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Kurze Hose im Büro

Mit kurzer Hose ins Büro? Was Experten aus der Region davon halten

Eignen sich kurze Hosen auch für das Büro? Diese Frage stellen sich bei der aktuellen Hitze viele Männer. Wir haben mit Experten aus der Region gesprochen. Ergebnis: Beim kurzen Beinkleid gehen die Meinungen weit auseinander.

No-Go oder Erleichterung an heißen Tagen? Beim Thema „Kurze Hosen im Büro” scheiden sich die Geister. Dabei gibt es durchaus Alternativen. Foto: Fabian Sommer picture alliance/dpa

Die Hitze hat die Region fest im Griff. Während Frauen bei sommerlichen Außentemperaturen auf Kleider oder Röcke ausweichen können, stellt sich für viele männliche Arbeitnehmer morgens die Frage: Kann ich mit kurzen Hosen ins Büro gehen?

Eine Frage, die nicht so leicht zu beantworten ist, immerhin sind viele starre Kleidungsvorschriften der vergangenen Jahrzehnte inzwischen gelockert. Doch darf man(n) wirklich nacktes Bein zeigen?

Hosenlänge hängt von der Stellung im Unternehmen ab

Ja, findet Personal Shopperin und Fashionstylistin Lana Hempkin – zumindest mit Einschränkungen. Sie berät in Stutensee Männer und Frauen beim Kauf neuer Kleider oder macht mit den Besitzern den Kleiderschrank-Check.

Die Frage des Beinkleids sei nicht zuletzt eine Frage der Stellung im eigenen Unternehmen. „Nackte Beine zu zeigen ist ab einem gewissen Rang einfach nicht üblich”, betont Hempkin. Ihrer Erfahrung nach sei das Bedürfnis nach kurzen Hosen aber meist eh nicht so groß, wie man vielleicht denke.

Besonders in kreativen Berufen oder im Einzelhandel lassen sich unbekleidete Waden bei Männern laut Expertin vertreten – mehr allerdings nicht. Kurze Hosen sollten mindestens bis zum Knie reichen und nicht zu eng anliegen, so Hempkin. Auch Hosen mit aufgesetzten Taschen seien eher ungünstig, sie wirken oft zu sportlich. Hempkin empfiehlt Chino-Hosen oder Hosen aus Leinenstoff, der wirke auch bei hohen Temperaturen kühlend.

Wer unsicher ob der Kleiderordnung im Büro ist, sollte besser zu einem langbeinigen Modell greifen. Wichtig: Freizeitklamotten im Büro sind immer noch ein No-Go. „Man hat eine Garderobe für den Alltag und eine für den beruflichen Alltag”, erklärt Hempkin.

Trennung von Freizeitmode und Berufskleidung

Dieser Meinung ist auch Ulrike-Ebba Gräfin von Sparr. Für den Rhetorik- und Etikette-Coach aus Karlsruhe gehören kurze Hosen jedoch klar zur Freizeitmode. Da spiele auch die Auswahl der Stoffe und Schnitte keine Rolle. Mitleid mit schwitzenden Herren? Hat die Gräfin nicht. „Mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung lebt in klimatisch weitaus intensiv-heißeren Regionen als wir und die Männer dort tragen –selbstverständlich – ,Business’.” Die richtige Kleidung sei eine Frage der Seriosität.

Kein Verständnis für nackte Beine hat auch Peter Müller. Er ist Inhaber des Herrenausstatters Trumm in Baden-Baden und sieht jeden Tag Männer in kurzen Hosen an seinem Laden vorbei durch die Fußgängerzone gehen. „Das sieht ja aus wie auf dem Campingplatz”, findet er. Hitzegeplagten Herren empfiehlt er statt kurzen Hosen sommerlich-helle Farben und leichte Stoffe. Grundsätzlich gelte: „Der Anlass bestimmt die Kleidung.”

Stirbt die Krawatte aus?

Und wie steht es mit der Krawatte? Kann man(n) die auch mal lockern oder sogar ganz weglassen? Eine gelockerte Krawatte geht für Ulrike-Ebba Gräfin von Sparr gar nicht. „Wie sieht das denn aus? Dann besser keine tragen.”

Ich glaube, Menschen haben ein natürliches Gespür dafür, welche Kleidung sich für welchen Kontext eignet.
Bettina Veit, Leiterin Zentrale Unternehmenskommunikation BGV

Selbst in konservativen Branchen wird mittlerweile gern auf den Schlips verzichtet, beispielsweise bei den Badischen Versicherungen (BGV) in Karlsruhe. Dort ist die Krawatte selbst in der Führungsetage kein Muss mehr, verrät Bettina Veit, Leiterin der Zentrale Unternehmenskommunikation. Die lange Hose übrigens auch nicht, denn offiziell gebe es kein ausdrückliches Verbot für das verknappte Beinkleid. In kurzen Hosen komme jedoch trotzdem niemand ins Büro, räumt Veit ein, selbst die meisten Frauen nicht. „Ich glaube, Menschen haben ein natürliches Gespür dafür, welche Kleidung sich für welchen Kontext eignet.”

Ist mit dem Aus in der Chefetage aber auch der endgültige Tod der Krawatte besiegelt? „Ich glaube nicht, dass die Krawatte ausstirbt, weil sie immer wieder kommt. Sie ist vielmehr ein modisches Accessoire für den Herrn”, ist Personal Shopperin Lana Hempkin überzeugt. „Das schmückt ja auch”, findet Herrenausstatter Peter Müller. Für ihn gehört der Binder bei Publikumsverkehr immer noch dazu. Bei extremer Hitze könne man aber schon mal eine Ausnahme machen.

Sollten Männer im Büro also doch lieber lang- statt kurzbeinig unterwegs sein? Für alle Liebhaber nackter Männerbeine hat Lana Hempkin noch einen Tipp: Zu kurzen Hosen solle man(n) im Büro immer einen Gürtel tragen. Der werte die Hose auf und mache sie schicker.

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