Skip to main content

Südwestmetall-Blitzumfrage

Materialmangel in der Region: Jetzt wird selbst der Kautschuk knapp

Nach der Corona-Krise haben die Metall- und Elektrobetriebe im Raum Karlsruhe, Baden-Baden, Rastatt und Pforzheim wieder Tritt gefasst. Doch das nächste Problem macht ihnen bereits zu schaffen, wie eine Blitzumfrage der Bezirksgruppe des Verbandes Südwestmetall jetzt ergab.

Materialmangel und kein Ende: Auch Rosenbauer rechnet noch einmal mit Kurzarbeit für einen Teil seiner Beschäftigten in diesem Jahr. Foto: Rosenbauer Foto: PR

Michael Kristeller, Geschäftsführer beim Feuerwehrfahrzeug-Hersteller Rosenbauer in Karlsruhe, fühlt sich derzeit mitunter an die Mangelwirtschaft in der DDR erinnert. Stahl, wichtigster Bestandteil der Fahrzeuge, sei derzeit Mangelware, „die Preise gehen durch die Decke“.

Desgleichen wird aber auch der Kautschuk knapp – wohl weil er als Material für Einmalhandschuhe im Medizinbereich schwer gefragt ist. Deshalb seien auch die Hydraulikschläuche für die Feuerwehr-Fahrzeuge „nur noch unter erschwerten Bedingungen“ zu bekommen. Über Mehrfachverwertung und weitere kreative Lösungen werde nachgedacht, um dem Mangel zu begegnen.

Nicht nur bei Rosenbauer ist der Materialmangel ein Riesenproblem. 16 von 25 Metall- und Elektro-Unternehmen in der Region haben dies in einer Blitzumfrage des Bezirks Mittlerer Oberrhein–Enz als größte gegenwärtige Bedrohung für den Industriestandort Baden-Württemberg genannt (64 Prozent) – die bei weitem drängendste Frage noch vor dem Fachkräftemangel, hohen Energiekosten und überlasteten Verkehrswegen (je fünf Betriebe oder 20 Prozent).

Heftige Lieferkettenprobleme

Dabei ist die Auftragslage generell gut: 20 Unternehmen sagen, dass ihre Auftragslage in diesem Jahr besser als im vergangenen Jahr ist. Bei nur zwei hat sie sich verschlechtert. Elf Unternehmen erwarten künftig gleichbleibende, elf bessere Geschäfte, nur drei eine Verschlechterung. Die durch die Pandemie ausgelöste heftige Wirtschaftskrise habe die Metall- und Elektroindustrie „zu einem großen Teil hinter sich gelassen“, konstatiert Kristeller, der auch Bezirksgruppenvorsitzender von Südwestmetall in unserer Region ist.

Doch die Probleme bei den Lieferketten „schlagen extrem ins Kontor“, sagt die Geschäftsführerin der Bezirksgruppe, Cornelia Koch. Einst gesteckte Umsatzziele sind damit Schall und Rauch. Auch bei Rosenbauer, die damit rechnen, zehn Prozent unter der Zielmarke zu landen.

Noch kein Ende der Kurzarbeit in Sicht

Ein wichtiges Mittel sei die Kurzarbeit in ihrer flexiblen Form: Im Krisenjahr 2020 machten davon 18 von 25 Unternehmen Gebrauch, in diesem vom Mangel geprägten Jahr noch 15. „Es ist eine gute Maßnahme, dass nicht der ganze Betrieb in Kurzarbeit geht, sondern nur einzelne Bereiche“, so Kristeller. Bei Rosenbauer rechnet er damit, dass im November und Dezember noch einmal 30 Prozent der rund 500 Beschäftigten in Kurzarbeit gehen müssen.

Angesichts des technologischen Wandels wird die Schere zwischen den Betrieben in der Region offenbar größer: Zwischen Firmen, die nicht so gut durch die Krise gekommen sind und etwa im Verbrenner-Bereich den Sprung in der Transformation noch nicht geschafft haben, und denen die sich an die Spitze der Innovation gesetzt haben. Einige hätten „die Zeichen der Zeit noch nicht erkannt, das müssen sich manche anhören lassen“, urteilte Kristeller. Deutlich werde dies auch bei Diskussionen über den Tarifabschluss: „Die, die ganz vorne sind, brauchen die Leute und würden zum Teil auch mehr zahlen.“

Zum Fachkräftemangel gesellt sich nach Kristellers Beobachtung nun auch die Schwierigkeit, Mitarbeiter im unqualifizierten Bereich zu finden. Offenbar, so seine Vermutung, hätten Liefer- und Paketdienste den Markt leergefegt, „Leiharbeitsfirmen braucht man da gar nicht mehr zu fragen.“

Ohne Leiharbeit zu betrachten, ist der Umfrage zufolge bei 44 Prozent der Firmen der Personalbestand 2020 weitgehend gleichgeblieben, 40 Prozent hätten weniger, 16 Prozent aber mehr Personal verzeichnet. In diesem Jahr ist das Bild etwas ausgeglichener: Bei über der Hälfte keine Veränderung, 36 Prozent hätten weniger, zwölf Prozent mehr Personal beschäftigt.

nach oben Zurück zum Seitenanfang