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Millionen sehen Muräne Maurice

Karlsruher plant Deutschlands erstes Tierheim für Fische

Dank dem weltweit bekannten Karlsruher Aquarienexperten und "Aquascaper" Oliver Knott sehen Menschen aus der ganzen Welt die Muräne Maurice aus dem Naturkundemuseum Karlsruhe. Der Videoclip wurde bisher bereits zweieinhalb Millionen Mal angeklickt.Noch in diesem Jahr will Knott das erste Tierheim für Fische in Deutschland eröffnen.

Oliver Knott kennt sich mächtig gut aus mit Aquarienfischen. Der Karlsruher erntet Millionen Klicks mit seinen Videoclips. Jetzt will er Deutschlands erstes Tierheim für Fische eröffnen. Foto: okaquadesign

Dank dem weltweit bekannten Karlsruher Aquarienexperten und "Aquascaper" Oliver Knott sehen  Menschen auf der ganzen Welt die Muräne Maurice aus dem Naturkundemuseum Karlsruhe. Der Videoclip wurde bisher bereits zweieinhalb Millionen Mal angeklickt.

Wenn Oliver Knott die Finger im Spiel hat, wird die digitale Welt zu einem großen Aquarium. Zum Greifen nah windet sich in sattblauem Wasser ein getüpfeltes, schlangenartiges Wesen. Es ist eine prächtige Netzmuräne im Naturkundemuseum Karlsruhe. Kraftvoll schnappt sie sich ein Stück Fisch.

Videoclip aus dem Aquarium: eine perfekte Illusion

Der Tierpfleger Alex Mendoza hält den Happen mit einer langen Pinzette ins Becken. Im Hintergrund plätschert leise einströmendes Nass aus dem Filter. Was trennt den muskulösen Raubfisch von den Betrachtern: der Bildschirm oder die Scheibe des Aquariums? Die Illusion ist perfekt. Nur der Hauch von Meerwasser in der Nase fehlt.

„Dieser schlanke, nette Junge ist über 20 Jahre alt und heißt Maurice“, erklärt der Mann, der den Videoclip in dem tierisch bestückten Schauhaus am Friedrichsplatz gedreht und um den Globus geschickt hat.

Oliver Knott aus Karlsruhe ist als Aquascaper weltweit bekannt

Oliver Knott kennt die Muräne, seit sie ein Jungfisch war, und er weiß alles über ihren künstlichen Lebensraum. Knotts Metier nennt sich „Aquascaping“, Aqua für Wasser, Scaping für „in Form bringen“. Als Süßwasser-Gärtner mit Zierfisch-Wissen hat Oliver Knott Fans in aller Welt. Sein Clip mit Mendoza und Maurice hat ein Millionenpublikum. In Tunesien, Asien, den USA klickt man Knott auf Youtube, bei Instagram und Facebook.

Wie Tiere und Pflanzen unter Wasser gesund und schön bleiben, erforschte der 47-Jährige schon als Jugendlicher in Knielingen. Die Muräne Maurice war mal ein „Ex-Mitarbeiter“, erzählt Knott fröhlich aus seiner Zeit als Betriebsleiter eines großen Karlsruher Tierfachgeschäfts. „Damals war er etwa 60 Zentimeter groß, aber er wuchs mächtig.“

Heute liegt bei den Händlern mehr Verantwortung.
Oliver Knott, ehemals Betriebsleiter eines Karlsruher Tierfachgeschäfts

Schließlich gab das Team den kapitalen Kerl an den Friedrichsplatz ab. „Damals verkaufte man auch Haie an Privatleute. Heute liegt bei den Händlern mehr Verantwortung, es kommt auch mehr Druck von außen. Das finde ich richtig“, sagt Knott.

Wie Maurice wurde auch Hai Kalli zu groß

Nicht nur Maurice hatte Glück mit seinem Umzug ins Naturkundemuseum. Auch der Hai Kalli kam ins XXL-Korallenbecken, den Mittelpunkt der Schau im Westflügel, weil er für seinen privaten Halter zu groß wurde. Per Livestream kann man den Schwarzspitzen-Riffhai Kalli, seine Gefährtin Karla und alle anderen regenbogenbunten Bewohner des größten lebenden Korallenriffs in Deutschland beobachten.

Im Keller des Schauhauses bekommen außerdem mehrere Clownfische das Gnadenbrot. Sie sind wohl 1986 geschlüpft und damit bereits bald 35 Jahre alt.

Ich finde, auch Fische haben ein Recht auf ein zweites Zuhause.
Oliver Knott weiß, dass mancher Aquariumbewohner vor der Zeit baden geht

„Viele denken nicht daran, wie alt Fische werden können“, weiß Knott. Manches Aquarium geht auch samt seiner Bewohner baden nach einem Umzug, einer Trennung oder einem Todesfall. „Ich finde aber, auch Fische haben ein Recht auf ein zweites Zuhause“, meint der Aquascaper.

Das verbindet ihn mit Hannes Kirchhauser, dem Chef der Aquarien und Terrarien des Naturkundemuseums, die Knott regelmäßig besucht. „Ich bin begeistert von der Qualität und der Akribie. Das Haus muss sich europaweit nicht verstecken.“

Nächstes Projekt: Deutschlands erstes Tierheim für Fische

Knott hat Stützpunkte im nördlichen und südlichen Landkreis Karlsruhe, sitzt aber viel im Flugzeug. In der Corona-Krise hält er nur im Ländle Lebenswelten seiner Pfleglinge in Schuss. So hat er jetzt mehr Zeit, seinen Traum zu verwirklichen.

Noch in diesem Jahr, so sein Ziel, will er im Odenwald das erste Tierheim für Fische in Deutschland eröffnen. Eine mittelständische Firma baue in ihren Neubau eine Fischanlage ein, erzählt Knott. Dort will er heimatlose Aquarienbewohner aufnehmen und gegen eine Spende an neue Besitzer vermitteln.

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