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Hilfe für Hochrisikopatienten

Krebskrank in Corona-Zeiten: "Die Isolation ist sehr schwer auszuhalten"

Wer Krebs hat, gilt während der aktuellen Corona-Pandemie als Hochrisikopatient. Mehr noch als viele gesunde Menschen, fürchten sich die Betroffenen davor, sich mit dem Coronavirus anzustecken. Deswegen verlassen viele Krebspatienten ihre Wohnungen nicht mehr. Doch in den eigenen vier Wänden lauert eine andere Gefahr: Angst.

Ein Patient liegt auf der Intensivstation eines Krankenhauses. Foto: Kay Nietfeld/dpa

Wer Krebs hat, gilt während der Corona-Pandemie als Hochrisikopatient. Mehr noch als viele gesunde Menschen, fürchten sich die Betroffenen davor, sich mit dem Coronavirus anzustecken. Denn mit einer Krebserkrankung ist die Wahrscheinlichkeit eines schweren Krankheitsverlaufs von Covid-19 deutlich höher. Deswegen verlassen viele Krebspatienten ihre Wohnungen nicht mal mehr für einen Spaziergang. Doch in den eigenen vier Wänden lauert eine andere Gefahr: die Angst.

In der Krebsberatungsstelle der Arbeiterwohlfahrt (AWO) in Karlsruhe ist es in diesen Tagen nahezu leer. Wie fast überall sind die meisten Mitarbeiter dort zu Hause. Das Coronavirus hat die Zimmer leer gefegt, in denen vor der Pandemie Menschen mit einer Krebserkrankung und deren Angehörige Rat und Hilfe suchen konnten. Die Beratung geht auch in Corona-Zeiten weiter. Nicht persönlich, sondern telefonisch. Und auch die Sorgen, die die Krebskranken und ihre Angehörigen belasten, haben sich ein wenig verändert.

"Die Menschen mit Krebs sind insgesamt sehr verunsichert", erzählt Elke Rottenberg-Enghofer, die die Krebsberatungsstelle in Karlsruhe leitet. Viele Fragen der Krebspatienten drehen sich um ihre Behandlung und die Frage, ob diese überhaupt noch weitergehen kann. Hier kann Rottenberg-Enghofer immerhin klar sagen: "Aktuelle Behandlungen und geplante Therapien werden nicht unterbrochen." Andere Ängste der Betroffenen sind weniger greifbar.

Krebspatienten sorgen sich um Infektionsgefahr

"Durch die ganze Presse sind viele verunsichert, was die tatsächliche Infektionsgefahr mit dem Coronavirus angeht", sagt die Leiterin. Die Krebspatienten hätten sehr große Angst, sich anzustecken. Viele würden das Haus deswegen nicht verlassen, obwohl sie das - mit den richtigen Vorkehrungen - eigentlich durchaus tun dürften. "Gerade unsere Ratsuchenden haben große Angst. Und die Isolation, die sie auch von der Behandlung kennen, ist sehr schwer auszuhalten", so Rottenberg-Enghofer.

Besonders schlimm sei die Situation für jene, die alleine wohnen. "Die können gar nicht raus, haben alle sozialen Kontakte gekappt", sagt die Leiterin der Beratungsstelle. Oft vergrößert die Einsamkeit der Betroffenen noch die Ängste, die sie ohnehin schon haben. Hinzu kämen eingeschränkte oder unterbrochene Behandlungen wie Physiotherapie, Lymphdrainage oder Sportgruppen. Die telefonische Beratung kann in solchen Zeiten eine Art Rettungsanker sein.

Menschen, die sich bereits vor Corona in Beratung befunden haben, müssen sich deswegen auch nicht selbst melden oder einen Termin ausmachen. "Wir rufen die Menschen, die wir aktuell begleiten, selbst öfter an", erklärt Rottenberg-Enghofer. Die Gespräche dauern meist zwischen einer halben und einer vollen Stunde. Und am Ende der Telefonberatung steht immer das Versprechen des Beraters oder der Beraterin, nächste Woche wieder anzurufen. Das gibt den Krebskranken zumindest ein kleines bisschen Sicherheit.

Corona und Krebs: Was tun, wenn die Angst kommt?

Durch die telefonische Beratung können die Krebskranken ihre Sorgen jemandem mitteilen. Das ist eine große Hilfe, doch manchmal reicht sie nicht aus. "Wir bieten auch Hilfestellung, um mit der Angst umzugehen, die manchmal hochkrabbelt", sagt Rottenberg-Enghofer.

Die richtige Strategie sei jedoch von Mensch zu Mensch verschieden. Manchen hilft es, ihren Tag zu strukturieren. Anderen verschafft es Erleichterung, Musik zu hören oder mit jemandem zu sprechen. "Manchmal erklären wir den Betroffenen auch, wie eine Gruppen-Videokonferenz auf Whatsapp funktioniert", so die AWO-Beraterin. "Wie erarbeiten das einfach gemeinsam mit den Patienten."

Wenn der Tod bevorsteht

Manchmal ist es nicht nur die Isolation, die Angehörige und Betroffene belastet. "Wir haben immer wieder Menschen in der Beratung, die wissen, dass sie keine Therapie mehr bekommen", sagt Rottenberg-Enghofer. Diese Menschen haben häufig Angst um ihre Angehörigen. Nicht richtig Abschied nehmen zu können, sich nicht umarmen zu können, das belastet beide Seiten. Vielen Angehörigen mache es auch zu schaffen, zu wissen, dass die Menschen nicht so beerdigt werden können, wie es vorgesehen war, so die Beraterin.

Wie viele Plätze für die Krebsberatung gibt es noch?

Trotz der vielen Sorgen und Ängste, die Krebspatienten in Zeiten von Corona durchstehen müssen, ist die Nachfrage nach Beratung nicht sonderlich gestiegen. Elke Rottenberg-Enghofer ahnt, warum: "Viele befürchten wahrscheinlich, dass wir geschlossen sind." Dem sei jedoch nicht so. "Telefonisch lässt sich die Beratung gut regeln", sagt die Leiterin der Beratungsstelle.

Eine Kapazitätsgrenze gibt es also nicht und für alle Sorgen sind genügend offene Ohren am anderen Ende der Leitung vorhanden. Es sei wichtig, dass alle Betroffenen wissen: "Wir sind alle da. Wir haben telefonisch geöffnet."

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