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Mediator soll Brücken schlagen

Windkraft-Frage in Weingarten: Experte soll vermitteln

Zur Errichtung von Windrädern im Gemeindewald ist die Meinung der Bevölkerung in Weingarten sehr zwiespältig. Das dokumentiert sich auch in der Haltung des Gemeinderats.

Nicht um Windkraft im Allgemeinen, sondern um einen Standort im Wald gehen in Weingarten die Meinungen auseinander. Gegen das Windrad auf dem Gelände des Fraunhofer Instituts ist nichts einzuwenden. Foto: Marianne Lother

Das Gremium hatte sich unlängst mit nur einer Stimme Mehrheit dagegen ausgesprochen, Windräder im Gemeindewald Hinterer Heuberg zuzulassen. Damit aus diesen unterschiedlichen Standpunkten kein unüberbrückbarer Streit wird, hatte die WBB mit Fraktionssprecher Timo Martin vorgeschlagen, einen Experten als Mediator von außen zu holen.

Der Gemeinderat war dem Antrag gefolgt. In jüngster Sitzung sprach Christoph Ewen vom Forum Energiedialog Baden-Württemberg vor dem Gremium. Das Forum ist ein Angebot des Landes an die Kommunen.

Experte skizziert Fakten

Gerhard Fritscher (CDU), der den erkrankten Bürgermeister Eric Bänziger (parteilos) vertrat, betonte, an diesem Abend werde keine Entscheidung über eine eventuelle Zusammenarbeit getroffen. Zu Beginn skizzierte der Experte die Fakten, die oft eine verträgliche Einigkeit unter der Bevölkerung verhinderten.

Die meisten Befürworter von Windkraft leben im städtischen Raum, die Anlagen würden jedoch im ländlichen Raum gebaut, wo der Naturschutz eine größere Rolle spiele. Es gehe auch nicht nur um Windkraft. Es gehe auch um Fotovoltaik und zunehmend um Geothermie. Die Themen beinhalten komplexe und nicht jedem verständliche Sachfragen. Die Meinungsverschiedenheiten könnten so eskalieren, dass sich Bewohner eines Orts dauerhaft zerstreiten.

Möglicher Standort Hinterer Heuberg: Die Gegner sehen diesen Wald als gefährdet an, wenn hier Windräder gebaut würden Foto: Marianne Lother

Das Forum Energiedialog, so Ewen weiter, wolle über alle Parteien erreichen, dass sich alle Beteiligten ernst genommen fühlen und der Frieden im Ort gewahrt bleibe. Es wolle dazu beitragen, die Menschen vor Ort mit Verfahren, Chancen und Risiken vertraut zu machen.

Der erste Schritt einer Gemeinde sei die Klärung der eigenen Haltung und Beschaffung von Information über komplexe Inhalte. Der zweite sei, verschiedene Optionen aufzuzeigen und verständliche Erklärungen anzubieten mit dem Ziel, noch Unentschiedene zu informieren. Als hilfreiches Instrument empfahl er Exkursionen, hinauszugehen in die Natur und zu hören, wie laut ein Windrad tatsächlich ist. Mit dem Instrument der Visualisierung könne die optische Wirkung aus verschiedenen Perspektiven sichtbar gemacht werden.

Den Ablauf einer Zusammenarbeit skizzierte Christoph Ewen so: In einem ersten Gespräch mit einer Kommune werden Potenziale einer Zusammenarbeit ermittelt. Können sich Gemeinde und Forum eine Zusammenarbeit vorstellen, liegt die Entscheidung beim Gemeinderat. Stimmt dieser zu, wird das Forum tätig.

Auf Bestandsaufnahme folgt Umfeldanalyse

Auf eine erste Bestandsaufnahme folge eine Umfeldanalyse. Die Mitarbeiter des Forums loten aus, um welche Themen sich der Konflikt dreht. Auf der Basis dieser Analyse schlägt der Mediator Maßnahmen vor, die mit dem Bürgermeister abgestimmt werden. Er zeigt Planungsschritte auf und der Bürgermeister informiert den Gemeinderat. Mit diesem Werkzeugkoffer habe das Forum Energiedialog in den Gemeinden sehr gute Erfahrungen gemacht.

Matthias Görner (FDP) wies darauf hin, dass außer Weingarten auch die Nachbargemeinde Walzbachtal von dem Windpark-Vorhaben der EnBW betroffen sei. Nicolas Zippelius (CDU) forderte ebenfalls, wenn ein Projekt in Aussicht stehe, müsse auf Walzbachtal zugegangen werden, um gemeinsam zu entscheiden. Abschließend betonte Ewen, das Forum bewirke keine Entscheidungen. Es gehe darum, Wissen und Kenntnis zu vermitteln und darum, Bürger zu informieren und nicht, Bürger zu manipulieren. Fritscher erklärte, vor weiteren Schritten werde zunächst eine Besprechung mit Bürgermeister Eric Bänziger erfolgen.

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