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Meinung

von Martha Steinfeld

Neues aus dem Elternleben

Kinderkram-Kolumne: Eine lange Kuh im Kinderbett

Ashanti - so heißt das Lieblingskuscheltier des Sohnes unserer Kinderkram-Autorin. Sie ist davon nicht besonders begeistert. Warum? Weil es eigentlich gar kein Kuscheltier ist.

Das zukünftige Lieblingskuscheltier ihres Sohnes hatte sich unsere Autorin eigentlich anders vorgestellt. Foto: Martha Steinfeld

Viele Kinder haben ein Lieblingskuscheltier. Ich selbst, zum Beispiel.

Wo auch immer ich damals hinging, hatte ich einen Ochsen dabei. „Ochsi“, hatte ich ihn fantasievoll getauft.

„Ochsi“ war braun mit schwarzer Schnauze, hatte zwei Hörner, zwei Beine und zwei Arme. Sie lesen richtig: Arme, denn „Ochsi“ stand nicht wie ein echter Ochse auf vier Beinen, sondern aufrecht auf zweien.

Vielleicht liegt es an meiner eigenen, unromantischen Wahl, dass ich mir das Ganze bei meinen Kindern anders vorgestellt hatte. Kaum auf die Welt gekommen, sah ich sie vor meinem inneren Auge durchs Wohnzimmer tapsen, im Arm einen niedlichen Teddybären oder vielleicht einen kuscheligen Hasen.

Ein Meter Hai

Es sollte anders kommen.

Die Neunjährige hatte eines Tages beim Besuch eines Möbelhändlers in der Kinderabteilung einen riesigen, blauen Hai entdeckt. Sofort war es um sie geschehen. „Captain“, wie sie ihn taufte, ist nun Teil unserer Familie und begleitet uns mit seinen 100 Zentimetern Länge auf Reisen. Das ist nicht praktisch, aber immerhin niedlich.

Die Welt ist bunt: Vor allem mit Kindern. Foto: Dolgachov/Fotolia

Ich wünschte, ich könnte vom Lieblingskuscheltier des Sechsjährigen dasselbe sagen. Er hatte es vom Übernachtungsbesuch bei den Großeltern mitgebracht: Ein Tier mit dem Kopf einer Kuh und einem langen, plüschigen Schlauch als Körper. Ich erkannte es fort: Es war der Zugluftstopper, den meine Eltern seit Jahren im Winter unter die Tür zu ihrer Altbauwohnung legen.

Es war der Zugluftstopper

„Warum hast Du denn den dabei?“, fragte ich den Sechsjährigen belustigt. „Das ist Ashanti, meine Schlange!“, antwortete er. „Aber, das ist doch eine Kuh! Und außerdem ist es kein Kuscheltier, sondern soll dafür sorgen, dass keine kalte Luft unter der Tür durchkommt“, erklärte ich ihm.

„Das ist Ashanti und sie schläft bei mir“, sagte der Sechsjährige bestimmt. Und so kam es. Ashanti, die lange Kuh, Verzeihung: Schlange, lebt jetzt bei uns. Und während Teddybären und kuschelige Hasen unbeachtet in der Ecke sitzen, darf auch sie auf Reisen mitkommen.

Und was kann ich schon dagegen sagen? Die Liebe zu Rindviechern liegt anscheinend in der Familie.

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