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Werke von Neo Rauch

Angesagteste Künstler der Wendezeit: EnBW Karlsruhe zeigt Kunst der Neuen Leipziger Schule

Um 1989 galten sie als die angesagtesten Künstler, die Deutschland zu bieten hatte: Arno Rink und Neo Rauch sind die bis heute bekanntesten Vertreter der Neuen Leipziger Schule. Sie und auch unbekanntere Künstler zeigt eine Ausstellung der EnBW Karlsruhe.

Energie des Aufbruchs: Auf die Kunst der Neuen Leipziger Schule richtet die EnBW die Aufmerksamkeit. Dazu gehören auch die Werke namhafter Protagonisten wie Neo Rauch oder Rosa Loy. Foto: Uli Deck/Artis

„Endlich können wir nach dieser bleiernen Zeit wieder durchstarten“, freut sich Johannes Brümmer, in der EnBW Energie Baden-Württemberg AG für Kunstausstellungen zuständig. „Die Neuen Leipziger kommen!“ war eigentlich für 2020 geplant und wurde wegen Corona verschoben. Es ist daher ein Zeichen in Richtung Normalität, dass die Ausstellung nun zunächst am Konzernsitz in Karlsruhe und anschließend in Stuttgart präsentiert wird.

Um 1989 galten sie als die angesagtesten Künstler, die Deutschland zu bieten hatte. Arno Rink – damals Direktor und Professor an der Hochschule der Bildenden Künste in Leipzig – und Neo Rauch sind die bis heute sicher bekanntesten Vertreter der Neuen Leipziger Schule, welche die Aufbruchsstimmung der Wendejahre vermittelten.

Ihre Werke stehen am Schnittpunkt von Abstraktion und Figuration, aus ihnen spricht eine Energie, die das damalige Aufbruchsgefühl bis heute widerspiegeln.

Sammlung mit fast 40 Werken wird bei der EnBW präsentiert

Symbolisch dafür kann man Katrin Heichels „Boxer“ lesen, die voller Konzentration, Stirn an Stirn, die Fäuste schützend vors Gesicht gehalten, scherenschnittartig auf dem Großformat im Eingangsbereich in die Ausstellung einführen.

Intellektueller Kern und Ausgangspunkt der Sammlung der Konzerntochter Verbundnetz Gas (VNG), die jetzt mit fast 40 Werken präsentiert wird, ist allerdings Werner Tübke, der als Vertreter der ersten Leipziger Schule beispielsweise Arno Rink stark beeinflusste.

Tübke genoss schon zu DDR-Zeiten Privilegien: Er stand der Wende kritisch gegenüber, was auch in dem Gemälde „Herbst ’89“ zum Ausdruck kommt, auf dem eben nicht der Jubel über den Fall der Mauer im Vordergrund steht, sondern eine in beide Richtungen durch die geschlagene Bresche drückende Menschenmenge. Den Ostdeutschen wurden „Blühende Landschaften“ versprochen.

Dass viel Arbeit dafür notwendig war und ist, dass viel Veränderung auf die DDR-Bürger zukommen würde, davon erzählt Axel Krauses „Gespann“, das – 2004 entstanden – als Rückblende gelesen werden kann. Die damit verbundene Ungewissheit lässt sich auch in den beiden Gemälden von Matthias Weischer erspüren, dessen menschenleere Naturdarstellungen von der Überformung der Landschaft durch den Menschen zeugen.

Arno Rinks Ehefrau Christine legte Grundstein für bedeutende Sammlung

Weischer kam, wie auch Tim Eitel, Verena Landau und Petra Ottkowski, nach der Wende an die HBK. Diese Künstler, die der jüngeren Generation der Leipziger Schule zugerechnet werden, studierten bei Arno Rink, der in der Ausstellung mit zwei Arbeiten vertreten ist.

Eine wichtige Rolle bei der Vermittlung der Kunstwerke an die VNG und damit auch beim Aufbau der inzwischen rund 1.000 Werke umfassenden Sammlung spielte seine Ehefrau Christine, die das Unternehmen schon vor der Wende beim Ankauf beriet. 1990 begann die VNG dann, Kunstschaffende der Region dezidiert zu unterstützen, und legte damit den Grundstein zu einer einzigartigen Sammlung, deren Nukleus Arno Rink ist.

Irgendwie waren alle Künstler auf die eine oder andere Art damals mit ihm in Kontakt.
Johannes Brümmer, EnBW Karlsruhe

„Irgendwie waren alle Künstler auf die eine oder andere Art damals mit ihm in Kontakt“, unterstreicht Johannes Brümmer. Die sich in Leipzig kreuzenden Lebenslinien werden daher auf den knapp gefassten Infoschildchen skizziert und geben zusätzlich Informationen zu den präsentierten Künstlerinnen und Künstlern.

Die Gemälde und Papierarbeiten sind als „historische Dokumente für einen Umbruch im deutschen Osten“ zu lesen, sie zeugen vom damaligen Aufbruch und passen insofern natürlich auch ganz hervorragend in unsere heutige Zeit – nach Karlsruhe mit seiner Akademie-Tradition der Figuration nach 1945 sowieso.

Termine und Informationen

Bis 31. Dezember, EnBW-Konzernsitz, Durlacher Allee 93. Geöffnet Montag bis Freitag 10 bis 18 Uhr. – www.enbw.com/kunst

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