Skip to main content

Sankt Martin ohne Feuer und Reiter

„Laternen-Fenster“: Idee aus St. Leon-Rot wird zum Internet-Hit

Mantelteilung und das Singen mit Laterne finden dieses Jahr auf Schmalspur statt. Doch Jennifer Brenzinger hat eine Idee, wie Kindergartenkinder trotzdem Sankt Martin feiern können - und stößt damit bundesweit auf Begeisterung.

Eine Alternative zum Martinsumzug: Jennifer Brenzinger wünscht sich viele Fenster mit hell erleuchteten Laternen am 11. November. Foto: Jennifer Brenzinger

In dieser Nacht kann Dunkelheit den Kindergartenkindern eigentlich nichts anhaben. Eigentlich. Mit blinkenden Eulen-, Einhorn oder Frosch-Laternen bringen sie Licht in die Finsternis. Lautstark besingen die Kleinen Sankt Martins Ritt durch Schnee und Wind. Zur gesanglichen Verstärkung rücken Mamas, Papas, Omas und Opas an. Für den richtigen Takt sorgt der Posaunenchor.

Laternenumzug, anschließend Mantelteilen mit Steckenpferd, Martinsfeuer und Punsch: So lief der 11. November in zahllosen Kindergärten in der Region Karlsruhe früher ab. Früher, das war vor Corona. Vor Mundschutz, Mindestabstand und Kontaktbeschränkungen.

Mehr als 26.000 Mal auf Facebook geteilt

In diesem Jahr ist alles anders. Gemeinsames Laternenbasteln mit den Eltern? Fällt aus. Martins-Umzug mit den Eltern? Findet auch nicht statt. Das bringt Jennifer Brenzinger aus St. Leon-Rot auf den Plan. Auf Facebook ruft die 34-Jährige dazu auf, bis zum 11. November Laternen in die Fenster zu hängen und zu beleuchten. Innerhalb weniger Tage bekommt sie zahlreiche Zuschriften – sogar aus Ostfriesland und der Schweiz. Auch Karlsruhe ist dabei. Brenzingers Beitrag nennt sich „Laternen-Fenster“ und wird mehr als 26.000 Mal geteilt.

https://www.facebook.com/jennifer.peschutz/posts/10222190771337207

Im Leben habe ich nicht damit gerechnet. Eigentlich wollte ich doch nur eine Alternative für meine Kinder schaffen.
Jennifer Brenzinger / Erfinderin der Laternen-Fenster

„Über 100 geteilte Beiträge hätte ich mich schon gefreut, aber jetzt sind es Tausende“, sagt Brenzinger. „Im Leben habe ich nicht damit gerechnet. Eigentlich wollte ich doch nur eine Alternative für meine Kinder schaffen.“ Das sollten ursprünglich ein paar bunte Fenster in ihrem Ort sein, ähnlich wie die Adventsfenster im Dezember. „Wenn wir schon keinen Umzug haben, wollte ich wenigstens mit meinen Kindern und Laternen durch St. Leon-Rot laufen. Und die Erfahrung zeigt, dass Kinder besser laufen, wenn sie ein Ziel haben“, sagt Brenzinger.

Legen selbst Hand an: Mila, Sophia und Janko basteln sich in ihrer Kita im Brunhilde-Baur-Haus die Laternen selbst. In den Jahren zuvor haben die Eltern mitgeholfen. Foto: Catrin Dederichs

Der Kindergarten war ihre erste Anlaufstelle. Die Idee von hell erleuchteten Fenstern begeisterte Erzieher und zahllose Eltern. Sie schlugen Brenzinger vor, damit ins Internet zu gehen. „Seitdem bin ich damit beschäftigt, E-Mails zu beantworten und Interviews zu geben.“ Richtig realisiert hat sie das Ganze noch nicht. „Ich denke, das bin doch nur ich, wie kann das sein?“, sagt sie. „Aber wenn tausend Kinder Freude daran haben, dann macht mich das sehr glücklich.“

Feier zu Sankt Martin in Etappen

Auch in den Kindergärten im Landkreis Karlsruhe machen sich Erzieher und Erzieherinnen Gedanken, wie sie für die Kinder das Beste aus der Situation herausholen. Der katholische Kindergarten St. Anton in Bruchsal etwa feiert dieses Jahr in drei Etappen: Vormittags sind die Kleinen dran und die Großen verteilen sich auf zwei Nachmittage. „Die Krippenkinder machen einen kleinen Umzug in der Kirche“, erzählt Kindergarten-Leiterin Brigitte Schwarz. Mit den Größeren wollen sie bei Einbruch der Dunkelheit mit leuchtenden Laternen durch Haus und Hof laufen. „Später kriegen sie noch Martins-Gänschen, wir singen Lieder im Freien und spielen das Martinsspiel.“

Sankt Martin ist immer eines der ganz wichtigen Feste im Jahr. Und das soll es auch in diesem Jahr sein.
Bettina Layher / Leiterin der Kita Brunhilde-Baur-Haus

Corona-konform wollen auch die Erzieherinnen der Brunhilde-Bauer-Kindertagesstätte in Karlsruhe-Neureut feiern. „Sankt Martin ist immer eines der ganz wichtigen Feste im Jahr“, sagt Kita-Leiterin Bettina Layher. „Und das soll es auch in diesem Jahr sein.“ Ende September legten die Erzieherinnen fest, was jetzt noch geht – und was nicht.

Nicht mehr möglich ist ein Martins-Programm mit Mama und Papa. „Das wären zu viele Leute auf zu engem Raum“, sagt Layher. Bedeutet: keine Eltern beim Basteln und beim Umzug. „Früher haben wir die Laternen an einem Nachmittag mit den Eltern und Kindern zusammen fertiggestellt.“ Heute übernehmen die Erzieherinnen das Schneiden, Kleben und Malen mit den Kindern in der Gruppe.

Laternenlauf mit den größeren Kindern

Mantelteilung, Feuer und Punsch fallen ebenfalls flach. Geplant sind aber das Singen von Liedern im Hof und kleinere Laternenläufe mit den älteren Kindern. In Gruppen wollen sie zu drei Stationen in Neureut marschieren. Vor dem „Lockdown light“ hatten die Erzieher geplant, dass die Eltern ihre Kinder dort abholen. Das steht jetzt infrage. „Eigentlich war unsere Idee, dass es ein Familien-Event wird. Dass Eltern und Kinder zusammen mit der Laterne nach Hause laufen“, sagt Layher. Kritisch sei nun, ob sich alle Eltern an den Treffpunkten versammeln dürfen. „Eventuell müssen wir das noch ändern.“

Sie leuchten: Im Dunkeln testen Sophia, Janko und Mila (von links) aus der Kita im Brunhilde-Baur-Haus ihre Laternen. Foto: Catrin Dederichs

Bei den Kleinsten ist dagegen alles unproblematisch: Am Martinstag beschränkt sich ihr Programm aufs Testen der Laternen in abgedunkelten Räumen. „Ich finde es ein bisschen schade, dass wir die Kleinkinder außen vor lassen“, sagt Layher. „Das ist nicht optimal, aber wir müssen mit vielen Kompromissen leben.“

Sankt Martin beschäftigt die Kinder jedoch nicht nur am 11. November. Schon lange vertiefen die Erzieher mit Büchern, Bildern, Liedern und Figuren die Geschichte um den heiligen Mann. Diese Geschichtsstunden sind für alle da, auch für die Kleinsten.

nach oben Zurück zum Seitenanfang