Skip to main content

„Schultest online“

Karlsruher Programmierer hat Corona-Test-App für Schulen entwickelt

Viele Eltern und Grundschullehrer kostet der Covid-Test mehrfach pro Woche Zeit und Nerven. Erste Schulen testen nun die App „Schultest online“, die ein Karlsruher Programmierer entwickelt hat – und die Erleichterung verheißt.

Grüne Punkte auf der Klassenliste: Sie signalisieren, dass ein Schulkind getestet ist und die Eltern ein Foto des Covid-Tests mit Hilfe der App „Schultest online“ übermittelt haben. Leuchtet ein gelber Punkt auf, fehlt der Test-Nachweis. Foto: Julian Meier

Ganze Klassen von Sechsjährigen am frühen Morgen auf Corona-Infektionen testen? Oder 25 Zettel einsammeln und dann mühsam kontrollieren, welche Kinder eine unterschriebene Test-Bestätigung von den Eltern mitgebracht haben – und welche Zettel fehlen?

Die Lehrkräfte der Schloss-Schule im Karlsruher Stadtteil Durlach ersparen sich neuerdings beide zeitaufwendige Prozeduren: Sie lassen sich die Beweise für die Covid-Tests der Grundschüler elektronisch übermitteln. Der Tablet-Computer spuckt ihnen dann vor Unterrichtsbeginn eine fertige Liste aus.

„Unsere Lehrer gucken auf ihre iPads – und dann sehen sie auf einen Blick, ob alle Kinder getestet sind“, erklärt Rektorin Melanie Erndwein. „Sind nur grüne Punkte zu sehen, kann der Unterricht sofort beginnen.“

Gelber Punkt bei „Schultest online“ bedeutet: Nachweis fehlt

Taucht zwischen den grünen Farbkreisen jedoch ein gelber Punkt auf dem Bildschirm auf, dann ist klar: Ein Kind hat keinen Testnachweis geliefert. Lediglich solche Einzelfälle müssen dann nachträglich getestet werden. „Aus unserer Sicht ist das eine große Erleichterung“, sagt Erndwein. „Und auch viele Eltern sind froh darüber, dass der ,Zettelkruscht‘, wie sie es nennen, nun wegfällt.“ Möglich macht es die App „Schultest online“. Der Karlsruher Programmierer Daniel Lott hat sie entwickelt.

„Die Idee kam mir bei einem Zoo-Ausflug mit einer alten Schulfreundin und den Kindern“, erzählt er. Die Freundin sei selbst Lehrerin. „Sie sagte mir, wie schrecklich umständlich für Eltern und Lehrer das Prozedere sei, und wie fehleranfällig und leicht zu fälschen.“ Grundschulen und Sonderpädagogische Zentren können in Baden-Württemberg wählen, ob sie die Tests im Klassenzimmer durchführen oder ob die Eltern das zuhause erledigen und dann selbst schriftlich bestätigen, dass ihr Kind negativ getestet ist.

Er hatte die Idee für „Schultest online“: Programmierer Daniel Lott aus Karlsruhe. Erste Karlsruher Schulen testen seine App. Foto: Julian Meier

Lott hat eine Sicherheitsstufe bei seiner App eingebaut: Die Eltern müssen ein Foto vom Covid-Test mit frischem, klar erkennbaren Teststreifen schießen und übermitteln. Und wenn jemand auf die Idee kommt, alte Test-Fotos abzuschicken? Das funktioniere nicht, sagt der Entwickler: „Die App verhindert, dass der Nutzer auf alte Fotos aus der Galerie zugreift.“

Es werden keine Schülerdaten gespeichert.
Daniel Lott, App-Entwickler

Auf eine Feststellung legt Lott Wert. „Der Datenschutz ist zu hundert Prozent gewährleistet“, versichert er. „Es werden keine Schülerdaten gespeichert.“ Die Mädchen und Jungen tauchen auf den elektronischen Listen nicht als „Lena“, „Emil“ oder „Chantal“ auf, sondern beispielsweise als „Schüler/Schülerin 1“ oder „Schüler/Schülerin 7“.

Jede Familie erhält einen Zugangscode – aber wer sich dahinter verbirgt, ist nicht via App hinterlegt. Die Lehrkräfte notieren das auf einer klassischen Namensliste, die sie auf Papier aufbewahren.

