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Internationale Beachtung

Maler Peter Dreher gestorben: Bilderserie "Tag um Tag guter Tag" bekanntestes Werk

Der Maler Peter Dreher ist tot. Er starb im Alter von 87 Jahren. Der Künstler wurde vor allem bekannt durch seine Serie "Tag um Tag guter Tag". Über drei Jahrzehnte lehrte Dreher an der Kunstakademie Karlsruhe. Sein berühmtester Schüler ist Anselm Kiefer.

Der Maler Peter Dreher ist tot. Er starb im Alter von 87 Jahren. Die Aufnahme zeigt ihn vor einer Auswahl mit Glas-Bilder aus der Reihe "Tag um Tag guter Tag" Foto: Artis

Der Maler Peter Dreher ist tot. Er starb im Alter von 87 Jahren, wie aus seinem engsten Kreis bekannt wurde. Dreher wurde bekannt durch seine Serie "Tag um Tag guter Tag", mit der er Mitte der 1970er-Jahre begann und die über die Jahrzehnte auf über 5.000 kleinformatige Gemälde anwuchs.

Daneben entstand eine große Anzahl weiterer Werke, in denen sich der Künstler Schwarzwaldansichten ebenso widmete wie New Yorker Straßenszenen.

Drei Jahrzehnte Professor in Freiburg

Dreher wurde am 26. August in Mannheim geboren. In den 1950er-Jahren studierte er an der Kunstakademie Karlsruhe bei Karl Hubbuch, Wilhelm Schnarrenberger und Erich Heckel.

1958 erhielt er den damals hoch renommierten Kunstpreis der Jugend, 1965 übernahm Dreher die Leitung einer Malklasse in der (heute nicht mehr existierenden) Freiburger Außenstelle der Karlsruher Akademie. Sein berühmtester Schüler ist der Künstler Anselm Kiefer.

Internationale Beachtung

Werke Drehers waren zuletzt auch auf der art Karlsruhe zu haben, nicht zuletzt bei der König Galerie. Die in Berlin, London und Tokyo etablierte Galerie hat mit einer großen Präsentation mit Werken aus der Serie "Tag um Tag" wesentlich dazu beigetragen, dass Drehers Werk mehr und mehr internationale Beachtung findet.

In Mannheim aufgewachsen

Der Tod war ihm früh vertraut. Peter Dreher war acht, als am 16. Dezember 1940 der erste von insgesamt etwa 150 Luftangriffen auf die Industriestadt im Rhein-Neckar-Dreieck geflogen wurde. Wenn man den Künstler auf seine Mannheimer Kindheit ansprach und ihn fragte, wie er die Bedrohung durch den Krieg empfunden habe, dann berichtete er: Am schlimmsten sei gewesen, wenn er, seine Familie und die anderen Schutzsuchenden im Bunker saßen und der wuchtige Betonbau von den Detonationen der Bomben vibrierte. Dreher, der am Dienstag im Alter von 87 Jahren gestorben ist, erzählte das mit jener nachgerade stoischen Ruhe und inneren Gelassenheit, mit der er sich weit über 5.000 Mal an seine Staffelei gesetzt hat, um ein und dasselbe Glas zu malen.

1972 entsteht Bild Nr. 0

1972 malte Dreher Bild Nr. 0, die erste Ansicht eines einfachen zylindrischen Mostglases, das er von 1974 an wieder und wieder dargestellt hat – immer dasselbe Glas im gleichen Format von 25 x 20 Zentimetern, immer in der gleichen symmetrischen Anordnung vor neutralem Hintergrund. So entstand die Serie „Tag um Tag guter Tag“, wobei das Motto nicht wörtlich zu nehmen ist. Manchmal folgte tatsächlich tagtäglich Bild auf Bild. Genauso aber gab es längere Unterbrechungen. Und es entstanden eine Tag- und eine Nacht-Serie.

Dreher malte unter einer klaren Maßgabe. „Keine Symbole, keine Expressionen, nichts Derartiges,“ erklärte er einmal in einem Gespräch mit dem Philosophen und Theologen Siegfried Rombach. Alles Genialische oder gar Bohémienhafte lehnte der Künstler ab, seine Malerei begriff er als den Versuch, „mich selbst wie ein Instrument zu betrachten und jede Form von subjektivem Eingriff außen vor zu lassen“.

