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Kostenloser ÖPNV gefordert

Klimakollektiv Karlsruhe protestiert gegen die Fahrpreiserhöhung des KVV

Marisa läuft lieber 20 Minuten, als das Ticket über fast drei Euro für die Bahn zu bezahlen. Sie nimmt am Aktionstag des Klimakollektivs Karlsruhe teil, um gegen die Preiserhöhung des Karlsruher Verkehrsverbundes zu demonstrieren.

Ein Zeichen für den Klimaschutz: Das Klimakollektiv Karlsruhe veranstaltete am Samstag eine Aktion mit gemeinsamer Fahrradtour. Grund dafür waren die steigenden Preise für die Bus- und Bahntickets in Karlsruhe. Foto: Joerg Donecker / jodo-foto Karlsruhe

Auf Fahrrädern sollte die Botschaft verbreitet werden. Dabei ging es bei dem Protest des Klimakollektivs Karlsruhe am Samstag um ein ganz anderes Verkehrsmittel: den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV).

Die ab 1. August geltende Preiserhöhung des Karlsruher Verkehrsverbundes (KVV) um fast vier Prozent war Auslöser und Thema der Demonstration in der Innenstadt.

„Kostenloser ÖPNV statt ständiger Stau“: Mit Plakaten mit Aufdrucken wie diesen machten sich im Anschluss an die Kundgebung zahlreiche Demonstrierende auf dem Fahrrad auf dem Weg durch die Innenstadt. Vom Marktplatz führte die Route in Richtung Oststadt, über die Kriegsstraße und schließlich zum Friedrichsplatz. 100 Personen waren vom Veranstalter gemeldet, teilte die Polizei mit.

Verschiedene Gruppen gestalten den Aktionstag zusammen

Den Aktionstag gestaltete das Klimakollektiv gemeinsam mit Perspektive aus der Krise, der Interventionistischen Linken, Fridays for Future, Die Linke, der Bürgeraktion Umweltschutz Zentrales Oberrheingebiet (BUZO) und dem Bündnis Smash IAA.

Die Preiserhöhung sei ein Schlag ins Gesicht für alle, die den öffentlichen Nahverkehr nutzen wollen oder müssen, so die offizielle Ankündigung. Die Begründung für die Preiserhöhung könne das Kollektiv nicht nachvollziehen.

Wenn wir ein nachhaltiges und ökologisches Karlsruhe haben wollen, geht die Fahrpreiserhöhung in die falsche Richtung.
Maik, Mitglied beim Klimakollektiv Karlsruhe

„Wenn wir ein nachhaltiges und ökologisches Karlsruhe haben wollen, geht die Fahrpreiserhöhung in die falsche Richtung“, kritisiert Maik vom Klimakollektiv. „Wir brauchen eine Alternative zum Auto und müssen beim ÖPNV von der Profitorientierung weg.“ Bei den Kundgebungen und ihrer Fahrt durch die Stadt wolle man genau hierauf aufmerksam machen.

Flyer-Aktion in Bahnen bereitete auf die Demonstration vor

Bereits in den Tagen zuvor waren Vertreter des Klimakollektivs in Bahnen unterwegs, haben Flyer verteilt und auf die anstehende Preiserhöhung hingewiesen, so Maik. „Inzwischen ist es Routine, dass die Tickets jedes Jahr teurer werden.“ Der ÖPNV werde unattraktiver. „Es wird nicht alles gemacht, was man für Klimaschutz bräuchte“, sagt Maik. „Am sinnigsten wäre ein kostenloser ÖPNV.“

Ich kann verstehen, wenn die Leute so auf das Auto umsteigen.
Marisa, Studentin in Karlsruhe

Für Marisa ist die Sache eindeutig: „Ich kann verstehen, wenn die Leute so auf das Auto umsteigen.“ Die 24-Jährige nimmt gemeinsam mit Freundin Anabel an der Demonstration teil. Sie wollen nicht nur die Redebeiträge hören, sondern auch an der Fahrt teilnehmen. Als Studentin seien die Ticketpreise nicht bezahlbar. „Ich laufe dann lieber 20 Minuten zum Bahnhof, als die Öffentlichen zu nutzen.“

Kostenloser ÖPNV ermöglicht gesellschaftliche Teilhabe.
Julia Schmidt, Sprecherin beim Aktionstag

Es gehe jedoch um mehr, als um die Attraktivität des ÖPNV, betont Julia Schmidt vom Klimakollektiv bei ihrer Rede auf dem Marktplatz. „Kostenloser ÖPNV ermöglicht gesellschaftliche Teilhabe“, sagt sie. Die Preiserhöhung steuere dem entgegen. Zudem sei es unfair, die Gründe für die Entscheidung auf die Beschäftigten und die Kunden abzuwälzen.

Ein profitables Geschäft könne der ÖPNV eben nicht sein, sagt Schmidt. Doch der Kapitalismus verhindere, dass kostenlose Angebote geschaffen würden.

Die höheren Ticketpreise seien ein „krasser Gegensatz zur Klimawende“. Ein kostenloser ÖPNV sei nicht unrealistisch, so Schmidt. „Es ist unrealistisch, dass die Klimakrise mit Rückschritten wie der Preiserhöhung gelöst wird.“

KVV rechtfertigte Entscheidung mit höheren Ausgaben und Investitionen

Bereits nach der Bekanntgabe des KVV im Mai gab es reichlich Kritik an dem Vorhaben. Das Unternehmen rechtfertigte die Preiserhöhung etwa mit steigenden Personalkosten, Investitionen in die Infrastruktur und höheren Energiepreisen für Bus und Bahn.

„Angesichts der Klima- und verkehrspolitischen Ziele steht der KVV wie die gesamte ÖPNV-Branche vor der Herausforderung, die Ausweitung des Angebots oder flexiblere Ticket-Lösungen auf eine solide finanzielle Grundlage zu stellen“, erklärte damals Frank Mentrup, KVV-Aufsichtsratsvorsitzender und Oberbürgermeister der Stadt Karlsruhe.

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