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Hoffnung auf Normalität im neuen Schuljahr

Karlsruher Schulleiter: „Präsenzunterricht ist wichtig für das soziale Miteinander“

Einen konkreten „Plan B“ haben die Karlsruher Schulen nicht in der Schublade – zu unsicher ist die Corona-Lage. Uwe Müller hofft auf Normalität im neuen Schuljahr und erklärt, was eine erneute Schulschließung aus seiner Sicht bedeuten würde.

Bleibt trotz aller Unsicherheiten gelassen: Uwe Müller, geschäftsführender Schulleiter aller Karlsruher Gymnasien, lässt sich seinen Optimismus nicht nehmen. Foto: Peter Sandbiller

Am Montag geht die Schule wieder los. Für die Karlsruher Schülerinnen und Schüler ist es mittlerweile das dritte Schuljahr unter Pandemie-Bedingungen.

An den Schulen herrscht Unsicherheit bei den Quarantäneregeln. Die unsichere Corona-Lage macht einen „Plan B“ schwer bis unmöglich.

BNN-Redaktionsmitglied Tina Mayer sprach mit Uwe Müller, dem geschäftsführenden Schulleiter aller Karlsruher Gymnasien, über Corona-Tests, Quarantäneregeln und Luftfilter. Der Schulleiter des Max-Planck-Gymnasiums in Rüppurr hofft bei alldem auf ein bisschen mehr Normalität.

Wie optimistisch starten Sie in das neue Schuljahr?
Müller

Wir sind alle froh, dass Präsenzunterricht stattfinden wird. Dazu kommen endlich auch wieder außerunterrichtliche Veranstaltungen – und wir hoffen auch auf ein bisschen kulturelles Leben. Vor allem das soziale Miteinander hat sehr gefehlt. Ich freue mich über etwas mehr Normalität.

Es ist mittlerweile das dritte Corona-Schuljahr. Haben Sie da feste Pläne in der Schublade?
Müller

Wir stehen sicher besser da als noch vor anderthalb Jahren zu Beginn der Pandemie. Da wir aber auch jetzt nicht genau wissen, was auf uns zukommt, können wir nicht immer einen konkreten Plan B oder C in der Schublade haben. Aber wir haben viele Erfahrungen gesammelt in Sachen Hygienekonzepte, Testen, Präsenz- oder Fernlernunterricht. Darauf können wir zurückgreifen.

Mancher rechnet schon wieder mit erneuten Schulschließungen im Herbst …
Müller

Das wollen wir nicht, aber wenn es so kommen sollte, würden wir nicht so unvorbereitet dastehen wie im März 2020. Das sorgt für eine gewisse Sicherheit. Aber wir werden natürlich alles tun, um das zu vermeiden.

Was würde eine Schließung für die Schülerinnen und Schüler bedeuten?
Müller

Wir reden immer von den Corona-Erkrankungen und deren langfristigen Folgen und beides ist schlimm, keine Frage. Aber die Folgen eines längeren Lockdowns für die Schülerinnen und Schüler müssen auch immer ein Thema sein. Was macht die soziale Vereinsamung mit den Schülern? Gibt es psychische oder – zum Beispiel durch fehlende körperliche Aktivität – physische Folgeschäden? Wird vielleicht wirklich jemand abgehängt? Gerade Letzteres ist aus der Ferne für uns als Lehrer schwer zu beurteilen. Es ist ein großer Unterschied, ob ein Lehrer vor 30 Kindern steht oder 30 Bildschirme vor sich hat. Der Präsenzunterricht ist ganz wichtig, fürs Lernen, aber auch für das soziale Miteinander.

Wie geht es mit den Corona-Tests im neuen Schuljahr weiter?
Müller

Ungeimpfte Lehrer werden sich täglich testen müssen. Zur Impfquote habe ich derzeit noch keine Zahlen. Meinem Gefühl nach ist diese Quote bei Lehrerinnen und Lehrern aber sehr hoch, am Max-Planck-Gymnasium tippe ich mal auf 80 bis 90 Prozent. Die Schülerinnen und Schüler müssen die ersten 14 Tage zweimal wöchentlich getestet werden, ab dem 27. September erhöht sich der Testzyklus auf dreimal in der Woche.

Stichwort Luftfilter. Das Land fördert die Anschaffung. Wie ist hier der aktuelle Stand in Karlsruhe?
Müller

Die Stadt hat vor den Sommerferien eine Umfrage gestartet, um hier den Bedarf zu ermitteln. Der Fokus liegt auf den Klassen 1 bis 6, da diese Kinder noch kein Impfangebot erhalten haben. Außerdem wird geschaut, wie viele schlecht belüftbare Räume es in den Schulen gibt. Bei uns am Max-Planck-Gymnasium geht es um die fünfte und sechste Klassenstufe, also um insgesamt acht Klassen. Bislang haben wir aber noch keine Rückmeldung von der Stadt bekommen. Gelüftet werden muss in Zukunft aber nach wie vor, die Luftfilter sollen diese Maßnahme nur ergänzen.

Die Quarantäne-Regeln haben sich auch geändert …
Müller

… die haben sich in der Vergangenheit immer wieder verändert. Man kann nie ganz sicher sein, was letztlich im konkreten Fall geschieht. Bei einem positiven Fall treten wir mit dem Gesundheitsamt in Kontakt, das jeden Fall individuell erörtert. Ziel ist es, dass die Schülerinnen und Schüler nicht automatisch zwei Wochen zu Hause sitzen müssen. Aber es gibt natürlich gewisse Unsicherheiten: Was ist beispielsweise mit dem Sportunterricht? Und wer weiß, mit welcher Mutante wir uns im Herbst auseinandersetzen müssen?

Kultusministerin Theresa Schopper sieht die Schulen gut gerüstet. Hat Sie mit dieser Aussage recht?
Müller

Einerseits ja. Wir sind zum Beispiel ausgestattet mit Masken und Tests und haben natürlich vielfältige Erfahrungen. Aber die komplette Umsetzung aller Regeln kostet viel Zeit, Kraft und Energie, das darf man nicht unterschätzen. Nehmen Sie beispielsweise die verschiedenen Aufholprogramme für die Kinder und Jugendlichen wie aktuell das Projekt „Lernbrücken“, im November startet dann das Projekt „Rückenwind“. Das sind zwar toll klingende Namen, aber man braucht dafür mehr als nur das. Da fühlt man sich vor Ort schon recht häufig sehr alleine gelassen.

Sie klingen trotz aller Widrigkeiten positiv und gelassen.
Müller

Ich sehe es als unsere selbstverständliche Pflicht an, das Bestmögliche für unsere Schülerinnen und Schüler zu tun und umzusetzen. Alle Kolleginnen und Kollegen haben sich in den vergangenen anderthalb Jahren mit aller Kraft dafür eingesetzt und getan, was getan werden muss – und in vielen Fällen mehr als das.

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