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Besuchsverbot im Krankenhaus

Krebskrank in Corona-Zeiten: Für manche Sterbende gibt es in der Klinik eine Sondererlaubnis

Wer in der Corona-Pandemie an Krebs erkrankt ist und stationär behandelt wird, leidet oft doppelt. Da ist die Angst um die eigene Gesundheit. Wegen des Besuchsverbots dürfen die Kranken aber auch ihre Angehörigen nicht sehen. Professor Martin Bentz vom Städtischen Klinikum in Karlsruhe klärt über die Situation der Krebspatienten hinter den geschlossenen Krankenhaustüren auf.

Intensivbett im Rostocker Universitätsklinikum. Foto: Bernd Wüstneck/dpa-Zentralbild/dpa

Wer in Zeiten der Corona-Pandemie an Krebs erkrankt ist und stationär behandelt wird, leidet häufig doppelt: Angst vor dem Coronavirus und Einsamkeit wegen des Besuchsverbots belasten die Betroffenen. Professor Martin Bentz vom Städtischen Klinikum in Karlsruhe klärt über die Situation der Krebspatienten hinter den geschlossenen Krankenhaustüren auf.

Anja Seifert (Name v. d. Redaktion geändert) aus Durmersheim hatte Glück im Unglück. Im Juni 2018 erhielt sie die Diagnose Brustkrebs. Es folgte eine monatelange Chemo-Therapie, Anfang 2019 wurde sie operiert. "Und damit hoffe ich, der Krebs ist weg", sagt sie. Sie befindet sich jetzt in der sogenannten Heilbewährung, die fünf Jahre dauert. Kommt der Krebs in dieser Zeit nicht zurück, gilt sie als geheilt.

Hätte sie die Diagnose ein Jahr später erhalten, wäre ihr Klinikaufenthalt in die Zeit der Corona-Pandemie gefallen. "Daran denke ich mit einem mulmigen Gefühl", sagt Seifert. "Die Menschen in der Klinik haben gerade sicherlich noch mehr Ängste als ich damals, wenn dann zusätzlich so eine Gefahr um einen herum ist."

Doch wie groß ist diese Gefahr für die Patienten in der Klinik aktuell wirklich? Martin Bentz ist Direktor der Klinik für Innere Medizin, Hämatologie und internistische Onkologie  sowie Palliativmedizin im Städtischen Klinikum in Karlsruhe. Im Gespräch mit den BNN äußerte er sich zur Situation der Menschen, die mit einer Krebserkrankung in der Klinik bleiben müssen.

Wie geht es den Menschen momentan, die mit einer Krebserkrankung in der Klinik sind?

Bentz:

Viele Menschen, die an Krebs leiden, haben Angst, dass ihre gesundheitliche Versorgung oder ihre Therapie durch die aktuelle Situation während der Corona-Pandemie leidet. Ist das so?

Bentz:

Was ändert sich für Krebspatienten konkret bei ihrer Therapie?

Bentz: Alle Behandlungen, die medizinisch erforderlich sind, werden weiterhin uneingeschränkt durchgeführt. Wenn wir die Therapie bedenkenlos um einige Monate verschieben können, machen wir das. Das betrifft beispielsweise auch aufwändige Therapien wie Stammzellentransplantationen. Allerdings ist ein solches Aufschieben nur bei einem kleinen Teil der Patienten möglich.

Was können Menschen mit einer Krebserkrankung selbst tun, um sich vor einer Ansteckung zu schützen? Gibt es Unterschiede zu den Vorsichtsmaßnahmen für gesunde Menschen?

Bentz: Die Vorsichtsmaßnahmen unterscheiden sich nicht wesentlich, sollten aber streng beachtet werden. Wir raten allen Menschen, mindestens 1,5 Meter Abstand zu anderen Personen zu halten. Außerdem bekommen Patienten, die in unsere onkologische Ambulanz kommen, einen Mundschutz.

Warum genau zählen Krebspatienten zur Hochrisikogruppe bei Corona?

Bentz: Nicht alle onkologischen Patienten zählen gleichermaßen zur Hochrisikogruppe. Wer zum Beispiel an einer chronischen Form von Krebs leidet und gut mit seiner Erkrankung lebt, hat nicht unbedingt ein erhöhtes Risiko. Im Einzelfall ist es sicherlich sinnvoll, die Situation mit dem behandelnden Onkologen zu besprechen. Während und nach einer Chemotherapie ist das Immunsystem aber geschwächt und der Patient generell anfälliger für Infektionen. Hier ist Vorsicht geboten!

Wie ist die Lage bei den Patienten, die palliativ behandelt werden oder bei sterbenden Patienten? Gibt es für sie Sonderregelungen?

Bentz: Auch während Corona halten wir den Betrieb auf der Palliativstation aufrecht. Gleiches gilt für unseren palliativmedizinischen Konsiliardienst. Das Besuchsverbot ist für viele Palliativpatienten natürlich eine große Einschränkung, da sie oft nicht mehr in der Lage sind, über Telefon oder per E-Mail Kontakt zu halten. Außerdem spielt die persönliche Anwesenheit der Angehörigen eine ganz große Rolle. Schwerkranke Menschen oder Menschen in der Sterbephase können daher mit Sondererlaubnis Besuch bekommen. Das entscheidet der zuständige Arzt im Einzelfall.

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