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Entscheidung über Förderprogramm steht aus

ÖPNV-Wachstum: Diese neuen Bahnstrecken plant der Landkreis Karlsruhe

Neue Chancen für den ÖPNV im Landkreis Karlsruhe könnte ein Förderprogramm des Landes Baden-Württemberg bringen. Damit wäre ausreichend Geld vorhanden, um stillgelegte Bahnstrecken zu reaktivieren.

Die Entwicklung des ÖPNV im Blick: Der Landkreis will neue und altbekannte Projekte angehen, allerdings braucht es dazu Förderung vom Land. Einen neuen Versuch startet der Kreis etwa bei der Verlängerung der S2 nach Bruchsal. Foto: Rake Hora

Der ÖPNV soll auf allen Ebenen gestärkt werden, das macht der Landkreis Karlsruhe immer wieder deutlich. Es steht etwa mit der Home Zone ein neues Tarif-System im Raum.

Und auch die Corona-Pandemie hat gezeigt: Der Kreis verliert den ÖPNV auch in Krisen-Zeiten nicht aus dem Fokus. Ohne die geeignete Infrastruktur sind die Möglichkeiten aber begrenzt.

So nimmt der Kreistag in seiner anstehenden Sitzung am Donnerstag wieder die Projekte in den Blick, die das Netz erweitern könnten. Die wichtigsten Eckpunkte der bisherigen Planung hat Redaktionsmitglied Janina Keller zusammengefasst.

Welche Projekte will der Landkreis realisieren?

„Im Prinzip haben wir ein hervorragendes ÖPNV-Netz in der Region”, sagt Landrat Christoph Schnaudigel. „Dieses kann man aber sinnvoll ergänzen.”

Um noch mehr Fahrgäste auf die Schienen zu bringen, untersucht der Landkreis Karlsruhe in Zusammenarbeit mit der Albtal-Verkehrsgesellschaft (AVG) die Möglichkeit, stillgelegte Bahnstrecken zu reaktivieren. Dadurch könnten Kommunen künftig etwa wieder direkt miteinander verbunden werden. Ausgewählte Linien könnten zudem weiter ins Umland verlängert werden.

Welche Rolle spielt das Land Baden-Württemberg?

Mit finanzieller Förderung unterstützt das Land Projekte, die das Angebot im ÖPNV steigern. Dazu zählt etwa auch die Reaktivierung von Strecken. Derzeit untersucht das Verkehrsministerium noch, für welche sich Investitionen im Millionenbereich überhaupt rentierten. „Ohne das Land wäre der Ausbau nicht machbar”, sagt Schnaudigel mit Blick auf die Pläne im Kreis.

Einen gewissen Anteil müssten die Kommunen aber tragen. Um Argumente bereitzustellen, dass die angestrebten Strecken förderfähig und wirtschaftlich seien, habe man daher zusätzlich eigene Untersuchungen angestellt. „Damit das Land nicht Nein sagen kann”, so Schnaudigel. „Man darf nicht nur warten, sondern muss aktiv werden.”

Wo könnten künftig im Süden wieder Schienen gelegt werden?

Konkrete Überlegungen gibt es derzeit etwa für die Strecke zwischen Ettlingen West und Ettlingen Erbprinz. Zu den ersten Entwürfen müssten bei Zusage des Landes aber noch fundierte Varianten entwickelt werden, erklärt Landrat Christoph Schnaudigel.

Bahnhof Ettlingen-West Foto: Werner Bentz

Zunächst könnte mit dem Wiederbeleben des Abschnittes eine neue Linie vom Rastatter Bahnhof nach Ettlingen Stadt entstehen, ohne Einfluss auf die bereits bestehende Linien zu haben. Die Kosten schätzt der Kreis auf rund 8,5 Millionen Euro. Ersten Berechnungen zufolge könnten dadurch 200 neue Fahrgäste gewonnen werden.

