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Manager spricht von Versehen

Marktbereinigung in Zeiten von Corona? Badischer Verkehrsverband mit Vorwürfen gegen Logistik-Riesen

Nutzen in der Logistik-Branche große Unternehmen die Corona-Krise zu ihren Gunsten? Ein große Logistik-Firma hat offenbar in den vergangenen Tagen versucht, Preise für Subunternehmer deutlich zu drücken. Das Unternehmen spricht von einem Versehen – nachdem die süddeutschen Logistik- und Verkehrsverbände öffentlich Kritik übten.

Parkplatz gesucht: Lastwagen stehen an der A5 bei Karlsruhe auf einem Rastplatz mit Lkw-Parkplätzen. Die mangelnden Stellplätze führen immer wieder zu brenzligen Situationen, wenn Fahrer falsch parken. Foto: Deck

In einer gemeinsamen Mitteilung werfen die im Bundesverband Güterverkehr und Logistik organisierten Verbände aus Süddeutschland – etwa der Verband des Verkehrsgewerbes Baden und der Verband des Württembergischen Verkehrsgewerbes– einem „Krisen-Schnäppchenjäger“ aus Osnabrück vor, die aktuelle Situation zu einen Gunsten nutzen zu wollen.

Die Coronavirus-Krise als Chance zur Marktbereinigung?

Nach Informationen der BNN handelt es sich bei diesem „Krisen-Schnäppchenjäger“ um den Logistik-Dienstleister Hellmann – was eine Sprecherin des Unternehmens auf Nachfrage auch bestätigt.

Der Logistik-Dienstleister Hellmann mit Stammsitz in Osnabrück zählt zu den großen Playern der Branche. Das Unternehmen ist rund um den Globus an zahlreichen Standorten vertreten – etwa auch im nordbadischen Karlsdorf-Neuthard.

In ihrem Brandbrief werfen die süddeutschen Logistikverbände Hellmann vor, die Krise zu einer Marktbereinigung nutzen zu wollen. Unter Verweis auf „schwere Zeiten“ würden Subunternehmen, die Frachten für Hellmann übernehmen, unter anderem aufgefordert, Preisnachlässe von 15 Prozent zu akzeptieren.

Bei Zustimmung dürfen diese Unternehmen künftig offenbar auf eine bevorzugte Zusammenarbeit hoffen.

Logistik-Branche unter Druck

Tatsächlich treffen die Folgen der Corona-Pandemie viele Spediteure hart: Für die Branche wichtige Auftraggeber haben ihre Produktion teils deutlich reduziert oder ausgesetzt. Besonders der Stillstand der Automotive-Branche sorgt dafür, dass auf dem Markt derzeit ein Überangebot von Transportkapazitäten herrscht.

Kleinere Speditionen sowie die Branchenverbände fürchten vor diesem Hintergrund offenbar, Hellmann wolle dauerhaft neue Preisstrukturen etablieren.

Die Kritik der süddeutschen Branchenverbände wurde am Nachmittag des 31. März öffentlich. Die Forderungen von Hellmann lagen zu dem Zeitpunkt offenbar schon länger als eine Woche bei den Geschäftspartnern.

Zum Thema:

Auf die Vorwürfe der süddeutschen Verkehrs- und Logistikverbände reagierte Hellmann prompt: Noch am gleichen Tag bezog das Unternehmen in einer Mitteilung an das Branchen-Magazin "Verkehrsrundschau" Stellung. In dem Schreiben wird Hellmann-Geschäftsführer Sven Eisfeld zitiert. Es liegt auch unserer Redaktion vor.

Hellmann-Geschäftsführer spricht von Versehen

Darin ist unter anderem von "temporär angepassten Ratenvereinbarungen" die Rede. Sie seien Teil einer umfassenden Strategie zur Bewältigung der gegenwärtigen Ausnahmesituation. Da sich derzeit das Transportaufkommen sprunghaft ändere, müssten Vereinbarungen mit anderen Unternehmen teils angepasst werden.

Bedauerlicherweise ist uns in dieser turbulenten Zeit ein Fehler unterlaufen

Sven Eisfeld, Geschäftsführer von Hellmann Worldwide Logisitcs

Das Unternehmen arbeite mit Hochdruck daran, Transportketten in einer "herausfordernden Situation bestmöglich aufrechtzuerhalten." Dafür sei ein hoher Einsatz, aber auch ein hohes Maß an Flexibilität aller Beteiligten erforderlich.

"Vor diesem Hintergrund sind wir mit unseren Transportpartnern in den Dialog über eine Anpassung der Preisstruktur gegangen. Bedauerlicherweise ist uns in dieser turbulenten Zeit ein Fehler unterlaufen, indem versehentlich Frachtführer pauschal angeschrieben wurden und eine bevorzugte Zusammenarbeit zu reduzierten Raten angeboten wurde", teilt Eisfeld weiter mit. Das Anschreiben sei aber als gegenstandslos zu betrachten.

Das Ende eines "Frühlingsmärchens"?

Inwiefern indes auch der Vorgang an sich gegenstandslos ist, blieb zunächst offen. Eurotransport, ein anderes Branchenmagazin , vermutet: Hellmann werde stattdessen nun versuchen, in individuellen Absprachen neue Preise festzulegen.

Ob sie nun angemessen sind oder nicht: Die von Hellmann zwischenzeitlich erhobenen Forderungen stellen für die süddeutschen Verkehrsverbände in jedem Falle das Ende eines "Frühlingsmärchens" dar.

Angesichts der Krise sei die Branche in den letzten Wochen zusammengerückt, habe einen "grandiosen Job" gemacht und sich gegenseitig den Rücken gestärkt - um Versorgungsketten in Deutschland und Europa aufrecht zu erhalten. Der Vorstoß von Hellmann markiere nun das Ende dieser Branchen-Solidarität.

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