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Deutsch-Italiener

"Pasta Nuova": Das steckt hinter dem Erfolg der Bio-Pasta aus Graben-Neudorf

Noch bevor vegan und Bio große Ernährungstrends waren, produzierte Claudio Mossa mit seinem Vater Pasta, die ohne tierische Rohstoffe auskam. Mit der Entwicklung der Gesellschaft veränderte sich auch das Geschäft des Betriebs in Graben-Neudorf.

Alles aus einem Guss: Vom veganen Teig bis zur Füllung entstehen unter Beobachtung von Geschäftsführer Claudio Mossa in Graben-Neudorf rund 30 bis 40 Tonnen Pasta pro Woche. Foto: Keller

Seit mehr als 20 Jahren produziert Claudio Mossa mit seinem Vater Pasta, die ohne tierische Rohstoffe auskommt. Richtig Geld verdient das Unternehmen aus Graben-Neudorf aber erst, seit vegan und Bio im Trend liegen.

Kurkuma und Tomatenpulver bringen die goldgelbe Farbe in den Gnocchi-Teig. In der konventionellen Produktion wird dafür Ei benutzt. Doch bei Pasta Nuova in Graben-Neudorf entsteht eine vegane Version des Produkts – auf tierische Inhaltsstoffe wird in der kleinen runden Kartoffel-Nudel also verzichtet. Bio-zertifiziert und nach italienischem Vorbild: Doch nach diesen Grundsätzen arbeitet Geschäftsführer Claudio Mossa nicht erst, seit das Bewusstsein für Lebensmittel und die Kritik an tierischen Produkten angestiegen sind.

„Im Grunde haben wir schon immer vegane und vegetarische Lebensmittel hergestellt, aber früher haben wir das nicht extra deklariert“, so Mossa. Schon sein Vater, der ursprünglich aus Sardinien stammt, hatte bei der Gründung vor 30 Jahren die Vision, Pasta wieder zu einer guten Alternative auf dem Speiseplan zu machen.

Unternehmen liefert Pasta weltweit

„Die, die man in Deutschland kaufen konnte und die industriell hergestellt wurde, schmeckte grausam“, zitiert Mossa seinen Vater. Inzwischen beliefert das Familienunternehmen nicht mehr nur Naturkost-Märkte in der Region, sondern verschickt seine Teigwaren deutschlandweit, innerhalb Europas und sogar bis nach Dubai.

Zwei Anlagen fertigen die Produkte

Geduldig zieht eine Walze mehrere Kilogramm Tortelloni-Teig in die Länge. Dieser wurde kurz zuvor frisch gemischt – aus Bio-Hartweizengrieß und Wasser. Eine Maschine stanzt im Sekundentakt die passende Form, schießt die Ricotta-Füllung hinein und klappt die kleinen Nudeln zusammen. Nacheinander purzeln sie aufs Band. Von dort wandern sie weiter in Richtung „Dampfbad“ – das pasteurisiert die Pasta und macht sie haltbar. Gegenüber drückt und schneidet eine weitere Maschine die Gnocchi-Masse in seine bekannte Optik.

30 bis 40 Tonnen Nudeln pro Woche

„Mein Vater hatte einfach die Idee, die Herstellung von Pasta selbst in die Hand zu nehmen“, sagt Claudio Mossa. Vom Teig bis zur Füllung entstehen in Graben-Neudorf über 30 verschiedene Pasta-Produkte, die im eigenen Namen oder mit dem Etikett externer Marken nicht mehr nur in Bio-Fachmärkten sondern auch in üblichen Supermärkten verkauft werden. 30 bis 40 Tonnen Nudeln in einer Woche schaffen die zwei Anlagen in der kleinen Produktionshalle.

Mehr Fachpersonal zu finden, ist sehr schwierig geworden.

Noch schließt das Lager im Nebenraum an. Doch im Frühjahr zieht Mossa damit nach Kirrlach in Waghäusel. 35 Mitarbeiter kümmern sich um den Betrieb. „Mehr Fachpersonal zu finden, ist sehr schwierig geworden“, beklagt Mossa. Unternehmen, etwa aus der Metallindustrie, die im Landkreis Karlsruhe ihren Sitz haben, bieten den Bewerbern andere Voraussetzungen und oft mehr Geld.

Dagegen könne man sich kaum durchsetzen. „Im Vergleich zur konventionellen Industrie sind wir sehr klein, aber in der Bio-Branche sind wir schon ein Mittelständler“, sagt Mossa. Bereits seit 1993 entstehen in Graben-Neudorf offiziell Bio-zertifizierte Pasta-Sorten. „Den Lebensunterhalt gab das damals noch nicht her“, so Mossa. 1998 stellt Pasta Nuova den Betrieb komplett um: „So natürlich wie möglich, ohne Geschmacksverstärker.“

Trends steigern Umsätze von Pasta Nuova

Mit dem Trend zum Einkauf bei Naturkostmärkten, einer vegetarischen oder gar veganen Ernährungsweise sowie Diskussionen um Tierschutz, seien auch die Umsätze um 30 bis 40 Prozent gestiegen, resümiert Mossa. Über die Hälfte des Sortiments verzichtet gänzlich auf tierische Produkte, der Rest ist vegetarisch und damit fleischfrei. „Hätte man unsere vegane Pasta vor zehn Jahren im Einzelhandel verkauft, hätte das keinen interessiert“, vermutet er.

Wer das möchte, muss Bio kaufen.

„Mittlerweile verstärken die großen Supermärkte ihr Bio-Sortiment.“ Auch bei den Kunden bemerkt er einen Unterschied. „Menschen suchen Zugang zu natürlichen Lebensmitteln“, so Mossa. „Wer das möchte, muss Bio kaufen.“

Bio-Landwirtschaft bedingt Lebensmittel-Produktion

Viele Landwirte stellen ihren Betrieb um, genau darin liege auch die Basis für eine Veränderung, sagt er. Bis zu einer Bio-Vollversorgung durch Roh-Material und fertige Lebensmittel werde es aber noch einige Jahren brauchen. „Bio fängt immer auf dem Feld an“, so Mossa. „Ich kann nur das verarbeiten, was mir in Bio angeboten wird.“ Wenn plötzlich alle Hersteller auf Bio-Produktion umstellen würden, gäbe es nicht genug Roh-Material, etwa Hartweizengrieß, in der notwendigen Qualität, sagt er weiter. Doch um Bauern zu dem Schritt zu ermutigen, benötige es finanzielle Unterstützung.

Die Veränderung beginne immer beim Konsumenten, gehe dann über zu den Lieferanten und lande letztlich beim Landwirt. „Ich möchte die Branche rund um Bio-Lebensmittel weiterbringen“, so Mossa. „Der Stellenwert von Essen ist in Italien ein ganz hoher“, sagt er. „Dort nimmt man sich die Lebensqualität, die wir oft in unserem durchgetakteten Alltag nicht haben.“

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