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Programm für Unesco-Titel

Medienkunst per Fahrrad: „Ballet of the City“ bringt Tanz auf Karlsruher Häuserfassaden

Kunst in die Stadt bringen ist das Ziel des Karlsruher Medienkünstlers Jonas Denzel. „Ballet of the City” heißt die Kooperation mit dem Badischen Staatsballett, die nun an der Theaterfassade zu sehen war

Ein Lastenfahrrad und einen Beamer – mehr braucht Jonas Denzler nicht, um Tanzszenen auf Häuserwände zu zaubern wie hier am Badischen Staatstheater. Foto: Arno Kohlem

Zwei große, breite, erleuchtete Fensterschlitze, eine dunkler werdende Häuserfassade bei Sonnenuntergang. Und plötzlich erscheinen, wie von Geisterhand, drei Personen auf der Wand, als ob sie auf dem Rahmen des einen Fensters stehen würden. Drehen sich umeinander, miteinander, halten sich gegenseitig, stoßen sich ab. Biegen und dehnen sich. Dann macht einer von ihnen einen riesigen Schritt, tastet sich vor auf das andere Fenster, gehalten von den anderen. Und zieht sie dann mit hinüber.

Kunst in die Stadt bringen, zu den Bürgern, an ungewöhnliche Orte – das ist das Ziel des Karlsruher Medienkünstlers Jonas Denzel. Dafür hat er sein „beambike“ gebaut, eine Art Lastenfahrrad mit einem fest installierten Beamer, mit dem er durch die Stadt fährt und seine vorher entwickelten Projektionen beispielsweise auf Häuser oder auf Büsche im Schlosspark wirft. Dann fangen sie an zu leben, und überraschen die Menschen, die Kunst, gar Medienkunst dort überhaupt nicht erwartet haben.

Wie die Dame mit dem kleinen weißen Pudel, die am Donnerstagabend ihren normalen Gang am Badischen Staatstheater vorbei machte. Und plötzlich über sich drei Tänzer sieht, hoch oben an der Wand des Neuen Entrée, die in sich versunken ihre Figuren tanzen.

Die Kunst lebt auch von der Improvisation

„Ballet of the City” heißt Denzels Kooperation mit dem Badischen Staatsballett, die nun erstmals an der Theaterfassade zu sehen war. „Meine Idee war, Medienkunst mit Architektur und Tanz zusammenzubringen“, erzählt Denzel. Die Tänzer und Tänzerinnen waren sofort begeistert davon und ließen sich gern von ihm filmen. „Der Choreograf Kevin O’Day hat uns Impulse und Richtungen gegeben“, erzählt Paul Calderone, einer der Tänzer, „den Rest haben wir improvisiert, und es war auch für uns eine neue Erfahrung.“

Meine Idee war, Medienkunst mit Architektur und Tanz zusammenzubringen.
Jonas Denzel, Medienkünstler

Beim Filmen standen Calderone, Alba Nadal und Ledian Soto auf Podesten, präzise angepasst an die beiden Fenster des Entrée, mit sphärischer Musik untermalt. Es sind zwei kleine Stücke, ein auf kleinem Raum sich verflechtendes, verknäulendes Pas-de-trois mit kleinen anrührenden Gesten und einer Soloimprovisation von Calderone: Er beginnt mit langsam ausladenden Figuren, tunkt einmal seinen Fuß ins Nichts, steigert sich allmählich in einen ekstatisch-expressiven Tanz. Die etwa sieben Minuten lang dauernde Performance wird als Loop gezeigt, „bis kein Zuschauer mehr da ist“, so Denzel.

Vier Termine in Karlsruhe noch geplant

Vier Mal werden die Projektionen noch gezeigt: an jedem Donnerstag im Mai, aber an unterschiedlichen Orten und – das ist der ganz besondere Clou – mit unterschiedlichen Tänzern und Tänzerinnen und unterschiedlichen Projektionen. Denn sie sind jedes Mal genau an die Architektur angepasst. „Auch einmal mehrstöckig“, sagt Denzel.

Zu sehen sind sie an der Stephanskirche, an der Sophienstraße 250, am Landratsamt und an der Lukaskirche. „Die Stadt wird damit zur Bühne“, sagt Denzel, „und statt wie bei den Schlosslichtspielen mit ihren zig Beamern brauche ich nur einen, um die Kunst zu den Bürgern zu bringen.“ Eben das mache die Unesco City of Media Arts aus, zu der Karlsruhe letztes Jahr, als einzige Stadt Deutschlands, ernannt wurde.

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