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Gut gerüstet

Nah am Patienten: So arbeiten die Kliniken in Bretten und Bruchsal in Zeiten von Corona

Gerade jetzt in der Corona-Krise kommt Deutschland eine recht flächendeckende Versorgung mit Krankenhäusern zu Gute. Für kleine Kliniken wie die Rechbergklinik in Bretten und die Fürst-Stirum-Klinik in Bruchsal ist es stets eine Herausforderung, den Spagat zwischen einer hoch qualifizierten und gleichzeitig wohnortnahen Versorgung im Landkreis Karlsruhe zu schaffen.

Ein Untersuchungszelt für Corona-Verdachtsfälle hat die Klinikleitung vor der Notaufnahme der Brettener Rechbergklinik aufgebaut. Foto: Rebel

Gerade jetzt in der Corona-Krise kommt Deutschland eine recht flächendeckende Versorgung mit Krankenhäusern zu Gute. Für kleine Kliniken wie die Rechbergklinik in Bretten und die Fürst-Stirum-Klinik in Bruchsal, die 2016 fusioniert haben und zur Regionalen Kliniken Holding (RKH) gehören, ist es stets eine Herausforderung, den Spagat zwischen einer hoch qualifizierten und gleichzeitig wohnortnahen Versorgung im Landkreis Karlsruhe zu schaffen.

„In den Kliniken der RKH gibt es deshalb eine Grundversorgung in allen, spezielle Bereiche aber nur in bestimmten Häusern“, erklärt Martin Schuster, Ärztlicher Direktor für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie an beiden Häusern.

Vorteil für die Patienten in kleinen Kliniken sei, dass sie sich dort nicht so verloren fühlten und an ihrer Behandlung mitentscheiden könnten. „Wir haben Zeit für die Patienten, um mit ihnen zu reden“, sagt Schuster.

Eine spezielle Situation gebe es im Land- und Stadtkreis Karlsruhe. Gerade in der Stadt gebe es eine „Häufung an Betten“. Die Zahl der Betten im Landkreis sei nur ausreichend, wenn man Stadt- und Landkreis in der Gesamtheit sehe. „Die Betten müssten eigentlich gleichmäßiger verteilt sein“, sagt der Ärztliche Direktor.

Denn auf 200.000 Einwohner im Bereich von Bretten und Bruchsal kämen gerade mal gut 500 Betten. „Wir haben in den letzten zehn Jahren deutlich mehr Zulauf“, erzählt Schuster. Die Zahl der Patienten sei seitdem erheblich gestiegen.

RKH-Kliniken hören frühzeitig auf Warnungen

„Gerade im Winter, wenn Grippesaison ist, sind wir total überlaufen.“ Eine Auslastung von 90 Prozent sei keine Seltenheit. Teilweise seien sogar keine Betten mehr frei, und die Patienten müssten in andere Krankenhäuser gebracht werden.

Das Coronavirus stellt Kliniken bundesweit vor große Herausforderungen: Materialknappheit, großer Pflegeaufwand, keine Erfahrungen mit der Krankheit.

Die Rechbergklinik in Bretten und die Fürst-Stirum-Klinik in Bruchsal haben frühzeitig auf die Warnungen gehört, Tests eingeführt und den normalen Krankenhausbetrieb runtergefahren, um Behandlungskapazitäten freizuhalten. „Im Moment ist alles unter sehr guter Kontrolle“, erklärt der Ärztliche Direktor.

Im Moment ist alles unter sehr guter Kontrolle.
Martin Schuster, Ärztlicher Direktor

Man habe innerhalb der Holding von vornerein „in Phasen und Wellen gedacht“, noch sei man in Phase Eins. Mit der Einsatzleitung in Ludwigsburg bespreche man sich täglich. In Bruchsal wurden die Beatmungsplätze von zehn auf 16 erhöht, in Bretten von sechs auf zehn. Die an der Lungenkrankheit Covid-19 erkrankten Intensivpatienten werden schwerpunktmäßig in Bruchsal behandelt, leichtere Fälle auch in Bretten.

Chirurgen haben weniger Arbeit

„In anderen Bereichen ist es sehr ruhig“, erzählt Schuster. Die Chirurgen hätten weniger Arbeit, da die Anästhesisten vornehmlich auf der Intensivstation eingesetzt seien.

Wir müssen die Leistungsfähigkeit aber in allen Bereichen erhalten“, ist es Schuster ein Anliegen, dass die „Brot- und Butter-Medizin, die wir ständig machen müssen,“ gesichert ist. Denn: „Noch gibt es viel mehr Nicht-Covid-Patienten.“ Diese würden zur Zeit verstärkt an der Rechbergklinik in Bretten betreut.

Besonders schwierig sei die jetzige Situation, weil sie sich zum einen noch Monate hinziehen könne, zum anderen müsste eine erhebliche Anzahl von Patienten mit einer schwankenden Zahl von Mitarbeitern versorgt werden. Letztere könnten nämlich jederzeit wegbrechen, weil sie Kontakt zu einer infizierten Person hatten oder selbst erkrankt seien.

„Bei einem Busunfall steht die volle Mannschaft zur Verfügung, und nach drei Tagen durcharbeiten ist ein Ende in Sicht“, beschreibt Schuster einen möglichen alltäglichen Fall in der Klinik. Die aktuelle Krise sei aber mit nichts Derartigem zu vergleichen.

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Die Stimmung unter den Mitarbeitern beschreibt Schuster derweil als zwiespältig. Es gebe eine gewisse Verunsicherung, da man ein erhebliches persönliches Risiko trage. Gleichzeitig sei das Klinikpersonal aber auch „motiviert, interessiert und sich der Verantwortung für die Gesellschaft bewusst“. Für die Ärzte und Pflegekräfte sei es eine spannende Zeit.

„Wir lernen täglich etwas dazu, es ist beruflich eine inspirierende Zeit, die Tage sind lang und interessant“, sagt er.

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