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Kulturlandschaft

Kulturdenkmale: Hier ist die Seele der Region verwurzelt

500 bedeutsame Kulturdenkmale der Region sind in einer neuen Broschüre erfasst. Sie sind kulturelles Erbe und leisten einen wertvollen Beitrag zur regionalen Identität.

Ein Beispiel von 500: Die Gartenstadt im Karlsruher Stadtteil Rüppurr, hier der Resedenweg, ist eine großflächige und bedeutende Wohnsiedlung. Sie wurde 1911 bis 1929 von der Gartenstadt Karlsruhe GmbH nach den Gartenstadt-Prinzipien erbaut. Foto: Rake Hora

Im Zuge der Globalisierung gibt es nur noch selten prägende Kulturlandschaften. Viele Innenstädte ähneln sich immer mehr. „Wir sehen die immer gleichen Geschäfte in den Städten“, sagt Claus Wolf, Präsident des Landesamtes für Denkmalpflege, bei der Vorstellung der Broschüre „Regional bedeutsame Kulturdenkmale und Kulturlandschaftsbereiche in der Region Mittlerer Oberrhein“ im ehemaligen Tullabad und heutigen Exotenhaus des Karlsruher Zoos.

Beim Planen von Neubauprojekten sei es deshalb nicht nur wichtig, „wirtschaftliche Fragen“ zu beachten, sondern auch die Belange der Denkmalpflege.

Planer und Architekten sollen mit der neuen Broschüre auf diese Belange aufmerksam gemacht werden. Ein Teil der Bevölkerung würde sich nämlich durchaus lieber mit einer Region identifizieren und sich verankert fühlen, ist Wolf überzeugt. Dies wirke einer „seelischen Entwurzelung“ entgegen.

Aus allen Jahrhunderten ist kulturelles Erbe überliefert

Über 500 regional bedeutsame Kulturdenkmale haben das Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart und der Regionalverband Mittlerer Oberrhein in der Broschüre erfasst. Das ist ein kleiner Teil von den mehr als 10.000 gesetzlich geschützten Denkmalen, die es in der Region Mittlerer Oberrhein gibt und von deren reichhaltiger Geschichte erzählen. Aus allen Jahrhunderten ist kulturelles Erbe überliefert und noch wahrnehmbar.

Es stellt sich sowohl in archäologischen Funden als auch in Baudenkmalen dar — angefangen bei dem frühkeltischen Großgrabhügel, dem „Heiligenbuck“ bei Hügelsheim, über die Reste des römischen Baden-Badens, bis hin zur Dammerstocksiedlung der 1920er Jahre in Karlsruhe. Alle Epochen haben wertvolle Belege des menschlichen Wirkens in der Landschaft, den Dörfern und Städten hervorgebracht.

Kulturdenkmale wirken aber auch immer zusammen mit ihrem Umfeld. „Deshalb sind in der Broschüre auch Kulturlandschaftsbereiche abgegrenzt, die durch historische Themen bestimmt sind“, erklärt Wolf weiter. So sei für den Kraichgau die Epoche der Kraichgauer Ritterschaft (1422 bis 1806) prägend gewesen, deren Zeugnisse in zahlreichen Wasserschlössern, Burgen und historischen Ortskernen noch in der Landschaft ablesbar sind.

Oder im Süden der Region die Wasser- und Waldnutzung im Murgtal als Grundlage für dessen Industrialisierung: „Anhand von Prachtbauten, der durch die Flößerei zu Reichtum gekommenen Familien, ist sie heute noch in der Landschaft ablesbar“, sagt Wolf.

Öffentlichkeit soll sensibilisiert werden

Auch Katrin Schütz, Staatssekretärin im Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau, und Gerd Hager, Direktor des Regionalverbandes, betonen die identitätsstiftende Bedeutung. „Denkmale sind ein hohes Gut unserer Gesellschaft, sie können raumprägend wirken und Auskunft über unsere Geschichte geben“, sagt Schütz. „Deshalb gilt es, sie zu schützen und zu erhalten.“ Dies sei jedoch nur möglich, wenn die Denkmallandschaft bekannt gemacht und die Öffentlichkeit hierfür sensibilisiert werde.

„In der Regionalplanung können Kulturdenkmale eine wichtige Rolle bei der Abwägung der Flächennutzung spielen, wie bei der Festlegung von Vorranggebieten für Windkraftanlagen“, betont Hager. Entsprechend müsste ein Windpark rund um die Untergrombacher Michaelskapelle einen deutlichen Abstand wahren.

Genauso seien aber auch Elemente der Kulturlandschaft relevant, die nicht baulicher Art sind, wie zum Beispiel ehemalige Wässerwiesen in der Region. „Solche besonderen Kulturdenkmale und Kulturlandschaftsbereiche haben unseren Landschaftsrahmenplan mitgeprägt, sichern die regionale Biodiversitäts-Strategie und finden darüber hinaus auch Eingang in die laufende Gesamtfortschreibung des Regionalplans“, sagt Hager.

Reiseführer für Kulturinteressierte

Die Identität einer Region sei, so Hager, in einer sich unheimlich schnell wandelnden Welt wichtig für den gesellschaftlichen Zusammenhalt. „Die Frage ist, was sind die Zeugnisse unserer Vorfahren und welche Werte haben zu unserer Gesellschaft und unserer wunderbaren Region geführt?“ Die 500 in der Broschüre aufgeführten Denkmale seien hierfür Zeugen und hätten ihre Umgebung stark geprägt. Stadtplaner müssten all dies bedenken. „Die Broschüre ist aber auch ein kleiner Reiseführer für Kulturinteressierte“, sagt Hager.

Service

Die Broschüre ist beim Regionalverband Mittlerer Oberrhein für zehn Euro erhältlich oder als Download unter www.region-karlsruhe.de.

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