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Müll in Karlsruhe

Karlsruher Straßenreinigung ist mit dem Tablet dem Dreck auf der Spur

Drei Qualitätsmanager prüfen täglich die Sauberkeit in Karlsruhe - nach dem Zufallsprinzip. Durch ihre Informationen werden die Touren der Reinigungstrupps geplant. Die kommen aber vor allem in den äußeren Stadtteilen komm hinterher. Was die Qualitätsmanager sehen, bringt sie oft zum Kopfschütteln.

Genau hinschauen heißt es für Werner Lenhard, wenn er für seinen Job im gesamten Stadtgebiet unterwegs ist. Der Qualitätsmanager beurteilt die Sauberkeit in acht Kategorien. Foto: jodo

Der Mann mit der orangenen Jacke und dem Tablet in der Hand erregt Aufmerksamkeit. In der Oberreuter Goerdelerstraße drehen sich mehrere Menschen nach ihm um, einmal wird er angesprochen. Werner Lenhard kennt das schon. „Es mault immer wieder mal einer, ich sollte lieber sauber machen statt nur zu schauen“, erzählt er. Doch genau das ist sein Job. Lenhard ist einer von drei Qualitätsmanagern beim Amt für Abfallwirtschaft (AfA). Das Tablet ist sein Arbeitsgerät.

Wo sie hinkommen, bestimmt der Zufall

Jeden Tag sind die Männer auf Karlsruhes Straßen unterwegs. Wo genau, das bestimmt der Zufall. „Wir suchen ein Gebiet aus, der Computer teilt uns dann 20 Straßen zu“, erklärt Lenhard. Mindestens vier Mal pro Jahr kommen die Qualitätsmanager so in jedem Stadtteil vorbei.

Für alle zugeteilten Abschnitte füllen sie ein Protokoll aus, das als Basis für künftige Touren der Straßenreinigung dient. Die Verschmutzung müssen sie in acht Kategorien auf einer Skala von eins bis fünf beurteilen. Bei eins ist alles in Ordnung, fünf markiert akuten Handlungsbedarf.

Reste vom Feuerwerk und ein alter Reifen im Gebüsch

In der Goerdelerstraße sieht Lenhard auf den ersten Blick, dass der letzte Besuch eines Reiningstrupps mindestens sechs Monate her ist. Am Straßenrand und auf den Parkplätzen sammeln sich alte Verpackungen, Papierfetzen und Überreste des Silvesterfeuerwerks . „Mindestens vier“, murmelt der AfA-Mann vor sich hin. Zigarettenkippen liegen überall verteilt.

Auch kleine Glasscherben entgehen dem Blick des Profis nicht. Kopfschütteln löst ein alter Autoreifen aus, der einfach ins Gebüsch geworfen wurde. „Illegale Ablagerung – das ist eine Fünf und muss dringend behoben werden“, bilanziert Lenhard. Mit Fotos dokumentiert er den größten Dreck.

Zehn Prozent der Menschen verursachen den überwiegenden Teil unserer Arbeit.
Andreas Bender, Leiter der Stadtreinigung

Dass die Straßenränder und Parkplätze in der Goerdelerstraße aussehen, als wären sie der natürliche Entsorgungsort für Verpackungsmüll, hat mehrere Gründe. „Die meisten Menschen halten ihre Stadt sauber und werfen ihren Müll nicht einfach auf die Straße“, sagt Andreas Bender, der für die Straßenreinigung verantwortlich ist.

Werderplatz wird täglich gereinigt

„Aber vielleicht zehn Prozent der Menschen verursachen den überwiegenden Teil unserer Arbeit.“ Dazu kommt, dass für die südwestlichen Stadtteile ein einziger Reinigungstrupp zuständig ist. „Daxlanden, Grünwinkel, Oberreut, Rüppurr und Dammerstock – alles nur ein Team“, sagt Lenhard.

„Für mehr Sauberkeit fehlen einfach Leute.“ Im Innenstadtgebiet sieht das ein wenig anders aus. So wird beispielsweise der Werderplatz in der Südstadt nach Vorgabe aus dem Rathaus jeden Tag von der Straßenreinigung besucht. „Innen hui – außen pfui“, kommentiert Werner Lenhard.

Eine Küchenzeile entsorgt im Grüncontainer

Seit über sieben Jahren schaut der AfA-Mann als Qualitätsmanager beim Gang durch die Stadtteile ganz genau hin. Davor hat er bei der Müllabfuhr kontrolliert, ob die Karlsruher ihren Abfall richtig trennen. So richtig lässt ihn der Job auch in seiner Freizeit nicht los. „Meine Frau meckert schon manchmal, wenn ich beim Spazieren gehen nach dem Dreck am Wegrand schaue“, sagt er schmunzelnd.

Aber was er dabei schon alles gesehen hin, macht ihn wütend. „Wir haben mal eine ganze Küchenzeile aus einem Grüncontainer geholt. Das versteht man wirklich nicht.“ Die Menschen seien leichtfertig, auch weil sie für ihre Müllsünden meist ohnehin nicht bestraft würden. „Unser Service wird ausgenutzt, das frustriert schon“, erzählt er.

Nach dem Zufallsprinzip wählt der Computer die zu prüfenden Straßen aus. Danach zeichnet sich Lenhard die Abschnitte auf einer Karte ein. Foto: jodo

Zuständigkeit für die Flächen ist ein Flickenteppich

Beim zweiten Stopp in der Bernhard-Lichtenberg-Straße hat Werner Lenhard nicht ganz so viel zu notieren. Vor allem der Wildwuchs am Rand des Gehweges fällt ihm auf. Vor den Kaugummiflecken hat er längst kapituliert. Die gebe es so gut wie überall, da sei quasi nichts zu machen. In den Parkbuchten liegen ein paar Kippen, ein zerrissener Strafzettel ist quer über den Grünstreifen verteilt.

Hier wird die Reinigung allerdings direkt zu einer Frage der Zuständigkeit – und die ist ein Flickenteppich. Straßen und öffentliche Parkplätze gehören zum Gebiet des AfA. Die Grünstreifen nur in der Mitte der Straße. Größere Flächen links und rechts daneben sind Sache des Gartenbauamtes. Für Gehwege vor den Häusern sind die Anlieger verantwortlich, für private Parkplätze deren Besitzer.

„Natürlich nehmen das unsere Mitarbeiter nicht zu genau. Die sammeln mit der Zange schon mal Papier vom Grün, aber sie müssten es nicht“, erklärt Lenhard.

Reform von 2013 könnte zurückgedreht werden

Die Aufteilung geht zum Teil auf eine Reform im Jahr 2013 zurück. Seitdem ist das Gartenbauamt für öffentliche Mülleimer auf Grünflächen und Spielplätzen verantwortlich.

Das AfA für die auf Straßen und Plätzen. Aktuell haben sich die Ämter das Stadtgebiet aufgeteilt: Die Straßenreinigung übernimmt den Innenstadtbereich, das Gartenbauamt die Peripherie. „Bald könnte das aber zurückgedreht werden, damit wieder die ganze Verantwortung bei uns liegt“, sagt Bender. Man sei sich im Grunde einig, aber noch ist nichts unterschrieben.

Zurück im Büro liest Werner Lenhard seine Daten auf dem Computer ein. Aus den Bewertungen für die acht Kategorien berechnet das System eine „Gesamtnote“. Mit den Tourplanern stimmt er sich außerdem über dringende Probleme ab – wie den alten Reifen in der Goerdelerstraße. Am nächsten Tag geht es mit frisch geladenem Tablet wieder los – wohin, das weiß Lenhard noch nicht.

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