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Dieses Jahr wird früher gefeiert

Wie Ukrainer in Blankenloch sich auf das Weihnachtsfest vorbereiten

Die Ukraine-Flüchtlinge in der Region feiern dieses Jahr früher Weihnachten. In ihrer Heimat findet das eigentliche Weihnachtsfest erst am 6. Januar statt.

Blonde Frau sitzt mit ihrem Sohn auf dem Schoß in einem Wohnzimmer vor einem gedeckten Tisch
Alona Patalakh ist im März mit ihrem zehnjährigen Dima (Foto), ihrer Schwester Yana und deren Tochter Valeria aus ihrer Heimatstadt Dnipro nach Stutensee gekommen. Foto: Werner Breitenstein

„Driving Home For Christmas“, singt Chris Rea. Seit den 1980er Jahren fährt der britische Rocksänger alljährlich an den Festtagen zurück zu seinen Liebsten. In einem noch älteren Schlager von Roy Black heißt es: „Weihnachten bin ich zu Haus.“ Und wehmütig ergänzt dann der Liedtexter: „…wenn auch nur im Traum.“

So stellt sich die Situation in diesem Jahr für Alona Patalakh dar. Im März kam die gelernte Floristin zusammen mit ihrem zehnjährigen Sohn Dima, ihrer Schwester Yana Chekulaina und deren Tochter Valeria aus ihrer ukrainischen Heimatstadt Dnipro nach Blankenloch. Unterstützt wurden sie dabei vom gemeinnützigen Verein Schaukelpferd aus Stutensee, der Kinderhilfsprojekte in der Ukraine und in Bulgarien betreibt. Ihre Familien mussten sie zurücklassen.

Eigentliches Weihnachtsfest erst am 6. Januar

Alona Patalakh erzählt von den vielen Bräuchen und Traditionen ihrer Heimat in der Winterzeit. „Nikolaustag ist am 19. Dezember, und in der Nacht vom 31. Dezember zum 1. Januar feiern wir nicht wie hier mit vielen Freunden, sondern nur im engsten Familienkreis.“ Väterchen Frost und seine Tochter Schneeflöckchen brächten dann die Geschenke der Eltern an die Kinder.

Wichtig ist, dass zwölf Gerichte auf dem Tisch stehen.
Alona Patalakh, Floristin aus der Ukraine

Das eigentliche Weihnachtsfest findet am 6. Januar statt. Ab 18 Uhr, wenn der erste Stern am Firmament erscheint, gehen die Kinder – vergleichbar mit unseren Sternsingern – von Haus zu Haus, singen Lieder, sagen Gedichte auf und sammeln Süßigkeiten ein. Zu Hause wartet dann die große Gesellschaft mit dem Essen. „Wichtig ist es, dass zwölf Gerichte auf dem Tisch stehen – symbolisch für die zwölf kommende Monate“, betont Alona. Als erstes wird traditionell die Kutja, eine Süßspeise aus Weizen, Mohn und Honig, serviert.

„Und wenn es mehr als zwölf Gerichte sind, spricht das für eine gute Hausfrau“, ergänzt Svitlana Krupchenko schmunzelnd. Sie ist die Freundin von Alona und die Patin ihres Sohnes. Mit den Schwestern teilt sie nicht nur das Schicksal der Flucht, sondern auch die Wohnung.

Gelegentliche Besuche von Angehörigen aus ihrer Heimat

Inzwischen geht man auch in der Ukraine vermehrt dazu über, am gleichen Datum wie in anderen Ländern Heiligabend und Weihnachten zu feiern, erklären sie. Das machen sie in diesem Jahr in Deutschland natürlich genauso.

Gelegentlich können sie sich auch über Besuche von Angehörigen aus der Heimat freuen, über die Weihnachtszeit lässt sich das aber nicht einrichten. So bleibt die Wohngemeinschaft an Heiligabend unter sich. „Wir versuchen trotzdem, die zwölf Gerichte hinzubekommen“, sagt Alona vorsichtig.

In der Ukraine gibt es noch ein weiteres traditionelles Fest, das orthodoxe Neujahr am 14. Januar. An diesem Datum hat der Verein Schaukelpferd im Graubau Stutensee eine „Ukrainische Party im neuen Jahr“ organisiert. Das soll allen Betroffenen die in diesem Jahr verpasste große Familienfeier ein wenig ersetzen. Alona, Yana und Svitlana haben sich mit einigen Landsleuten aus der Region zusammengesetzt und ein buntes Programm mit einem Musical als Höhepunkt vorbereitet. Sie freuen sich auf viele Besucher.

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