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Aus wegen Coronavirus

Messe-Chefin Britta Wirtz: „Ich bedauere außerordentlich die Inventa-Absage“

Das Messe-Duo Inventa/Rendez-Vino zählt mit 400 Ausstellern und über 30.000 Besuchern zu den größten Verbrauchermessen in Karlsruhe. Auf Verfügung des Ordnungsamtes und Empfehlung des Gesundheitsamtes wurden die Messen abgesagt. BNN-Redakteur Dirk Neubauer sprach darüber mit Messe-Chefin Britta Wirtz.

RECHTFERTIGT DIE RELATIV SPÄTE ABSAGE DER INVENTA: „Die Lage hat sich von Tag zu Tag verändert“, sagt Messe-Chefin Britta Wirtz im Interview. Foto: Hora

Das Messe-Duo Inventa/Rendez-Vino zählt mit 400 Ausstellern und über 30.000 Besuchern zu den größten Verbrauchermessen in Karlsruhe. Auf Verfügung des Ordnungsamtes und Empfehlung des Gesundheitsamtes wurden die Messen wegen des Coronavirus abgesagt . BNN-Redakteur Dirk Neubauer sprach darüber mit Messe-Chefin Britta Wirtz.

Frau Wirtz, viele Aussteller haben Verständnis für die Absage, fragen aber kritisch, warum diese nicht früher erfolgte ...

Wirtz: ... weil sich die Lage von Tag zu Tag verändert hat. Es gab täglich eine neue Lage. Wir mussten immer wieder die Entscheidung neu überdenken, was schwierig ist, zumal die Messebranche seit Jahrhunderten für Verlässlichkeit steht. Ich habe am Sonntagabend um 23.33 Uhr noch mit dem Gesundheitsamt per E-Mail korrespondiert. Die Ämter haben es sich auch nicht leicht gemacht. Sie wissen, was hinter einer Absage steht.

Italienischem Aussteller auf der Inventa hätte man abgesagt

Es wären auch italienische Aussteller auf der Inventa/Rendez-Vino dabei gewesen, korrekt?

Wirtz: Wir haben den Risikokatalog des Robert-Koch-Instituts sorgfältig abgearbeitet und uns darüber täglich mit den Behörden ausgetauscht. Am vergangenen Freitag hatten wir den Stand, dass wir in der Tat einem Aussteller aus Italien mit seinen zwei Messeständen abgesagt hätten – zur Risikominimierung. Aber am Sonntagsnachmittag hat der Bundesgesundheitsminister die Lage wieder neu eingeschätzt. Dadurch mussten auch wir mit den Behörden die Lage neu bewerten.

Die Fachmesse IT-Trans haben Sie ohne Auflage des Gesundheitsamtes abgesagt. Bei der Inventa war dies anders. Warum? Weil Sie aus der Haftung raus sein wollten?

Wirtz: Erst mal zur IT-Trans. Es ist keine Absage, sondern eine Verschiebung des Termins. Die Risikoeinschätzung war zu dem Zeitpunkt so, dass zur Vermeidung weiterer negativer Konsequenzen, eine Entscheidung dringend geboten war. Diese ist im Benimm mit dem Co-Veranstalter UITP und nach Rücksprache mit der Stadtverwaltung getroffen worden. Die Entscheidung wurde seitens der Behörden als richtig eingestuft.

Und zu Ihrer eigentlichen Frage. Da ist vieles noch unklar. Das überrascht auch nicht. Ich habe eine solche Situation in den 25 Jahren, in denen ich in der Messewirtschaft tätig bin, noch nicht erlebt. Uns geht es darum, uns gegenüber Ausstellern und Besuchern korrekt zu verhalten. Wir müssen aber auch unsere Gesamtverantwortung gegenüber der Stadt Karlsruhe als unserer Gesellschafterin Rechnung tragen.

Die gestrichene Inventa ist, Sie haben es gesagt, ein Novum. Bekommt Ihr Team die Absage überhaupt geordnet organisiert?

Wirtz: Wir sind es ja gewohnt, mit vielen Teilnehmern zu kommunizieren. Nichtsdestotrotz bestehen natürlich aufgrund der einzigartigen Situation keine Rezepte nach Schema F. Für uns ist es wichtig, zunächst eine vorläufige Übersicht zu bekommen. Dann wollen wir im engen Austausch mit unseren Partnern den Korridor für weitere Entscheidungen finden.

Noch keine Klarheit zu Online-Karten

Was ist mit den Online-Karten?

Wirtz: Alle Vorverkäufe prüfen wir gerade. Wir mussten auf Anordnung absagen. Uns wird sicherlich in den nächsten Tagen eine vernünftige Lösung einfallen.

Aber die Käufer bekommen doch ihr Geld zurück, oder?

Wirtz: Wir prüfen, wie gesagt. Es gibt 24 verschiedene Ticketarten, bis hin zu welchen für Gin-Tastings. Auch Tickets, die von Ausstellern zur Verfügung gestellt wurden, sind gesondert zu betrachten. Unser Wunsch wäre es, dass die Tickets Gültigkeit für die nächste Veranstaltung behalten, aber wir müssen erst prüfen, ob dies technisch möglich ist.

Werden Sie den Ausstellern bei der nächsten Inventa bei den Konditionen entgegenkommen?

Wirtz: Wir haben Stammkunden immer Rebooking-Konditionen angeboten. Ich bin mir sicher, dass wir für diejenigen, die dieses Jahr nicht zum Zuge gekommen sind, Frühbucherkonditionen anbieten können.

Tritt Max Giesinger auf?

Was ist eigentlich mit dem Heimspiel des Sängers Max Giesinger, der am 20. März in der dm-Arena auftreten soll?

Wirtz: Die Behörden sind derzeit dabei, eine abschließende Aussage zu treffen.

Wo können sich Besucher informieren, ob eine Veranstaltung noch stattfindet?

Wirtz: Auf der Homepage messe-karlsruhe.de ist der Veranstaltungskalender. Der wird sofort aktualisiert, sofern neue Informationen vorliegen. Bei den vielen Gastveranstaltungen empfehlen wir, auch direkt auf den Webseiten der Veranstalter nachzuschauen.

Welche größeren Veranstaltungen könnten noch kippen?

Wirtz: Es gab bereits Absagen von einigen Firmenveranstaltungen ...

... auch von einer der Hausmessen der Lebensmitteleinzelhandelskonzerne, die bei der Messe Karlsruhe Kunde sind?

Wirtz: Es gibt eine Verschiebung in den Herbst, die ich namentlich aber nicht nennen kann. Es müssen nun sukzessive die Veranstaltungen eingeschätzt werden.

Können Sie den finanziellen Schaden, der für die Messe Karlsruhe entstanden ist, schon einschätzen?

Wirtz: Das ist noch zu früh. Aber es ist klar, dass es ein deutlicher Schaden sein wird. Ich bedauere außerordentlich die Gesamtsituation. Ich habe auch an das Wirtschaftsministerium appelliert, den Dienstleistern – wie etwa Messebauern und Spediteuren – zu helfen, damit sie liquide Mittel bekommen.

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