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Neues aus dem Elternleben

Meister der Detailplanung

Falsch eingebaute Wände oder riesige Kostenexplosionen? Mit jungen Eltern als Verantwortlichen wären Pannenbaustellen wie der Flughafen Berlin Brandenburg oder die Elbphilharmonie niemals so gelaufen. Mehr zu dieser Theorie lesen Sie in der neuesten Ausgabe von Kinderkram.

Kinderkram Foto: Dolgachov - Fotolia

Ich hege eine wagemutige Hypothese: Hätte man die wahlweise mit Planungspannen, Protestaktionen und Bauverzögerungen durch die Medien geisternden deutschen Großbauprojekte in die Hände von jungen Müttern und Vätern gelegt, würden schon seit Jahren Passagiere am Flughafen Berlin Brandenburg landen, Züge durch den neuen Stuttgarter Bahnhof brausen und klassische Klänge in der Elbphilharmonie ertönen.

Die Beweise sind erdrückend: Jeder, der eine Familie gründet, wird innerhalb kürzester Zeit zu einem Meister der vorausschauenden Detailplanung. Das beginnt bei der Aufgabe, mit einem Neugeborenen das Haus für einen Spaziergang zu verlassen, wird jedoch mit der Zeit – beispielsweise beim Wiedereintritt ins Berufsleben – um ein Vielfaches potenziert.

Multitasking, Prioritäten setzen, schnelle Entscheidungen – für Eltern ist das tägliche Realität. Denn wer um 5.30 Uhr von Geschrei geweckt wird, noch vor 8 Uhr zwei Kinder anzieht, mit Frühstück versorgt und in die Kita oder Schule fährt – inklusive neuer Unterhosen für die Wechselklamottenkiste, extra eingekauften Würstchen für die Kita-Faschingsparty und dem ausfüllten Erlaubniszettel für den Ausflug nächste Woche –, dann zur Arbeit geht, um anschließend die Kinder wieder abzuholen, sie mit Snacks zu versorgen, einkaufen zu gehen, Abendessen zu kochen, die Kinder zu baden, mit ihnen zu spielen und sie ins Bett zu bringen – dem wäre die Sache mit der nicht genehmigungsfähigen Brandschutzanlage und den zu schweren Ventilatoren nicht passiert.

Was Diskussionen mit Natur- oder Denkmalschützern wie in Stuttgart angeht: Wer sich ein Mal auf der hauchdünnen Eisdecke eines Mütter-Diskussionsforums im Internet bewegt oder beim Elternabend eine abweichende Meinung vertreten hat, manövriert mit Bravour auch durch die schwierigsten Gespräche.

Und eine Bauzeit- und Kostenexplosion wie in Hamburg? Wer es jemals mit einem Kind zu tun hatte, dass zu müde war, um zu essen, aber zu hungrig, um zu schlafen, für den bekommt das Wort „Konsequenz“ eine ganz neue Bedeutung. Wahre Kosten würde er deshalb nie verschweigen. Und was die Verzögerungen angeht: Dafür haben Eltern einfach keine Zeit.

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