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Preisänderungen möglich

Pforzheim teuer, Ortenau günstig: Neue Regionalklassen der Autoversicherungen

Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft hat die Regionalklassen der Kfz-Versicherungen neu eingeteilt. Je nachdem, wo ein Autobesitzer wohnt, kann sich sein Versicherungsbeitrag dadurch verändern. Im Südwesten wurden nun bei der obligatorischen Haftpflicht 1,3 der 5,7 Millionen Pkw in eine höhere Regionalklasse eingestuft.

Ja nach Unfallhäufigkeit werden Zulassungsbezirke in höhere oder niedrigere Regionalklassen eingeteilt. Foto: Reinhardt/dpa

Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) hat die Regionalklassen der Kfz-Versicherungen neu eingeteilt. Je nachdem, wo ein Autobesitzer wohnt, kann sich sein Versicherungsbeitrag dadurch verändern.

Jedes Jahr misst der GDV, wo es in Deutschland besonders häufig zu Unfällen kommt. Diese Städte und Regionen werden in hohe Regionalklassen eingeteilt. Orte, in denen es selten kracht, werden in niedrigere Regionalklassen eingeteilt.

Diese Regionalklassen sind eine unverbindliche Empfehlung für die Versicherungen, um ihre Beitragshöhe festzulegen. Höhere Regionalklassen können zu höheren Versicherungsbeiträgen führen, niedrigere dagegen zu einem günstigeren Tarif.

Tarifhöhe hängt von vielen Faktoren ab

Ob der eigene Versicherungstarif durch eine Herab- oder Hochstufung teurer oder billiger wird, könne man allerdings nicht sagen, betont Kathrin Jarosch, Pressesprecherin der GDV. "Die Regionalklasse ist nur eines von sehr vielen Merkmalen, die zur Tarifberechnung herangezogen werden", erklärt sie.

Andere Kriterien seien beispielsweise das Nutzeralter, die Kilometer-Leistung, die Typklasse des Autos sowie die Berufsgruppe des Fahrers. Wenn all diese Kriterien gleich blieben und sich die Regionalklasse ändert, sei die Wahrscheinlichkeit aber hoch, dass sich das auf den Preis auswirke, so Jarosch.

Kfz-Haftpflicht-Klassen in der Region sehr unterschiedlich

Bei der Kfz-Haftpflichtversicherung gibt es zwölf Regionalklassen. Im Südwesten wurden dabei nun 1,3 der 5,7 Millionen Pkw in eine höhere Klasse eingestuft. 830.000 Autos wurden dagegen herabgestuft, für sie gelten künftig niedrigere Regionalklassen.

Im BNN-Verbreitungsgebiet wurde der Ortenaukreis mit Achern von drei auf zwei herabgestuft und damit besser gestellt. Karlsruhe-Stadt hat sich ebenfalls verbessert, allerdings im hinteren Bereich der Rangliste von zehn auf neun.

Die Regionalklassen im BNN-Verbreitungsgebiet im Jahr 2019 und 2020 im Vergleich. Foto: BNN

Der Enzkreis bleibt in Klasse acht, ebenso wie Karlsruhe/Land mit Bretten, Bruchsal und Ettlingen in Klasse sieben bleibt. Zwar gleichbleibend aber weit abgeschlagen in der teuersten Regionalklasse liegt Pforzheim in Klasse zwölf.

Verschlechtert hat sich Baden-Baden von Klasse acht auf neun sowie Rastatt mit Bühl und Gaggenau von Klasse sechs auf sieben.

Regionalklassen bei der Teilkasko-Versicherung liegen nah beieinander

Bei den Regionalklassen der Teilkasko-Versicherungen befinden sich alle Bezirke im BNN-Verbreitungsgebiet in den Klassen sieben oder acht.

Verbessert hat sich Karlsruhe/Land mit Bretten, Bruchsal und Ettlingen von Klasse acht auf sieben sowie Rastatt mit Bühl und Gaggenau von neun auf acht. Die Einstufung ist insgesamt von Klasse eins bis 16 möglich.

Karlsruhe verbessert sich bei der Vollkaskoversicherung

Bei der Vollkasko-Versicherung sind die Regionalklassen im BNN-Verbreitungsgebiet gleich geblieben oder wurden herabgestuft.

Karlsruhe/Land und der Enzkreis bleiben Spitzenreiter mit Klasse vier. Rastatt bleibt konstant bei Klasse fünf. Der Ortenaukreis und Karlsruhe-Stadt verbessern sich von Klasse sechs auf fünf.

Von sieben auf sechs verbessert sich Pforzheim, Baden-Baden bleibt bei sechs.

Preisänderung ist kein Muss

Eine sofortige Änderung bestehender Verträge gebe es jedoch nicht. "Die Versicherer können die Preise anpassen, müssen es aber nicht", erläutert sie. Falls sie sich dafür entscheiden, dann wäre eine Änderung je nach Fälligkeit des Vertrags möglich, meist sei dies zum 1. Januar.

Tipp:

Keine genauen Tarifänderungen nennbar

Charlotte Gerling, Pressesprecherin Allianz Deutschland, beschwichtigt allerdings eventuelle Hoffnungen auf einen niedrigeren Tarif: "Die Regionalklasse ist nur ein Bruchteil von dem, was einen Versicherungstarif ausmacht." Bei der Allianz werden die Versicherungen demnach immer zum 1. Oktober umgestellt. Da sich zu diesem Zeitpunkt noch mehr der 20 bis 25 Kriterien zur Tarifberechnung ändern, sei es unmöglich, vorherzusagen, wie sich die Regionalklassenänderung im Einzelnen auf die Tarife auswirke, so Gerling. Bei bestehenden Verträgen könne es ihr zufolge zu einer Preisanpassung kommen, das sei aber je nach Vertrag unterschiedlich.

Auch bei der HUK-Coburg lässt sich laut Karin Benning von der Unternehmenskommunikation nicht genau beziffern, welche Auswirkungen eine Regionalklassen-Umstufung auf den individuellen Vertrag hat. Die Verträge werden im Oktober aktualisiert und gelten dann ab Januar 2020, teilt Benning mit. Dabei spiele vor allem die Schadensfreiheitsklasse eine wichtige Rolle bei der Preisberechnung.

Bei der Gothaer Versicherungsbank kann Pressesprecherin Martina Faßbender die Auswirkung der neuen Regionalklassen auf den jeweiligen Vertrag ebenfalls nicht beantworten "da sie vom Einzelfall abhängt, also vom vereinbarten Tarif, sprich wann der Vertrag abgeschlossen wurde".

Eine genaue Bezifferung der Änderung kann auch der ADAC nicht liefern. Pressesprecher Christian Buric verweist ebenfalls auf die verschiedenen Faktoren, die Einfluss auf eine Prämie haben. Beim ADAC werden laut Buric die neuen Regionalklassen ab dem 1. Oktober 2019 auf neue Verträge angewandt. Für bestehende Verträge gilt die Hauptfälligkeit.

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