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Finanzierungslücke droht

Nur wenige Corona-Patienten in Karlsruher Kliniken: Wer übernimmt jetzt die Kosten?

Freie Betten und leere Krankenstationen: Angesichts der Vorbereitungen auf die Corona-Pandemie und des Ausbaus der Intensivkapazitäten haben die beiden großen Krankenhäuser Städtisches Klinikum und ViDia-Kliniken planbare Operationen abgesagt. Die Folge sind Leerstände in vielen Abteilungen. Nur ein kleiner Teil der eingerichteten Intensivbetten ist von Corona-Patienten belegt. Wer die Kosten dafür übernimmt, ist zum Teil ungeklärt.

Wegen Corona abgesagte Operationen sollen wieder stattfinden Foto: dpa

Die Corona-Pandemie hat bisher nicht zu den befürchteten großen Zahlen an Covid-19-Patienten in den Intensivstationen geführt. Mit erheblichem Aufwand haben die Krankenhäuser allerdings diese Intensivplätze bereitgestellt.

Dafür wurden zahlreiche planbare OP-Termine verschoben. Nun stellen sich für die beiden großen Karlsruher Krankenhäuser Städtisches Klinikum und die ViDia-Kliniken zentrale Fragen: Wie weiter umgehen mit der Corona-Lage? Und wie gelingt es nun, auch den normalen OP-Betrieb wieder hochzufahren?

Städtisches Klinikum ist in Corona-Krise "unterbelegt"

Beim Städtischen Klinikum in der Moltkestraße befinden sich zur Zeit sechs Corona-Patienten auf der Intensivstation - also deutlich weniger als die vorhandenen Kapazitäten von rund 40 Beatmungsplätzen. Uwe Spetzger, medizinischer Geschäftsführer, freut sich einerseits, dass keine Horrorszenarien eingetreten sind, verweist aber darauf, dass „wir viele leere Betten haben“. Und weiter: „Ein Krankenhaus mit 1.500 Betten, das nur zu 50 Prozent belegt ist, ist unterbelegt.“ Mit allen wirtschaftlichen Folgen.

Laut Spetzger ist so auch ein erhebliches Ungleichgewicht in der Belegschaft entstanden: „Wir haben Mitarbeiter, die blicken auf leere Abteilungen.“ Nun arbeite man daran, den Auslastungsgrad im Klinikum wieder auf 60 bis 70 Prozent zu erhöhen. Sprich es gilt, die einst verschobenen Operationen neu anzusetzen.

Dafür wird es nun auch schon aus medizinischen Gründen Zeit. „Wir haben bei vielen Operationen einen Aufschub hinbekommen, aber die vertretbaren sechs bis acht Wochen sind nun bald vorbei,“ so Spetzger. Auch beobachte man erste Fälle von Menschen, die aus Angst vor Corona nicht rechtzeitig das Klinikum aufgesucht hätten und nun gesundheitlichen Schaden erlitten hätten.

Die finanziellen Folgen des wochenlangen Teil-Leerstands schätzt er als erheblich ein. Die 560 Euro, die vom Bund pro Tag für jedes vorsorglich freigemachte Intensivbett gezahlt werden, reichen nicht aus. „Da entsteht eine Finanzierungslücke,“ ist Spetzger überzeugt,

Teure Intensivbetten bleiben trotz Covid-19 leer

Leerstände gibt es auch in den Häusern der ViDia-Kliniken. Von rund 1.000 Planbetten stünden rund ein Drittel leer, bestätigt ViDia-Sprecherin Melanie Barbei den BNN. Zur Zeit werden bei den ViDia-Kliniken zehn Corona-Patienten behandelt, zwei davon auf der Intensivstation.

An allen vier Standorten der ViDia-Kliniken wurden die planbaren Eingriffe und Behandlungen ebenfalls – wo medizinisch vertretbar – auf ein Minimum reduziert.

„Die Klinik für Pneumologie ist komplett in einen Isolationsbereich umgewandelt worden. Wir haben zusätzliche Betten erhalten, damit wir alle Patienten bis zum Ausschluss der Diagnose oder der Bestätigung, von anderen Patienten getrennt behandeln können. Die intensivmedizinischen Kapazitäten wurden in den ViDia-Kliniken über alle Standorte in enger Zusammenarbeit der beteiligten Kliniken auf bis zu 59 Intensivplätze erhöht“, so Konstantin Mayer, Direktor der Klinik für Pneumologie und Schlafmedizin sowie Mitglied des Krisenstabs der ViDia-Kliniken.

100.000 Euro für ein Bett

Die Investitionskosten für ein derartiges Bett beziffert man bei den ViDia-Kliniken auf 100.000 Euro pro Bett, zusammenaddiert sind dies rund 1,5 Millionen Euro, sagt Richard Wentges, Vorstandsvorsitzender von ViDia. Hiervon würden 750.000 Euro nicht von einem entsprechenden Investitionsprogramm der Bundesregierung getragen, so der ViDia-Chef.

Zusätzlich entstehen durch nicht belegte Intensivbetten Umsatzausfälle, denen der Bund zusätzlich mit den besagten 560 Euro pro Tag begegnen will. „Das wird wohl nicht reichen,“ sieht Wentges dies ähnlich wie sein Kollege Spetzger. Vieles werde davon abhängen, wie die Entwicklung weiter geht. „Auch wir bereiten uns vorsichtig darauf vor, wieder mehr Kapazitäten für das normale Geschäft zu schaffen“, so Wentges.

Das Krankenhaus registriert in der Krise Solidarität, jüngst kam von der Volksbank-Karlsruhe-Stiftung eine Spende von 20.000 Euro für die Ausstattung eines weiteren Intensivplatzes. Unberührt von der Corona-Epidemie schreitet der Neubau auf dem Areal Steinhäuserstraße voran. Ende 2020 soll der Umzug von den Gebäuden an der Steinhäuserstraße in den dahinter sich befindenden Neubau stattfinden.

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