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88. Fastnachtsumzug

Narren in Karlsruhe feiern nass und fröhlich

Ein richtiger Fastnachts-Freund kennt kein schlechtes Wetter. Und so ließen sich beim großen Karlsruher Fastnachtsumzug Zuschauer wie Narren auch von Regen und Wind nicht die gute Laune verderben. Über 80 Gruppen zogen durch die Stadt und verwandelten die City in eine närrische Partymeile.

fasching Foto: Horst

Ein richtiger Fastnachts-Freund kennt kein schlechtes Wetter. Und so ließen sich am Fastnachtsdienstag beim großen Karlsruher Umzug Zuschauer wie Narren auch von Regen und Wind nicht die gute Laune verderben. Über 80 Gruppen zogen durch die Stadt und verwandelten die City in eine närrische Partymeile.

Trotz Dauerregens säumten Tausende Zuschauer die Straßen beim 88. Karlsruher Fastnachtsumzug. Die Stadt teilte am Abend mit, dass es offiziell 50.000 Zuschauer gewesen sein sollen. Viele Besucher haben vorsorglich einen Regenschirm eingepackt. Beim strömenden Regen nicht die schlechteste Entscheidung. Viele suchten in der Fußgängerzone auch die Überdachungen der Geschäfte, um nicht komplett durchnässt zu werden. Dennoch haben sich die Karlsruher die gute Laune nicht nehmen lassen.

Zwischen Kronenplatz und Kleiner Kirche ist die Stimmung am Straßenrand dennoch fröhlich. Die Kinder aus der Ferienfreizeit der Grundschule am Wasserturm rufen mit ihren hellen Stimmen laut "Helau" – herzerwärmend für die Erwachsenen, die ringsum erwartungsvoll Spalier stehen.

Pünktlich um 14.11 Uhr setzte sich der närrische Lindwurm in Bewegung. Unter dem Motto "Karlsruhes Umzug zieht famos, 8 mal 11 durch d’ Kaiserstroß’" ging es vom Aufstellplatz am Adenauerring über das Durlacher Tor, die Kaiserstraße, Europaplatz, Karlstraße und Mathystraße zum Festplatz.

Gut zwei Stunden dauert das Narrentreiben. Ein wildes, lautes, gelegentlich aber auch poetisch-zartes Geschehen erlebt das unerschrockene Publikum, das dem wahrlich widrigen Wetter trotzt. Mit Perücken in Regenbogenfarben und "Faktentaschen" verteilen Karlsruhes Volunteers der Stadt das Programmheftchen.

Partyhits dröhnen von Prunk- und Gardewagen

Rund 80 Programmnummern listet es auf. Rund 2.500 Zugteilnehmer wirken mit. "Johnny Depp" und andere Party-Hits dröhnen von Prunk- und Gardewagen. Tausende Zuschauer sehen zu. Viele hüpfen im Takt mit den Tänzerinnen, singen laut mit und grüßen winkend.

Bestens aufgestellt sind die Familien, die auf plüschige Ganzkörperkostüme setzen. Hinreißende Drachen, ein Einhorn, Mäuse, Hasen und ein ganzer Zoo an Tiergestalten laufen da frei durch die Karlsruher Innenstadt: Leoparden und Tiger, Krokodile, Bären, Zebras, Giraffen und Affen, ein Pinguin und ein paar Papageien.

Mit Bettfedern seifen die alemannisch inspirierten "Ranzige Füchs" aus Wäschebeuren ausgerechnet die schüchterneren Zuschauer am Rand der Strecke ein. Die wüsten Kerle der Leheneckbestien werfen nur wilde Blicke. Die Bühler Hexen wiederum sind berühmt-berüchtigt dafür, dass sie Gefangene in ihre Burg stecken und ein Stück weit verschleppen. Zum Glück erfüllen sie die bange Hoffnung mancher Schülerin, es möge sie treffen.

Umzugsmoderator stellt Gruppen vor

Am Marktplatz wenden sich die Hauptdarsteller auf der Strecke der Zuschauertribüne zu, die erstmals überdacht ist. Der Wetterschutz verstärkt auch die Musik und die hin und her fliegenden Rufe und Grüße akustisch. Alexander Loesch vom FKF-Präsidium stellt jede eintreffende Gruppe vor.

Einen starken Auftritt hat unter anderem die große Gruppe der "Fasenachtsverrückten" aus Rheinstetten. Zu glänzend himmelblauer Kleidung tragen sie spitznasige Halbmasken. Ihr Motto „Venedig lässt grüßen“ illustrieren sie durch einen Gondoliere unter der Rialto-Brücke. Die Fastnachter thematisieren, dass der steigende Wasserspiegel die Lagunenstadt bedroht. Der Corona-Virus macht die Zugnummer ungeahnt noch aktueller.

Am Stephanplatz ändert sich noch einmal die Atmosphäre am Umzugsrand. Viele Familien schätzen die weitläufigere Kulisse. Außerdem wird die Wolkendecke immer dünner, je länger die Narren auf der Strecke sind. Endlich hört der Nieselregen auf. MCG-Aktive Patricia Weishaar kommentiert dort neben der Karl-Apotheke im Wechsel mit Friedhelm Wieß von der KG Badenia das ausgelassene Defilee.

Tagesaktuelles blenden die organisierten Narren dabei nicht aus. Auf den Wagen ist Trauerflor angebracht, um an die Anschläge von Hanau und den Umzug in Nordhessen zu erinnern. Das Thema Sicherheit spielt eine große Rolle. Mehrere schwere LKW sperren die Zufahrten zur Kaiserstraße ab. Polizei, Kommunaler Ordnungsdienst, Rettungsdienste und Feuerwehr sind stark präsent.

Sicherheit spielt eine große Rolle

Die Einsatzstärke ist generell hoch, nach der Attacke auf einen Umzug in Nordhessen wurden alle Maßnahmen noch einmal einer Prüfung unterzogen. Polizeieinsatzleiter Martin Plate zieht am Abend gegenüber den BNN Bilanz: "Wir sind zufrieden mit dem Einsatzverlauf." Er verweist auf die "üblichen Rangeleien und kleineren Störungen".

Aggressive Jugendliche müssen voneinander getrennt werden, es gibt 20 Platzverweise und einige Ingewahrsamnahmen. Die Vorfälle ereignen sich im wesentlichen am Europaplatz und in der Nähe der Kleinen Kirche. Auch die Jugendschutzteams sind präsent. Laut Polizei sprechen sie rund 300 Jugendliche an, zehn davon müssen stark betrunken aus dem Verkehr gezogen werden.

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