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Mit 93 Jahren gestorben

Wie "Ossi" Traub beim KSC zum Pokalhelden wurde und fast zur WM 1954 gefahren wäre

Oswald Traub hat sich in Karlsruhe nicht nur als wieselflinker Dauerläufer und als Stimmungskanone bei Mannschaftsabenden einen Namen gemacht, sondern auch als Pokalheld. Nun ist die KSC-Vereinslegende im Alter von 93 Jahren gestorben.

Unvergessen: Oswald "Ossi" Traub war für die KSC-Fans eine Vereinslegende. Foto: GES
Oswald Traub hat sich in Karlsruhe nicht nur als wieselflinker Dauerläufer und als Stimmungskanone bei Mannschaftsabenden einen Namen gemacht, sondern auch als Pokalheld. Beinahe wäre der Außenstürmer des KSC sogar mit zur WM 1954 in die Schweiz gefahren. Nun ist Traub im Alter von 93 Jahren gestorben.

Traubs Name ist eng mit dem 21. Mai 1955 verknüpft. Fast auf den Tag genau vor 65 Jahren stehen sich im Endspiel des DFB-Pokals der Karlsruher SC und der FC Schalke 04 gegenüber.

In Braunschweig steht es kurz vor Schluss 2:2, als KSC-Außenstürmer Traub an den Ball kommt und diesen sehenswert zum Siegtreffer im Schalker Kasten versenkt. Bei weitem nicht das einzige Tor, das „Ossi“ für den KSC und dessen Vorgängerverein VfB Mühlburg erzielt hat, aber wohl sein wichtigstes. Nun ist Traub im Alter von 93 Jahren gestorben.

Ein prima Kerl war das.
Traubs früherer Mitspieler Heinz Ruppenstein

Als Achtjähriger hatte Traub 1935 beim VfB Mühlburg mit dem Kicken begonnen, war für den VfB und nach dessen Fusion 1952 mit dem FC Phönix dann für den KSC insgesamt 222 Mal in der Oberliga Süd aufgelaufen. 1956 wurde er mit dem KSC deutscher Vizemeister und ein weiteres Mal Pokalsieger.

Damals mit im Team: Heinz Ruppenstein. Der erinnert sich noch gut an sein erstes Aufeinandertreffen mit Traub. Nur wenige Tage nach dem Pokal-Triumph von Braunschweig war das: Bei einem Probetraining in Mühlburg – das Wildparkstadion sollte erst einige Wochen später eröffnet werden – sucht der österreichische KSC-Trainer Adolf Patek einen Laufpartner für den Neu-Karlsruher Ruppenstein.

Eher widerwillig habe sich Traub gemeldet, erzählt Ruppenstein: „Er hat mich so komisch angeschielt. Ich dachte noch: Mag der keine Neuzugänge?“ Doch aus der anfänglichen Zurückhaltung sei schnell Sympathie geworden. „Wir sind sehr, sehr gut miteinander ausgekommen. Ein prima Kerl war das“, sagt Ruppenstein.

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54 Tore in 222 Oberliga-Partien für den VfB Mühlburg und den KSC

Und einer, der weiß, wo das Tor steht. 54 Mal schlägt Traub in seinen 222 Oberliga-Spielen für Mühlburg und den KSC zu, ehe es ihn 1959 zum 1. FC Pforzheim in die Zweite Liga Süd zieht, wo er 1964 dann seine aktive Laufbahn beendet.

In dieser tauchte Traub meistens als Rechtsaußen auf, manchmal auch links. Und immer mit einer immensen Laufbereitschaft. „Er war ein Renner, kein ganz großer Techniker, aber was er gemacht hat, hatte Hand und Fuß“, sagt Ruppenstein rückblickend.

Auch abseits des Platzes hat Traub seine Auftritte: Bei Mannschaftsabenden greift er zur Gitarre und gibt den einen oder anderen Hit zum Besten.

Kurz vor der WM 1954 von Herberger aus dem Kader gestrichen

Nachdem er seine Kickschuhe in den Schrank gestellt hat, bleibt der gelernte Kfz-Handwerker, der bei einer Karlsruher Bank arbeitet, dem Kickergewerbe noch eine Zeit lang treu. Beim FC Hagenbach, beim Postsportverein Karlsruhe und bei Schwarz-Weiß Mühlburg sitzt Traub auf der Trainerbank.

Und gar nicht viel hatte gefehlt und Traub, der bis zu seinem Tod in Mühlburg lebte, wäre sogar als Weltmeister in die Geschichtsbücher eingegangen. Vor der WM 1954 gehörte er zu Sepp Herbergers erweitertem 40er-Kader.

Doch letztlich fuhr der Augsburger Ulrich Biesinger als Ersatzspieler mit in die Schweiz. Ein Länderspieleinsatz blieb Traub verwehrt, doch für die KSC-Fans ist er auch so – nicht nur wegen der Pokaltitel – eine Legende.

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