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Schließung für Sanierung

Letzte Chance für besondere Augenblicke: Kunsthalle Karlsruhe lädt zur Abschiedswoche

Am 1. November schließt die Kunsthalle für mehrere Jahre. In einer Abschiedswoche vom 24. bis 31. Oktober lädt sie mit besonderem Programm zu letzten Blicken ins Museum. Und hat zum Jubiläum ein wertvolles Geschenk erhalten.

Der Countdown läuft: Nur noch wenige Tage, dann schließen sich die Tore der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe für mehrere Jahre. Letzte Chance also, eines der wenigen großen Baudenkmäler der Stadt zu besuchen und ihre europaweit bedeutende Sammlung zu entdecken. Foto: Andrea Fabry

„Das Glas ist leer, die Zeit ist um, die Kerze aus, der Mensch ist stumm.“ Sinnsprüche, die an die Vergänglichkeit alles Irdischen erinnern sollten, gab es im Mittelalter zuhauf. Oft angeführt vom Totenkopf, symbolisieren solche Gegenstände auf Stillleben immer auch die so genannte Vanitas.

Nun tickt in Karlsruhe die Uhr gewissermaßen für die Kunst selbst: Wenige Tage noch, dann schließt die Staatliche Kunsthalle für mehrere Jahre wegen Sanierungsarbeiten. Und man ertappt sich ein wenig trauernd beim Gedanken daran, dass die Flure mit prachtvollen Kostbarkeiten der Kunstgeschichte vom Mittelalter bis zur Gegenwart lange Zeit geschlossen bleiben.

Doch noch ist nicht aller Tage Abend: Bevor an der Hans-Thoma-Straße am 1. November die Spotlights ausgehen, lädt das Museum zu einer Abschiedswoche. Vom 24. bis 31. Oktober soll es Gelegenheit geben, letzte Blicke in die Kunsthalle zu werfen.

Mehr noch: Auch die Menschen hinter den Kulissen dieser europaweit bedeutenden Sammlung kann man kennenlernen. In mehr als 150 Veranstaltungen bieten die wissenschaftlichen Mitarbeiter sowie die Direktion der Kunsthalle regen Austausch an.

Kostbares Gemälde als Geschenk des Landes zum Jubiläum

„Wir sind durchaus wehmütig“, sagte Kunststaatssekretärin Petra Olschowski am Freitag, 22. Oktober, bei einem Pressetermin mit Blick auf die Schließung. Die anstehende Sanierung sei „ein Kraftakt für das Land“, und sie freue sich darüber, dass das Land neben den Kosten dafür nun auch Geld für den Umzug bereit stellt.

Olschowski betont die internationale Bedeutung der Kunsthalle, die in diesem Jahr auch ihr 175-jähriges Bestehen feiert. „Sie ist ein absolut unverzichtbarer Bestandteil des kulturellen Lebens nicht nur in Karlsruhe, sondern auch im Land und deutschlandweit.“

Zum Jubiläum gibt es daher auch ein Geschenk aus den Mitteln der Museumsstiftung, das am Freitag erstmals präsentiert wurde: das mythologische Gemälde „Polyphem und Galatea“ des Schweizer Malers Joseph Werner d.J. (1637 bis 1710) aus der Zeit um 1680.

Schillerndes Programm mit Vorträgen und Konzerten

„Die Kunsthalle ist ein Haus, das sich immer in Transformation befunden hat“, sagt Kunsthallen-Direktorin Pia Müller-Tamm. Details zum Umbau erläutert am 28. Oktober der Architekt Volker Staab in einem Vortrag (19 Uhr).

Zum dichten Programm der „Abschiedswoche“ gehören weitere Vorträge und Künstlergespräche etwa zur Themenausstellung „Inventing Nature“. Die Schau, in der alte und neue Kunst sich begegnen, befasst sich mit dem schwierigen Verhältnis zwischen Mensch und Natur. Zahlreiche Führungen führen zu den Schätzen der Sammlung, es gibt Workshops für Erwachsene und Kinder etwa zur Ausstellung „Iss mich!“ in der Jungen Kunsthalle.

