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Abwechslung für Senioren

Wie Pflegeheime in der Region trotz Corona für Unterhaltung sorgen

Alten- und Pflegeheime galten in der Vergangenheit als Treiber der Corona-Pandemie und waren immer wieder Corona-Hotspots. Wie behalten die Menschen dort gute Laune in den tristen Zeiten von Corona?

Keine Langeweile gibt es im Haus am Wörthgarten. Mit Brettspielen, Aktivierungsangeboten und Gedächtnistraining bleiben die Senioren auch im Alter fit. Foto: Anne-Rose Gangl

„Der größte Teil unserer Bewohner und Mitarbeiter ist inzwischen geimpft. So können wir, natürlich unter der Einhaltung aller Hygienemaßnahmen, wieder für mehr Unterhaltung und Abwechslung sorgen“, erzählt Larissa Schaffner, die Einrichtungsleiterin des Haus Edelberg in Stutensee-Friedrichstal.

Neben Klavier- und Harfenkonzerten von Mitarbeitern stehen auch wieder Gruppenaktivitäten, wie der Sitztanz in kleinen Gruppen, auf der Tagesordnung. „Eine große Rolle spielen auch die Verkostungen der verschiedensten Leckereien, zum Beispiel von selbstgebackenen Waffeln, Schokolade und hin und wieder auch einem Eierlikör”, sagt Schaffner. „Für Gottesdienste kommt jeden Freitag der Pfarrer ins Haus.”

Die Gottesdienste werden aus dem Andachtsraum übertragen, sodass sie die Bewohner in ihren Wohnbereichen live mitverfolgen können. Das gelte auch für Andachten, die jeden Donnerstag von einem ehrenamtlichen Mitarbeiter abgehalten werden.

Corona-Schnelltests vor dem Besuch

Besucher empfängt das Haus Edelberg derzeit, doch um eine telefonische Anmeldung wird gebeten. „Vor dem Besuch führen wir entweder einen Corona-Schnelltest durch oder der Besucher bringt eine Bescheinigung über einen negativen Test mit, der nicht älter als 48 Stunden sein darf”, erklärt die Einrichtungsleiterin.

Große Ausflüge gibt es in Zeiten von Corona nicht, doch schon ein Spaziergang mit einem Betreuer oder eine Pflegekraft ermöglicht es den Bewohnern, mal etwas anderes zu sehen als immer nur den eigenen Wohnbereich. „Viele sitzen auch gerne einfach in der Sonne und genießen den Frühling“, so Schaffner.

Wie ist die Stimmung unter den Heimbewohnern? „Nicht wie in normalen Zeiten“, sagt Schaffner, „aber wir sind von Natur aus Optimisten und die gute Laune der Mitarbeiter färbt auf die Bewohner ab.“ Mitarbeiter von Pflegeheimen stehen jeden Tag vor neuen Herausforderungen, sagt sie. „Denn wir wollen alle unsere Arbeit jeden Tag so gut machen, wie wir können.“

In der Corona-Pandemie sind sie seit mehr als einem Jahr noch stärker gefordert. „Ganz sicher ist es auch eine Herausforderung, die Bewohner vor einer dritten Welle zu schützen“, sagt Schaffner. „Doch wir sehen uns auch wegen unserer Erfahrung gut darauf vorbereitet.”

Von dieser Erfahrung kann auch das Altenpflegeheim Stiftung Geschwister W. Nees in Linkenheim-Hochstetten erzählen. „Wir hatten seit Beginn der Pandemie keinen einzigen infizierten Bewohner”, sagt Jürgen Klenk, der Leiter des Betreuungsdiensts. Einige Male habe es Verdachtsfälle gegeben, sodass für einige Tage ein Wohnbereich oder das Haus geschlossen wurde, bis sich dieser als falsch herausstellte.

Langweilig wird den Bewohnern aber auch in Zeiten der Pandemie nicht, denn zwischen den Mahlzeiten herrscht ein buntes Programm an Aktivitäten. “Von Musik, Singen und Gedächtnisrunden bis hin zum Kraft- und Balancetraining reicht unser Angebot”, erzählt Klenk.

Konzerte vor dem Haus

Besonders ist allerdings, dass die Bewohner zu den Angeboten weitestgehend auf ihrer Wohnetage bleiben und sich nicht durchmischen. Neben Spaziergängen im Garten wird auch gemeinsam gesungen oder der Drehorgel gelauscht. „Es gibt immer wieder Konzerte mit Mitgliedern des Posaunenchors vor dem Haus, auch Alphornbläser oder Sänger vom Kammertheater haben uns schon vor dem Haus musikalisch unterhalten“, erzählt Klenk. „Wir konnten uns bisher immer in den jeweiligen Wohngruppen die Gemeinschaft so fröhlich, wie es geht, gestalten.“

Deshalb sei die Stimmung bei der Stiftung Gebrüder W. Nees überwiegend positiv. „Ältere Menschen, die zuhause leben, sind in diesen Monaten oft viel einsamer“, meint Klenk.

Genau dieses Problem erlebt Tobias Stein, der Geschäftsführer der Ökumenischen Diakoniestation Pfinztal, täglich. „Viele Bewohner, die im Betreuten Wohnen zuhause sind, leben allein und hoffen, dass die Gemeinschaftsangebote baldmöglichst wieder anlaufen werden“, sagt er.

Die Ökumenische Diakoniestation ist eine Einrichtung der ambulanten Pflege und betreibt zwei Seniorenwohnanlagen in Pfinztal-Söllingen. „Im Rahmen des Betreuten Wohnens wird weiterhin ein gemeinsames Mittagessen angeboten, doch Veranstaltungsangebote wie gemeinsame Spielenachmittage bleiben weiterhin ausgesetzt“, so Stein.

Statt drei Betreuungsgruppen werde man ab sofort eine Art „Notbetreuung“ für die Tagespflege und die Menschen im Betreuten Wohnen anbieten. „Ein Regelbetrieb ist aber noch lange nicht erreicht“, betont Stein, denn alle Handlungen sind mit strengen Hygiene- und Abstandsregeln verbunden. „Deshalb möchten wir uns herzlich bei den Patienten und Angehörigen für das entgegengebrachte Vertrauen und Verständnis bedanken, aber besonders auch bei unseren Mitarbeitern für den verlässlichen Einsatz und die Mitarbeit unter den aktuell erschwerten Bedingungen.“

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