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Stände werden demontiert

Coronavirus: Lange Gesichter statt Lust auf Frühling nach Absage der Karlsruher Messe Inventa

Lange Gesichter statt Lust auf Frühling: Nach der Absage der Karlsruher Messe Inventa wegen des Coronavirus werden die mühsam aufgebauten Stände und dekorierten Gartenwelten wieder demontiert. Die Arbeiter sind frustriert – und enttäuscht. Verständnis haben sie – mit einem Aber.

SO WAR DAS NICHT GEDACHT: Die teils fertigen Gärten bekam kein Besucher zu sehen. Nach der Inventa-Absage wird alles wieder zurückgebaut. Foto: Sandbiller

Lange Gesichter statt Lust auf Frühling: In der Halle drei der Messe Karlsruhe fährt ein Lastwagen Granitsteine, Zypressen und Forsythien ab. Vor ihm schaufeln Arbeiter an einer Palme Erde zurück in eine Schubkarre. Ein anderer wirft bereits frisch verlegte Pflastersteine in einen Großbehälter. Die Männer sind frustriert – und enttäuscht. Viele haben seit Dienstag vergangener Woche an der Gartenwelt der Verbrauchermesse Inventa gearbeitet. Am Montagabend wurde sie auf Geheiß des Gesundheitsamtes wegen des Coronavirus abgesagt.

Von „einer Riesenenttäuschung“ spricht Ujup Preniqi, Chef der Gartenbaufirma Modern Grün aus Ötigheim. „Es war komplett fix und fertig“, sagt er und zückt zum Beweis sein Smartphone. Der kurze Videoclip zeigt, wie am Messestand bereits Wasser aus einem Edelstahlbrunnen gesprudelt ist. „18.000 bis 20.000 Euro an Umsatz“ seien ihm durch die Lappen gegangen.

Hätten seine sieben Mitarbeiter doch besser statt für die Inventa draußen in den Gärten der Kunden gearbeitet. „Ich habe aber schon Verständnis für die Absage wegen des Coronavirus. Geld ist schön und gut, aber ich will gesund bleiben“, sagt Preniqi.

Bis zuletzt haben wir geglaubt, die Inventa findet statt.
Francesco Tirone, Vorarbeiter der Rastatter Firma Grün Bau

„Bis zuletzt haben wir geglaubt, die Messe findet statt“, beteuert Francesco Tirone, Vorarbeiter der Rastatter Firma Grün Bau. „Jetzt müssen wir alles wieder abbauen. Das ist jede Menge Zirkus.“ Der Italiener, der seit 40 Jahren in Deutschland lebt, zeigt auf die Palmen und Pflaster. Den Schaden schätze er auf über 10.000 Euro.

AUFRÄUMARBEITEN auf der Inventa. Foto: Sandbiller

Ein paar Meter weiter funkeln nagelneue Whirlpools im Kunstlicht – nur mit Wasser gefüllt sind sie noch nicht. Draußen, auf Anhängern, liegt Rollrasen. Bis zum Pre-Opening des Messe-Duos Inventa/Rendez-Vino am Donnerstagabend wäre bei den Gartenbauern nicht mehr viel zu schaffen gewesen.

Enttäuschung pur auch in der nächsten Halle: „Sogar der Teppich lag schon“, betont Marco Huditz von der Karlsruher Fensterbaufirma Hamburger. Er bezeichnet es „als unverständlich, warum man die Messe nicht gleich abgesagt hat“. So baut er nun halt mit vier weiteren Mannen frustriert alles wieder ab.

Verständnis mit einem Aber

„Man hätte vielleicht nicht warten müssen, bis das Gesundheitsamt sagt, sie müssen die Inventa absagen“, meint auch Christian Hodapp vom Freiburger Küchenstudio Grimm-Küchen.

Die Messe Karlsruhe hätte zuvor mit den Ausstellern reden können, damit diese – auch ohne Entscheidung des Gesundheitsamtes – auf Regressforderungen verzichten. Nun baut auch Hodapp ab, umwickelt die Gegenstände für den Transport in Schutzfolie. Glücklicherweise habe die Spedition Zeit, aber auch die koste Geld.

Die Kabel liegen wieder in Kästen neben dem Stand der Gutachter Schreinerei Christian Nopper. „Der halbe Stand war bereits aufgebaut“, bedauert Lukas Tschentscher. Nun demontiert er mit sieben Kollegen wieder alles. „Verständnis, klar“, das habe er schon für die Messe-Absage. „Das scheint die sicherste Variante zu sein“, doch dann fügt er noch hinzu: „Ich finde es nur seltsam, dass man es vorher nicht gewusst hat.“

Draußen, am Besuchereingang der Messe, sind die Drehtüren geschlossen. Plakate weisen auf die Coronakrise hin. Nur die eine Tür zur Messe-Verwaltung ist auf. Drinnen sitzt eine Mitarbeiterin. Sie telefoniert besonders viel in diesen Stunden. Die Leute fragen wegen der Kongresse, wegen des Max Giesinger-Konzerts und wegen online gekaufter Karten für die Inventa.

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