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Trauer und Wut

Gedenken in Karlsruhe: „Die Geschichte darf sich nicht wiederholen“

Bei einer Kundgebung in der Kronenstraße gedenken rund 100 Teilnehmende der Opfer der Pogromnacht. Es ist eine Mischung aus stillem Gedenken und kämpferischen Parolen.

Blumen und Kerzen schmücken das Mahnmal an der ehemaligen Synagoge in der Karlsruher Kronenstraße.
Bei der Kundgebung an der ehemaligen Synagoge in der Kronenstraße legen Teilnehmer Blumen nieder. Foto: Jörg Donecker

Es ist nasskalt an diesem Abend. Immerhin, der Regen hat eine Pause eingelegt. Etwa 100 Menschen haben sich hier in der Karlsruher Kronenstraße 17 versammelt. Am Rande des Geschehens befindet sich ein Denkmal, das an die ehemalige Synagoge erinnert, die sich einst an dieser Stelle befand.

Wie die beiden anderen Karlsruher Synagogen in der Karl-Friedrich-Straße und in der (heutigen) Krumme Straße in Grötzingen, ist auch diese jüdische Versammlungsstätte in der sogenannten Pogromnacht vom 9. November 1938 von Nazi-Schergen in Brand gesetzt und zerstört worden.

Augenzeugen berichteten, wie die Juden unter Schlägen und Gejohle der Karlsruher durch die Stadt getrieben wurden

Auch darauf soll an diesem Abend hingewiesen werden – auf den Rassenwahn der Nazis und an dessen schreckliche Folgen. Eingeladen zu der Gedenkfeier hat die Kreisvereinigung des Vereins „Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes“ und der „Bund der Antifaschisten“ (VVN-BdA). „Im vergangenen Jahr konnten wir unser 75-jähriges Bestehen feiern“, erzählt Helmut Woda. Und seit Jahrzehnten gedenke der Verein am 9. November nicht nur der Opfer der Pogromnacht, ergänzt seine Mitstreiterin Corinna Blume.

Es ist an diesem Abend eine Mischung aus stillem Gedenken und aus kämpferischen Parolen: „Die Geschichte darf sich nicht wiederholen. Dagegen müssen wir kämpfen – gegen den Faschismus“, tönt die Stimme von Helen Hauser vom „Offenen Antifaschistischen Treffen Karlsruhe“ durch die kleine Lautsprecheranlage über die Straße. Dafür gibt es Applaus.

Die junge Frau erinnert auch an die Geschehnisse in Karlsruhe unmittelbar nach der Pogromnacht, festgehalten von Augenzeugen. Eben als die Juden auf einem aufgezwungenen Weg zur Polizeistation unter Gejohle, Schlägen und Spucken zahlreicher Karlsruher Bürger über den Marktplatz getrieben worden seien.

Zwischenrufe richten sich gegen Kritik am Staat Israel

Deutlich politischer als die Vorrednerin geht sodann bei der Rede von Jonas Lang von der „Sozialistischen Deutsche Arbeiterjugend“ (SDAJ) zu. Dass er den „antisemitischen Vernichtungswahn der Nazis“ anprangert, findet die ungeteilte Zustimmung der Zuhörerschaft.

Einige kritische Töne, durch Zwischenrufe kundgetan, erntet Lang indes bei seiner Kritik am (aktuellen) Staat Israel – an dessen Politik gegenüber den Palästinensern. Als Vertreter der SDAJ machte er die Konzerne und Banken für viele globale Schieflagen verantwortlich.

Den historischen Faden nimmt wieder als letzter Redner Jens Kany vom VVN-BdA auf. Er gedenkt der 1.074 Karlsruher Jüdinnen und Juden, die bis 1945 von den Nazis ermordet wurden.

Und er beschwört eine „konsequent einheitliche Friedensbewegung“. Nur so könne der Faschismus gestoppt werden, nur so könne man den Abwehrkampf gegen eine AfD erfolgreich führen, so Kany sinngemäß weiter.

Am Ende der Veranstaltung werden rote Nelken am Denkmal in der Kronenstraße 15 niedergelegt – dort, wo zuvor tagsüber Schüler der Drais-Gemeinschaftsschule eine Mahnwache abhielten.

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