Doppelt so viele könnten es sogar bei einer verlängerten Strecke bis Ittersbach sein. Rund 54 Millionen Euro Kosten würden verursacht, entschiede man sich für die Komplettvariante vom Karlsruher Hauptbahnhof über Ettlingen West bis nach Rastatt. „Die Schiene zwischen Karlsruhe und Ettlingen West liegt schon, es muss nur darauf gefahren werden“, sagt Johannes Arnold, Ettlinger Oberbürgermeister und außerdem der Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler im Kreistag.

Bislang nutzt nur der Güterverkehr die Gleise. Neugebaut werden müsste hingegen eine Kurve, um die Strecke Richtung Rastatt zu vervollständigen. Arnold erwartet mit der Reaktivierung weniger Busverkehr in der Stadt und mehr Fahrgäste entlang der Strecke. „Zudem würden Schulen mit Hunderten Schülern angebunden“, ergänzt er.

Was ist für den Norden geplant?

Mit einer möglichen neuen Strecke zwischen Karlsruhe und Linkenheim-Hochstetten könnte sich auch der Endpunkt der Linie nach Graben-Neudorf verschieben. Das koste im Gesamtpaket rund 52 Millionen Euro. Der Analyse zufolge gewinne man auch mit diesem Projekt Fahrgäste und eine neue Direktverbindung zwischen den Kommunen würde geschaffen. Davon profitiere auch der KIT Campus Nord, der beim Trassenbau angebunden werde.

Was wäre der Nutzen eines solchen Projekts für eine Gemeinde wie Graben-Neudorf?

„Das ist eine große Chance”, sagt Christian Eheim, Bürgermeister von Graben-Neudorf, der für die SPD im Kreistag sitzt. Mit der Rheintalbahn habe man zwar eine schnelle Anbindung an den Karlsruher Hauptbahnhof. „Da die Strecke stark ausgelastet ist, ist eine Verdichtung des Takts nicht möglich”, so Eheim.

Das aber spiegele genau die Kritik der Bürger. „Man ist schnell in Karlsruhe, aber die Bahn fährt selten.” Der Lückenschluss alleine sei aber nicht ausreichend. Die Verbindung müsse den Bürger auch zügig von A nach B bringen. „Es findet Bewegung statt, nachdem es jahrelang keine gab”, bewertet Eheim die Pläne grundsätzlich. „Wir müssen mehr Menschen zwischen Karlsruhe und dem Umland auf die Schienen bekommen.”

Was muss beachtet werden, wenn das ÖPNV-Angebot wächst?

Die neuen Fahrpläne müssen optimal in die bestehenden integriert werden können, so die AVG. Dabei liege der Fokus auf der Auslastung der Gleise, um schnelle Verbindungen zu ermöglichen.

Welche Verbesserungen plant der Landkreis für das bestehende Netz?

Bereits 70 Prozent der Vorplanung sind den Angaben der AVG zufolge mit Blick auf die Linie S4 zwischen Bretten und Karlsruhe abgeschlossen: Hier soll ein zweites Gleis verlegt werden, was 2021 zwischenzeitlich zu einer Sperrung der Strecke führen wird.

Diesen Ausbau will der Landkreis nutzen und angegliederte Haltestellen wie Bretten Schulzentrum, Zaisenhausen und Bauerbach früher als geplant barrierefrei gestalten. Das dafür vorgesehene Förderprogramm vom Bund greife im kommenden Jahr noch nicht. „Es macht aber Sinn, hier Synergien zu nutzen, sonst müssten wir die Strecke ein zweites Mal sperren”, erklärt Schnaudigel.

Einen neuen Versuch will der Landkreis bei der Linie S2 unternehmen und diese von Stutensee-Spöck nach Bruchsal oder sogar darüber hinaus verlängern. Bereits 2012 kam das Anliegen auf, wurde aber von Seiten des Landes nicht als förderfähig eingestuft. „Die Kriterien ändern sich aber im Herbst”, erklärt Landrat Schnaudigel.

Ökologische Faktoren sowie die Bedeutung von Schienen- im Gegensatz zu Busverkehr änderten die Voraussetzungen. Damals sei das Projekt als nicht wirtschaftlich eingestuft worden, eine neue Bewertung soll das ändern.

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