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Erstattung für Scool-Card noch unklar

Karlsruher Kreisräte kritisieren geplante KVV-Tariferhöhung deutlich

Die geplante Tariferhöhung des Karlsruher Verkehrsverundes (KVV) stößt im Kreistag auf scharfe Kritik. Auch eine Nahverkehrsabgabe durch die Bürger ist im Gespräch.

Steigene Ticketpreise: Der Karlsruher Verkehrsverbund (KVV) will seine Tarife erhöhen. An den Plänen wurde im Kreistag Kritik laut. Foto: Jörg Donecker

Der Landkreis Karlsruhe treibt den Ausbau des ÖPNV-Angebots weiter voran. Zentrale Vorhaben sind die Ausweitung der On-Demand-Verkehre und die Verbesserung des Schienennetzes. Ab 2022 soll ein zusätzlicher Freizeitexpress zwischen dem Kraichgau und dem Albtal fahren.

Am Donnerstag befasste sich der Kreistag in Bruchsal zudem mit der vom Land geplante Nahverkehrsabgabe durch die Bürger. Die geplante Tariferhöhung des Karlsruher Verkehrsverbundes (KVV) sorgt weiter für Kritik.

KVV will Tarife erhöhen

Nach BNN-Informationen will der KVV seine Preise ab diesem Sommer deutlich erhöhen. Demnach sollen die meisten Fahrkarten 3,9 Prozent mehr kosten. Die Ausbildungskarten werden 3,3 Prozent teurer.

Konkret heißt das: Der Tarif für eine Monatskarte (drei Waben) steigt von 85,50 Euro auf 88,80 Euro. Eine Jahreskarte über drei Waben kostet künftig 923 Euro statt 888 Euro. Für eine Scool-Card müssen Kunden 511 Euro bezahlen (bislang 495 Euro). Der Preis für die Studikarte wird von 162,80 Euro auf 168,20 Euro pro Semester erhöht.

Die CDU/Junge Liste-Kreistagsfraktion hatte die Pläne des KVV in einer Pressemitteilung als „unzumutbar“ kritisiert. „Eine Tariferhöhung wäre ein völlig falsches Zeichen“, sagte André Jackwerth (CDU/Junge Liste) mit Blick auf zurückgehende Fahrgastzahlen durch die Corona-Pandemie.

Zustimmung kam von Johannes Arnold (Freie Wähler). Der Ettlinger Oberbürgermeister kritisierte KVV-Aufsichtsratschef Frank Mentrup und Geschäftsführer Alexander Pischon: „Sie rasen auf einen Prellbock zu.“ So werde es nicht gelingen, Kunden zurückzugewinnen. Wie die Landkreisverwaltung lehnt auch die SPD und die FDP die beabsichtigte Tariferhöhung über die Inflation hinaus ab.

Im Dezember hatte der KVV zunächst darauf verzichtet, um die Senkung der Mehrwertsteuer an seine Kunden weiterzugeben. Noch ist die Tariferhöhung allerdings nicht spruchreif: Laut Mentrup muss der Aufsichtsrat darüber im Umlaufverfahren entscheiden.

Eltern fordern Erstattung für „Scool Card“

Unterdessen wurden erneut Forderungen nach einer Rückerstattung der Kosten für die im Lockdown nicht genutzten Schüler-Monatstickets „Scool-Cards“ laut. Die Beträge von 49,50 Euro monatlich (zwei Waben) werden weiter abgebucht, obwohl viele Schüler den ÖPNV im Homeschooling nicht nutzen. „Es müssen Mittel bereitgestellt werden, um die Eltern zu entlasten“, betonte der Bruchsaler Elternbeiratsvorsitzende Gerald Oberschmidt im Kreistag.

Bereits im April hatten sich die FDP, CDU/Junge Liste und Gesamtelternbeiräte mehrerer Städte für eine Erstattung der Kosten oder zumindest Teile davon ausgesprochen. Das Land hatte die Übernahme der Kosten für einen Monat zugesagt, die Elternsprecher fordern eine weitgehendere Rückzahlung. Auch die Liberalen pochen seit Wochen auf die Erstattung der Monatsbeiträge.