Es ist ein Kraftakt für das Land.
Petra Olschowski, Kunststaatssekretärin

Ein Höhepunkt im schillernden Programm ist ein Cembalo-Konzert am 26. Oktober (19 Uhr), in dem Kristian Nyquist Werke von Joseph Nicolas Pancrace Royer (1703 bis 1755) spielt. Der Komponist ist auf einem der beiden neuerworbenen Pastellbilder von Jean-Marc Nattier (1685 bis 1766) zu sehen. Sammlungsleiter Holger Jacob-Friesen wird die zauberhaften Pastelle noch einmal erläutern, bevor auch sie mit vielen weiteren Meisterwerken zwischengelagert werden müssen.

Plauderstunden im Caffè Greco

Ebenfalls seinen Abschied feiert das im Museum befindliche „Caffè Greco“, benannt nach dem berühmten Café in Rom, in dem sich deutsche Künstler trafen. Es wurde vor über zehn Jahren als Improvisation mit der Hilfe privater Förderer im Erdgeschoss der Kunsthalle eröffnet.

Dort soll es nun täglich ab 15 Uhr zum Treffpunkt werden, wo Besucher mit den Kuratoren des Museums ins Gespräch kommen können.

Wiedereröffnung ist Mitte 2027 geplant

Wie geht es weiter? Für die reine Sanierung des Bestand-Gebäudes wird mit fünf bis sechs Jahren gerechnet. Die Wiedereröffnung ist für Mitte 2027 geplant. Der bislang leere Hof der Vierflügelanlage wird dann zum Mittelpunkt des Hauses.

In einem zweiten Bauabschnitt soll die Kunsthalle erweitert werden, ganze Abteilungen wie das Kupferstichkabinett sollen umziehen. Hierfür ist ein Neubau auf dem Gelände des gegenüberliegenden Amtsgerichts anvisiert, der über einen unterirdischen Gang erreichbar wäre.

Ob diese Pläne realisiert werden können, ist jedoch noch unklar. „Die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie liegen heute noch nicht vor, wir erwarten sie aber in der allernächsten Zeit“, so Kunststaatsministerin Olschowski am Freitag.

Ab 1. November werden die „Kisten gepackt“. Wie der kaufmännische Geschäftsführer Florian Trott erläutert, muss das Gebäude komplett geleert werden. Alle Objekte bis hin zur Bibliothek werden in einer Immobilie in der Hermann-Veit-Straße ausgelagert.

Während der Schließung sollen ab Herbst 2022 Teile der Sammlung im Zentrum für Kunst und Medien (ZKM) präsentiert werden. Die zwei weiteren Gebäude an der Hans-Thoma-Straße sollen laut Müller-Tamm voraussichtlich bis 2023 wieder zugänglich sein: zunächst die Junge Kunsthalle, dann die Orangerie.

Abschiedswoche

Die Kunsthalle verabschiedet sich ab dem 1. November in die sanierungsbedingte Schließzeit und gewährt letzte Blicke innerhalb der großen Abschiedswoche vom 24. bis 31. Oktober 2021 (montags geschlossen). Rund 150 Veranstaltungen mit Konzerten, Vorträgen, Künstlergesprächen und Führungen laden dabei zum Entdecken der Ausstellungen „Inventing Nature – Pflanzen in der Kunst“, „Iss mich! Obst und Gemüse in der Kunst“ sowie der Sammlung ein. Der Eintritt und die Teilnahme an den Veranstaltungen in diesem Zeitraum sind kostenfrei; die Öffnungszeiten sind bis 20 Uhr verlängert. Das Museum ist auch innerhalb der Abschiedswoche ohne Voranmeldung zugänglich. Vorzulegen ist ein Impf-, Genesungs- oder Testnachweis. Die Plätze zu allen Veranstaltungen sind begrenzt.

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