Skip to main content

Große Schäden in der Landwirtschaft

Wildgänse werden im Norden von Karlsruhe immer mehr zum Problem

Eingewanderte Art: Nilgänse sind auf Nahrungssuche auf einem Acker bei Spöck. Landwirte klagen, dass die großen Vögel Getreide anfressen. Foto: Franz Lechner

Von unserem Mitarbeiter Franz Lechner

In den vergangenen zehn Jahren ist die Gänsepopulation im Jagdrevier von Thomas Hornung regelrecht explodiert. Der Stadtrat in Stutensee ist auch Jagdpächter in Spöck, und genau dort auf den Feldern in der Nachbarschaft des Naturschutzgebiets Kohlplattenschlag werden Gänse in den vergangenen Jahren tatsächlich immer mehr zu einem Problem.

Während die großen Vögel in benachbarten Regionen vor allem auf den Liegeflächen großer Freizeitseen Ärger verursachen, sorgen sie in der Hardt wohl eher in der Landwirtschaft für Schäden. Beispielsweise bei Daniel Hartmann: „Wir hatten in diesem Jahr bei Spöck in einem großen Feld mit Sommergetreide einen Ernteausfall von 80 Prozent“, berichtet der Stafforter Landwirt und ergänzt: „Gänse haben die Spitzen der jungen Getreidehalme zu einem so ungünstigen Zeitpunkt abgefressen, dass die keine Ähren mehr bilden konnten.“

Gänse sind sehr intelligente und schwer zu bejagende Tiere.
Thomas Hornung , Jagdpächter in Spöck

Ein Schaden in dieser Höhe durch Gänse ist zwar auf Feldern bis jetzt noch eher die Ausnahme, wie Hartmann bestätigt, allerdings machen sich die Gänse jedes Jahr auch über sein Wintergetreide her. „Dort hält sich der Schaden aber bis jetzt noch in Grenzen“, sagt der Landwirt.

Bei Spöck kann man zwar wegen des nahen Naturschutzgebietes Kohlplattenschlag besonders viele Gänse beobachten, aber auch bei Linkenheim oder bei Dettenheim kann man die großen Vögel vor allem in den Wintermonaten häufig auf Feldern mit Wintergetreide grasen sehen. In der kalten Jahreszeit kommen nämlich viele Graugänse aus dem Norden oder dem Osten Europas zum Überwintern in die Rheinebene.

Schäden durch aus anderen Ländern eingeschleppte Arten

Davon abgesehen ist das Gänseproblem vom Menschen selbst verursacht. Lediglich die Graugans ist nämlich schon immer in der Region zu Hause. Alle anderen in der Hardt inzwischen heimisch gewordenen Gänsearten stammen aus Nordamerika, vom Nil, aus den innerasiatischen Steppen oder den Hochebenen Zentralasiens und heißen Kanada-, Nil-, Rost- oder Streifengans. Neozoen nennt man solche ursprünglich aus fremden Ländern eingeschleppte Tiere.

Von ihren Heimatregionen sind sie allerdings nicht freiwillig in die Hardt gekommen. „Diese verschiedenen Gänsearten wurden alle als Ziergeflügel in Zoos, Tierparks und vereinzelt von Privatleuten gehalten“, weiß Thomas Hornung. Sein Jagdkollege und Ornithologe Jürgen Görze ergänzt: „Abgesehen von der Graugans sind also alle in der Region vorkommenden Gänsearten fast immer die Nachkommen von Gefangenschafts-Flüchtlingen.“

Achtung, ich komme: Eine Nilgans setzt im Naturschutzgebiet Kohlplattenschlag zwischen Spöchk und Graben zur Landung an. Foto: Franz Lechner

Der Mensch hat sich also den Ärger, den er mit den Gänsen heute häufig hat, tatsächlich selbst eingehandelt. Für Hartmann ist das kein Trost. Er hofft auf eine intensivere Bejagung der Vögel. Das ist aber nicht so einfach. „Kanada- und Nilgans gehören zwar seit dem neuen Landesjagdgesetz neben der Graugans zum jagdbaren Wild, aber ihre Jagdzeit liegt zwischen dem 1. September und dem 15. Januar, also nicht in der Zeit, in der sie im Sommergetreide für Schäden sorgen“, erklärt Hornung.

Daniel Hartmann überlegt daher, im nächsten Jahr beim Kreisjagdamt eine Sondergenehmigung zum befristeten Bejagen der Vögel außerhalb ihrer Jagdzeit zu beantragen. Aber selbst damit wäre das Problem noch nicht wirklich gelöst. „Abgesehen von der Nilgans sind Gänse sehr intelligente und daher sehr schwer zu bejagende Vögel“, sagt Hornung.

nach oben Zurück zum Seitenanfang