Wir müssen eine verbundweite Lösung hinbekommen.
Christoph Schnaudigel, Landrat des Landkreises Karlsruhe

Die Fraktion von CDU/Junge Liste brachte eine Rückzahlung von drei Beiträgen ins Gespräch, eine davon könne der Landkreis übernehmen. Landrat Christoph Schnaudigel sieht dagegen das Land in der Pflicht, da es auch die Schulschließungen veranlasst habe. Derzeit befasse sich aber der KVV-Aufsichtsrat mit dem Thema. „Wir müssen eine verbundweite Lösung hinbekommen“, so Schnaudigel.

Einer vom Land geplanten Nahverkehrsabgabe durch die Bürger steht die Kreisverwaltung nach eigenen Angaben offen gegenüber. Sie könne allerdings nur ein „ergänzendes Instrument zur Finanzierung des ÖPNV sein.“

Bei der freiwilligen Nahverkehrsabgabe könnten die Kommunen entscheiden, ob sie alle Einwohner oder nur die Autofahrer zur Kasse bitten. Bei einem Modellversuch in vier Kommunen waren Monatsbeiträge von zehn bis 57 Euro im Gespräch.

ÖPNV-Angebot soll verbessert werden

Im Land Baden-Württemberg sollen die Fahrgastzahlen im ÖPNV bis 2030 verdoppelt werden. Um dieses Ziel zu erreichen, soll das Angebot erweitert werden – auch im Landkreis Karlsruhe. Ein Mosaikstein ist der 2019 eingeführte On-Demand-Verkehr „My Shuttle“. Dabei handelt es sich um Kleinbusse, die Kunden mit wenigen Klicks über eine Smartphone-App bestellen und bezahlen können.

Sie sollen in Schwachlastzeiten mit weiter Taktung das ÖPNV-Angebot in der Fläche ergänzen. Bislang verkehren sie in drei Gebieten: in Ettlingen, Marxzell und im Raum Dettenheim/Graben-Neudorf. Zudem ist ein On-Demand-Verkehr im Linienbündel Pfinztal/Albtal geplant.

Darüber hinaus sollen mehrere Bahnstrecken im Landkreis Karlsruhe reaktiviert oder verlängert werden. Konkrete Überlegungen gibt es für die Strecke zwischen Ettlingen-West und Ettlingen-Erbprinz. Durch die Wiederbelebung des Abschnitts wäre eine neue Linie vom Rastatter Bahnhof nach Ettlingen-Stadt möglich.

Der KVV rast auf einen Prellbock zu.
Johannes Arnold, Kreisrat der Freien Wähler

Im nördlichen Landkreis könnte die Hardtbahn mit der Reaktivierung eines historischen Abschnitts zwischen Graben-Neudorf und Hochstetten attraktiver werden.

Ab 2022 ist in den Sommermonaten außerdem ein Freizeitverkehr von Menzingen über Ubstadt, Bruchsal, Weingarten, Karlsruhe, Ettlingen, Waldbronn, Karlsbad und Marxzell bis nach Bad Herrenalb geplant. Der sogenannte „Freizeitexpress Albtäler“ soll von Mai bis Mitte Oktober an Sonn- und Feiertagen morgens und nachmittags fahren, unter anderem auf dem reaktivierten Stück zwischen Ettlingen-West und Erbprinz.

Weitere Überlegungen bestehen für eine Strecke Bad Schönborn-Östringen-Angelbachtal-Eschelbach Dühren und einen „Karlsruher Nordring“ von Walzbachtal über Weingarten und Stutensee nach Leopoldshafen. Beide Varianten werden derzeit geprüft.

Auch die Einführung der „Home Zone“ soll zur Attraktivitätssteigerung des ÖPNV beitragen. Damit können Kunden ab dem Jahresende über ihr Smartphone ihren eigenen Bewegungsradius als Tarifzone festlegen und damit unabhängig vom KVV-Wabennetz verkehren. Darüber hinaus soll ein Entfernungstarif außerhalb der „Home Zone“ eingerichtet werden, der vor allem Vielfahrer entlastet.

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