Abstand zum eigenen Ich

Dieses Abstandnehmen zum eigenen Ich ist umso erstaunlicher, als Dreher Grund genug gehabt hätte, sich und seine Lebensgeschichte in sein Werk einfließen zu lassen oder gar in seinen Malereien zu thematisieren. Als Junge kam er – was als Privileg galt – in eine Nationalsozialistische Erziehungsanstalt, kurz: Napola. Hier sollte der Nachwuchs für das NS-System herangezogen werden. Folglich galt: Durchhalten bis zum bitteren Ende. Als der Zwölfjährige merkte, dass er und die anderen Jungs nur noch als Kanonenfutter gegen die bereits anrückenden Franzosen verheizt werden sollten, zog er die Konsequenz und machte sich auf zur Verwandtschaft in Karlsruhe. Wirklich angenehm war die neue Lage auch nicht. Dreher erinnerte sich später noch genau an die Demütigungen, die er und seine Mutter während der französischen Besatzungszeit erfuhren.

Malen als Schutzraum

Seine Bilder hat er von alledem frei gehalten. Das hing mit einem früh gefassten Lebensziel zusammen. Eine Art Credo, das Dreher so formulierte: „Ich begann als Kind von sieben Jahren zu zeichnen, entschlossen, Maler zu werden. Denn ich stellte fest, dass ich, wenn ich malte, mir einen Bezirk verschaffte, in dem ich respektiert und gemieden und für mich gelassen wurde. Das gefiel mir.“

Die Fähigkeit, malend oder zeichnend um sich herum einen Schutzraum zu schaffen, hat sich der Künstler zeitlebens bewahrt. Selbst im Metropolengetümmel. Während eines längeren New-York-Aufenthalts setzte er sich neben einen Hydranten und malte auf handlichen Leinwänden die Glasfront des Gebäudes auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Das fertige Werk, das er am Ende aus 20 gleich großen Tafeln zusammensetzte, nannte er „New York, Bookstore 1980“. Es ist nicht zuletzt ein Selbstporträt. Spiegelt sich doch auf der Fassade auch Peter Dreher, wie er mit Pinsel und Ölfarbe tätig ist. Derweil ziehen die Passanten an ihm vorbei, nicht ahnend, dass da kein Hobbymaler zugange ist, sondern ein Künstler, der seinerzeit bereits seit 15 Jahren an der Freiburger Außenstelle der Kunstakademie Karlsruhe lehrte, wo von 1966 bis 1968 der nachmals so berühmte Anselm Kiefer sein Student gewesen war.

Immer wieder Spiegelungen

Spiegelungen sind ein durchgängiges Motiv in Drehers Werk. Sie finden sich in seinem aus 64 Einzelbildern aufgebauten „Freiburger Zimmer“ (1978) ebenso wie in der Reihe „Beachcomber shores“ (2000–2001). Und sie sind das eigentliche Geheimnis der Gläser, die erst durch das ins Bild gebracht werden, „was das Glas spiegelt, also durch seine Lichtbrechungen und Spiegelungen“, wie der Künstler einmal erläuterte.

Das heißt: Wer auf Drehers aufs Einfachste reduzierten Stillleben lediglich das Glas erkennt, hat das Wesentliche nicht gesehen: die stets sich ändernde Umgebung, übersetzt und aufgelöst in subtil austarierte Malerei. Das genaue Hinsehen, das er den Betrachtern in seinen Werken abverlangt, bildete die methodische Leitlinie, nach der Dreher vorging.

Totenköpfe und Blumen

Mit gelassener Unvoreingenommenheit hat er sich unterschiedlichsten Gegenständen zugewandt, hat den „Himmel über dem Hochschwarzwald an sieben Tagen“ (1976) gemalt oder in 80 Gouachen und Bleistiftzeichnungen das Porträt des Dichters Robert Walser ausgelotet. Er hat das Welken einer Kleeblume dokumentiert und „Skulls, Totenköpfe“ zum Bildgegenstand erhoben. Seit Beginn des neuen Jahrtausends litt Peter Dreher an Epilepsie. Ein- bis dreimal pro Jahr fiel er für bis zu 45 Minuten um. Das sei ihm immer nur beim Malen zugestoßen. Aber, so sagte er vor acht Jahren: „Ich kann mich nicht entschließen, deswegen aufzuhören zu malen.“ Sprach’s, kaufte Blumensträuße und schuf Werke, die nun wie alle seine Bilder über seinen Tod hinaus als Geschenke an die Welt bleiben.

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