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Kostenlose Lieferung bleibt

Kleine Läden dürfen öffnen: So reagieren die Karlsruher Händler auf die neuen Regeln

Am Montag sollen Geschäfte mit bis zu 800 Quadratmetern Verkaufsfläche wieder öffnen dürfen. Doch der Karlsruher Einzelhandel beklagt viele ungeklärte Fragen. Man hänge in der Luft, wird selbst von Einkaufscentern bemängelt.

Ware ist da im Unikat in der Kaiserstraße. Doch Andreas Preißler weiß nicht, unter welchen Vorgaben er aufschließen darf. Foto: jodo

Mit Spannung schauen die Karlsruher Einzelhändler derzeit nach Stuttgart. Sie warten auf Ansagen des Landes, unter welchen Bedingungen sie am Montag ihre Läden wieder aufschließen dürfen – und wissen zum Teil nicht, ob sie bis dahin bereits alle Corona bedingten Auflagen erfüllen können.

„Wir hängen in der Luft“, sagt Andi Preißler, der in der Kaiserstraße in seinem Geschäft Unikat nachhaltige Mode vertreibt. Er tut dies auf 100 Quadratmeter, also deutlich entfernt vom definierten Maximum von 800 Quadratmetern. „Aber wer weiß, vielleicht müssen wir am Sonntag noch umbauen“, sagt der Unternehmer.

Deutliche Einbußen

Seine Umsätze brachen schon im März um 70 Prozent ein. Aktuell beträgt das Minus 60 Prozent. Per Lieferservice wurde etwas aufgefangen. Soforthilfe ist inzwischen beantragt.

Preißler sagt: „Ich fürchte, dass einige kleinere Läden auf der Strecke bleiben, die gerade den Mix in der Innenstadt ausmachen.“ Die am Mittwoch verkündete Wiederöffnung von kleineren Läden hält Preißler für einen Schnellschuss, „auch wenn man uns damit sicher helfen will“.

Ob Kunden kommen, müssen wir sehen
Andi Preißler

Der Unternehmer sagt: „Erst mal müssen wir Geld in die Hand nehmen, um die neuen Vorgaben umzusetzen. Und ob dann die Kunden kommen, müssen wir sehen.“ Cafés oder Restaurants im Umfeld sind schließlich noch zu. Ebenso die bewusst von der Politik gebremsten Frequenzbringer wie Peek & Cloppenburg oder Breuninger.

Fragezeichen sehen hingegen noch die beiden Shoppingcenter in der Innenstadt. „Wir stehen im engen und fortlaufenden Austausch mit den Behörden, müssen aber die konkreten Vorgaben abwarten, um zu prüfen, welche Geschäfte wieder öffnen können und was das für uns als Center bedeutet. Wir rechnen mit kurzfristigen Entscheidungen“, heißt es in einer Erklärung des Ettlinger Tors.

Drei Läden sind größer

Andreas Thielemeier, der die Postgalerie managt, sagt offen: „Es ist aktuell unklar, wer öffnen darf.“ Ein Tabakhändler, die Post und Lidl sind in der Mall schon jetzt auf. Thielemeier rechnet damit, dass nächste Woche 14 weitere Läden dazu kommen. Primark, TK Maxx und Decathlon haben mehr als die im ersten Schritt erlaubten 800 Quadratmeter Verkaufsfläche.

„Decathlon hat im Erdgeschoss aber weniger als 800 Quadratmeter und könnte den Zugang zum ersten Stock leicht sperren“, gibt der Centermanager zu bedenken – wissend, dass dies ziemlich sicher nicht so kommen wird. Dabei betonen Thielemeier und all seine Kollegen: „Gesundheit geht natürlich vor.“

Mit Mundschutz wollen die Mitarbeiter der Stephanus-Buchhandlung nächste Woche im Laden stehen. „Wir freuen uns schon, dass es jetzt wieder losgeht“, sagt Verkäufer Thomas Klein. Er steht in einem Geschäft mit deutlich unter 800 Quadratmetern – wobei laut Verordnung dieses Maximum beispielsweise für Buchhändler und Autohäuser gar nicht gilt.

„Einige Supermärkte, die jetzt schon offen sind, sind auch viel größer“, gibt Citymanager Frank Theurer zu bedenken. Und was sei mit dem, der 801 Quadratmeter hat... „Ich finde die Zahl ziemlich willkürlich“, sagt Melitta Büchner-Schöpf. Sie kann aus dem Stand die Quadratmeterzahl ihres Modehauses am Marktplatz nicht benennen. Sie weiß jedoch, dass es für eine Öffnung am Montag zu viele sind. „Natürlich brauchen wir erst einmal Beschränkungen. Wir müssen in erster Linie dafür sorgen, dass es nicht zu voll wird“, so die Unternehmerin.

Herausforderung Warteschlange

Ein weiterer Gesichtspunkt dabei treibt derzeit die Karlsruhe Marketing und Event GmbH (KME) um. „Wenn wieder mehrere Läden nebeneinander geöffnet sind und es dort jeweils zu Schlangen kommt, muss das organisiert sein. Dabei gilt es Abstand zwischen den Schlangen, zu Passanten und den Bahnen zu halten“, erklärt KME-Mitarbeiter Dennis Fischer.

Die KME, die auch Großveranstaltungen wie das – für dieses Jahr abgesagte – „Fest“ organisiert, bietet den Karlsruher Händlern dabei Unterstützung an. „Wir kommen zum Beispiel auf Wunsch vor Ort, um kostenlos Klebepunkte auf dem Boden anzubringen.“ Bei größeren Geschäften könne es um die Frage gehe, welche Ein- und Ausgangstüren am besten geöffnet werden. „Aber wir müssen ebenso sehen, welche Vorgaben es am Ende vom Land gibt“, so Fischer, dessen Kollegen in der Corona-Krise bereits Zugangssysteme für den Bürgerservice im Karlsruher Westen erarbeiteten.

Lieferservice bleibt bestehen

Neben der KME unterstützt auch die städtische Wirtschaftsförderung den Handel in der Krise. Gemeinsam mit der Cityinitiative wurden Radkuriere geordert, die Waren vom örtlichen Geschäft zum Kunden bringen – für die 250 beteiligten Unternehmen und die Käufer kostenlos.

„Allein am Mittwoch und Donnerstag vor Ostern hatten wir 500 Lieferungen“, bilanziert Theurer. Und obwohl einige Läden nun wieder aufmachen, halte man im April an diesem kostenlosen Lieferservice fest. Einerseits, um Geschäfte zu unterstützen, die noch zu sind. Andererseits auch, um den Menschen ein Angebot zu machen, die noch nicht zum Shoppen in die City wollen.

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