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Verschärfter Krisenmodus

Lage spitzt sich zu: Karlsruher Klinikum macht zweite Intensivstation für Covid-Patienten auf

Die Lage in Karlsruhes Städtischem Klinikum spitzt sich an Weihnachten zu: Die zweite Intensivstation für Covid-Patienten muss eingerichtet werden. In dieser Situation richten die Ärzte und Pfleger einen großen Weihnachtswunsch an die Bürger.

Höchstbelastung für das Krankenhauspersonal: Pflegerinnen in Schutzausrüstung betreuen einen Corona-Patienten. Foto: Fabian Strauch

Das Städtische Klinikum Karlsruhe macht zu Weihnachten die zweite Intensivstation für Covid-Patienten auf. „Es geht nicht mehr anders“, erklärt Geschäftsführer Michael Geißler gegenüber den BNN.

Am Mittwoch lagen zwölf schwerstkranke Corona-Infizierte im Klinikum auf der Intensivstation. Mit der zweiten Station hat man dort nun 16 Betten für Covid-Patienten, die meisten von ihnen werden beatmet. Damit geht das Karlsruher Krankenhaus auch bei der Intensivbetreuung nach dem Pandemieplan in den Notbetrieb der Stufe drei.

Noch ein Operationssaal weniger

Um den normalen Klinikbetrieb nicht weiter zu beeinträchtigen, wollte Geißler diesen Schritt möglichst nicht vornehmen. Nun muss die Zahl der Operationssäle aber erneut reduziert werden. „Wir schließen eine internistische Station“, berichtet Geißler.

Dabei betont er: „Die Notversorgung ist gesichert.“ Jeder Akutfall, ein Herzinfarkt oder eine andere lebensbedrohliche Erkrankung, werde behandelt, unterstreicht der Klinikum-Chef. Dafür bleiben Ärzte und Pflegepersonal über die Feiertage alarmiert. „Wir haben den Bereitschaftsdienst erweitert“, erklärt Geißler. Jederzeit könne das Personal auf Abruf aktiviert und damit die Kapazität hochgefahren werden.

Geißler erwartet aufgrund der aktuell unverändert hohen Corona-Ansteckungszahlen auch in Karlsruhe und der Region für die nächsten drei Wochen einen weiteren Anstieg der Covid-Intensivpatienten. Erst Mitte Januar sei ein Nachlassen der Belastung möglich.

Lage ist kritisch

In dieser Ausnahmesituation sei es nicht zu viel verlangt, „ein Mal im Leben an Weihnachten alleine zu bleiben oder maximal zu zweit zu feiern“. „Die Lage ist kritisch“, sagt der Mediziner und appelliert an die Bürger, sich auch aus Solidarität mit dem überlasteten Klinikpersonal mit Familienfeiern zurückzuhalten. „Wir im Krankenhaus feiern kein Weihnachten“, alle seien in Schichten eingeteilt.

Die Notversorgung ist gesichert.
Michael Geißler, Geschäftsführer

Geißler geht fest davon aus, „dass der Lockdown über den 10. Januar hinaus verlängert wird“. Es sei heute nicht mehr vorstellbar, dass bis dahin bundesweit die Infektionszahlen unter den Wochen-Inzidenz-Wert 50 gedrückt werden können.

Engpass bei den Intensivbetten im ganzen Land

„Wir bekommen das aktuell hin“, meint Geißler zum Verlagern von Covid-Intensivpatienten unter den regional verknüpften Kliniken, wenn die Kapazitäten eines Krankenhauses erschöpft ist. „Aber auch in Baden-Württemberg wird es jetzt mit den Betten eng.“

Falls auch innerhalb des Landes sowie im Verbund der Nachbarländer alles belegt sei, „dann muss eben nach Schleswig-Holstein verlegt werden“. Dorthin kommen derzeit Patienten aus dem deutschen Corona-Katastrophenland Sachsen, wo bereits offen über die Grenzen der Behandlungsmöglichkeit für alle Covid-Patienten gesprochen wird.

Geißler schließt indes für Baden-Württemberg aus, dass das Gesundheitssystem zusammenbricht. Schließlich kann man die Intensivpflege noch mit vielen Reservebetten aufstocken, die allerdings nicht mit entsprechendem Fachpersonal ausgestattet sind.

Diese letzte Alarmstufe will man allerdings auch durch den Verbund der Krankenhäuser umgehen, weil dies noch drastischere Einschnitte an anderer Stelle der Krankenhausversorgung für die Bevölkerung bedeuten würde.

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