An Karlsruher Schule nutzen 88 Prozent der Familien die Corona-Test-App

„Wir zwingen auch niemanden, die App zu nutzen“, betont Rektorin Erndwein. Die Testphase an ihrer Schule hat nach den Sommerferien begonnen.

„Am ersten Tag haben 65 Prozent der Familien mitgemacht, jetzt sind es bereits 88 Prozent – das ist ein Super-Ergebnis“, sagt die Schulleiterin. Einzelne Familien blieben beim alten System, weil ihnen nach eigener Aussage die Technik für das Online-Verfahren fehlt. „Wir schauen, ob wir denen Geräte leihweise zur Verfügung stellen können“, sagt Erndwein.

Zu Zeiten der großen Zettel-Wirtschaft habe die Schloss-Schule jedensfalls deutlich mehr Mädchen und Jungen nachträglich testen müssen, weil sie ohne Test-Bestätigung in die Schule kamen. „Früher waren es von unseren 350 Kindern täglich 15 bis 30, heute sind es fünf bis zwölf“, sagt Erndwein.

Die Mehrheit der 16 Klassenlehrer rufe morgens meist eine Liste voller grüner Punkte auf. Dass die Familien seltener den Test-Nachweis vergessen, führt die Durlacher Schulleiterin auch auf eine Zusatzfunktion von „Schultest online“ zurück: „Die Eltern bekommen regelmäßig eine Erinnerungsnachricht.“

Zettelwirtschaft bleibt Lehrern erspart

Drei Monate lang habe er in seiner Freizeit an der App gearbeitet, sagt Entwickler Lott. Im Hauptberuf arbeitet er als IT-Administrator für die Karlsruher Schulverwaltung. Den Schulen dort hat er „Schultest online“ kostenlos zur Verfügung gestellt. Herunterladen können Nutzer die App über die gängigen App-Stores.

Auch die Adam-Remmele-Schule testet sie aktuell. „Das Prinzip ist viel einfacher“, bestätigt Rektor Markus Becht die Erfahrungen seiner Durlacher Kollegin. Früher sammelten die Pädagogen zuerst alle Test-Bestätigungen ein und ließen die Kinder danach ins Klassenzimmer. „Da gucken Sie Dutzende Blätter durch“, sagt Becht. „Bei ,Schultest online‘ rufen sie nur die Klassenliste auf.“

Allerdings gebe es da ein Problem, gegen das auch die beste Technologie nicht ankomme. „Es machen nicht alle mit“, sagt der Schulleiter im BNN-Gespräch. Von 160 Schülern fehlten am Morgen 16 bis 18 Test-Nachweise: „Es sind oft dieselben, denen man hinterher telefonieren muss.“

Andererseits hätten sich viele Eltern dagegen gewehrt, dass ihre Kinder gemeinsam im Klassenzimmer getestet werden. „Es gab viel Widerstand“, sagt Becht. „Etwa die Hälfte der Eltern war gegen Tests in der Schule.“ Die Angst, ihre Kleinen könnten „ausgegrenzt“ werden, falls der Corona-Test positiv ausfällt, habe offensichtlich eine große Rolle gespielt.

Lehrkräfte telefonieren in Karlsruhe stundenlang Eltern hinterher

Nun muss eine Lehrkraft morgens bei den säumigen Eltern anrufen: Ob die Kinder in der Schule einen Test machen dürfen? Oder ob die Schule sie nochmal heimschicken darf? Eine Kollegin, die aktuell aus gesundheitlichen Gründen nicht im Klassenzimmer unterrichten darf, kümmere sich um solche Aufgaben: „Heute war sie von 7.30 bis 9 Uhr damit beschäftigt“, sagt Becht seufzend.

Ja, die Eltern müssten schon mitziehen, meint die Durlacher Rektorin Erndwein, egal bei welchem System. „Gott sei Dank ist das bei unseren Eltern der Fall. So sparen wir wichtige Zeit, die wir dringend für den Unterricht brauchen.“

Ob seine App wohl Schule macht? „Denkbar wäre auch, dass Kitas und Vereine sie nutzen“, sagt Entwickler Daniel Lott. Aber das hänge auch ganz davon ab, wie sich die Pandemie und die Test-Regeln entwickeln.

nach oben Zurück zum Seitenanfang