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Meinung

von Charlotte Inden

Kinderkram-Kolumne

„Mama, ich muss vor die Tür“ - wenn die Disziplinarmaßnahme nicht greift

Was tun mit Klassenclowns und Störenfrieden? Des Zimmers verweisen! Auf dass sie geläutert zurückkehren mögen. Klappt nicht immer, berichtet unsere Autorin.

Wohin müssen kleine Störenfriede? In manchen Schulen tatsächlich eine Weile vor die Tür. Ob das hilft, ist eine andere Frage.
Wohin müssen kleine Störenfriede? In manchen Schulen tatsächlich eine Weile vor die Tür. Ob das hilft, ist eine andere Frage. Foto: serhiibobyk/Adobe Stock

Wir haben ein kleines Disziplinproblem, meldet die Schule meiner Söhne. Wegen Corona, der Lockdowns und so. Die Schule löst es mit: einer Ampel. Die Bezeichnung ist irreführend, es ist, um die Sache klar beim Namen zu nennen, ein Bestrafungssystem. Belohnungssystem könnte man es natürlich auch nennen. Es hängt wahrscheinlich davon ab, ob man sich eher im grünen oder im roten Bereich aufhält.

Einer meiner Söhne hält sich im grünen Bereich auf. Er sammelt fröhlich Punkte, Smileys, Murmeln, was auch immer gerade en vogue ist. Und irgendwann gibt es dann was Süßes. Leckerlis halt. Das Ganze erinnert mich persönlich ja sowieso irgendwie daran, wie Leute ihre Hunde erziehen. „Sitz!“ und „Aus!“ in der Schule zu rufen, würde sich aber wohl nicht so gut machen, da könnten Eltern Anstoß nehmen. Deshalb die Leckerlis.

Mein Sohn findet das gut. Er mag Süßes. Mein anderer Sohn auch. Aber der lebt eher im roten Bereich. Im dunkelroten. Da hagelt es dann keine Leckerlis, sondern Ermahnungen, Verwarnungen, denen irgendwann die Auszeit folgt. Soll heißen: Ab vor die Tür mit dem Störenfried. Dieses Vor-der-Tür-Stehen ist als ultimative Strafe gedacht.

Klappt? Nicht immer, fürchte ich. Mein Sohn erzählte jedenfalls, dass einer seiner Kumpels einen genialen Vorschlag hatte: „Lass uns mal ausprobieren, wie schnell wir es auf Auszeit schaffen!“ Nun, sie schafften es zügig und wurden vor die Tür geschickt. Gemeinsam. Fanden sie super. Der neue Plan ist: Es wieder zusammen raus zu schaffen.

Und was ist der Plan B?

Was nun, liebe Lehrer? Jetzt soll, wer mehrmals hintereinander auf Auszeit landete, bei der Direktorin vorstellig werden müssen. Ich bin mir nicht sicher, ob das was bringen wird, die Dame ist nämlich eine sehr nette Frau. Aber ich wünsche allen Beteiligten viel Glück.

Ich find’s ja schon doof, wenn meine drei nicht auf mich hören, da will ich mir zweiundzwanzig bockige Schüler auf einem Haufen gar nicht vorstellen.

Ich habe meinem Sohn erklärt, dass es fies ist, im Unterricht zu stören, weil die Lehrer sich so viel Arbeit machen. Das sehe er ein. Hat er gesagt. Und gefragt, ob er jetzt was Süßes kriegt.

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