Augen, was sich meist in einer sehr schlechten Tränenfilmzusammensetzung bestätigt“, sagt sie.

Kunden klagen immer öfter über brennende und trockene Augen.
Monika Nagel, Optikerin

„Oft merkt man gar nicht, wenn es dem Auge zu viel wird“, weiß ihre Chefin Tanja Benz. Der Blick wird angezogen von Licht und Bewegung. „Die Schrift am Bildschirm hat eine minimale Bewegung. Unser Gehirn reduziert die Bewegung, ohne dass wir es merken. Das strengt das Auge an.“

Tanja Benz ist Optikermeisterin in Weingarten. In ihr Ladengeschäft kommen seit vergangenem Jahr mehr Menschen mit Beschwerden wegen Kurzsichtigkeit. Benz sieht das Homeoffice hier als Ursache. Foto: Optik Benz

Dabei lässt sich der Monitor optimieren. Der Flacker-Effekt lasse sich durch einen Flicker-Free-Monitor beruhigen, sagt ein Experte der LPC Computersysteme in Linkenheim. Ein Blaulichtfilter und ein mattes Display würden einen augenfreundlichen Bildschirm auszeichnen.

Provisorische Laptop-Ecken daheim können den Augen schaden

Während heutige Büros in der Regel mit höhenverstellbaren Tischen, beweglichen Stühlen und augenfreundlichen Monitoren ausgestattet sind, sieht es daheim meist anders aus. Provisorische Laptop-Ecken sind mangels Platz im Schlafzimmer oder im Keller eingerichtet, ohne Aussicht und Bewegungsfreiheit.

„Wer hat schon ein Extra-Büro zu Hause?“, fragt Tanja Benz. Aber selbst im kleinsten Raum könnten Position und Entfernung zum Bildschirm optimiert werden. Auch eine gute Beleuchtung des Arbeitsplatzes sei für die Augengesundheit von Bedeutung. Und: der bewusste Blick aus dem Fenster. Denn die Augenachse ist nur entspannt, wenn die Augen in die Ferne schweifen. Und wo ginge das besser als draußen? Darin sind die Optikerinnen aus Weingarten und Dettenheim einer Meinung.

„Mit den Kindern mehr ins Freie gehen“, empfiehlt Monika Nagel, da erlebten sie Perspektive. Doch die Kinder würden teilweise schon im Kindergarten an den Bildschirm herangeführt. „In Studien wurde bewiesen, dass mehr Kinder eine Brille brauchen“, sagt Tanja Benz. Was die trockene Luft in Innenräumen und die Fülle an Zeit vor der Scheibe betrifft, hat sie für Kinder nur den einen Tipp: „Raus an die frische Luft.“

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