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Neues aus dem Elternleben

Kinderkram-Kolumne: Keine Medien ohne Mädchen

Mädchen müssen die Hauptrolle spielen, sonst will die Neunjährige den Film nicht sehen. Jim Knopf hat da keine Chance.

Keine Mädchen, kein Interesse: Die Tochter unserer Kinderkram-Autorin legt hohe Maßstäbe an ihr Fernsehprogramm. Foto: pololia / stock.adobe.com

Kennen Sie den Bechdel-Test? Das ist ein Test, der zur Beurteilung von sexistischen Klischees in Spielfilmen herangezogen wird.

Er besteht aus drei Fragen. Diese lauten:

1. Gibt es mindestens zwei Frauenrollen in dem Film?

2. Sprechen die Frauen miteinander?

3. Unterhalten sie sich über etwas anderes als einen Mann?

Kann man alle Fragen mit ja beantworten, hat der Film den Test bestanden.

Die Neunjährige kennt den Bechdel-Test nicht. Anwenden tut sie ihn trotzdem. Seit dem Kleinkindalter weigert sie sich strikt, einen Film zu sehen, der den Bechdel-Test nicht besteht.

Strenge Kriterien

Ihre Kriterien sind sogar noch strenger: Spielen die Mädchen keine Hauptrolle, will sie den Film nicht sehen. Dürfen die Mädchen nicht dieselben Abenteuer erleben, wie die Jungs, schaltet sie ebenfalls aus.

Auch auf andere Medien weitet sie ihre Prinzipien aus. Ob Hörspiele, Bücher, Serien oder Comics – keine Mädchen, kein Interesse.

Die Welt ist bunt: Vor allem mit Kindern. Foto: Dolgachov/Fotolia

Ihre Urteile sind seit jeher vernichtend. Räuber Hotzenplotz? „Nein, das ist doof, da sind nur Jungs!“ Paw Patrol? „Der Mädchen-Hund macht nichts und trägt Pink!“ TKKG? „Mama, Tim hat gesagt, Gabi soll daheim bleiben, weil es gefährlich ist. Spinnt der?“ Die drei !!! lesen? „So dumm, die haben nur Streit wegen Jungs!“

Keine Chance für Jim Knopf

Ich heiße diesen radikalen Feminismus durchaus willkommen. Nur um ein paar Klassiker der Kinderliteratur tut es mir ein wenig leid. Das fliegende Klassenzimmer? Ist raus, spielt auf einer Jungs-Schule. Tom Sawyer? Peter Pan? Nils Holgersson? Jim Knopf? Pumuckl? Keine Chance beim Bechdel-Test und damit bei uns.

Ausnahmen gibt es wenige: Harry Potter, denn „ohne Hermine würden der und Ron nichts auf die Reihe kriegen“. Die drei Fragezeichen, „weil ich vielleicht Detektivin werde“.

Was der Bruder dazu sagt

Ein Problem gibt es allerdings: Die Ansprüche der Neunjährigen stehen denen ihres Bruders oft diametral entgegen. Allerdings nicht so, wie man denken würde.

Der Siebenjährige sieht sich zwar auch gerne repräsentiert, besteht zuvorderst aber auf spannenden Abenteuergeschichten. „Mir egal ob Junge oder Mädchen“, sagt er, „aber wenn es langweilig ist, mach ich aus.“

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