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Umweltskandal in Mittelbaden

PFC-Nachweis auch in Tomaten, Weizen und Fisch

Trotz des Fundes von PFC bei einer Probe von Tomaten und bei Weizen aus Flächen in Mittelbaden zieht das Regierungspräsidium ein positives Fazit des so genannten Vorerntemonitorings. Damit soll gewährleistet sein, dass keine belasteten Lebensmittel in den Handel kommen. Die Tomaten mit leicht erhöhtem Wert seien nicht in den Verkauf gelangt, der belastete Weizen nicht als Lebensmittel vermarktet worden. Ansonsten seien bei Gemüse und Salat keine erhöhten Werte festgestellt worden.

Weizen ist sensibel für die Aufnahme von PFC. Nach Proben von Weizen aus PFC-belasteten Flächen in Mittelbaden, die erhöhte Werte aufwiesen, durften diese Partien nicht als Lebensmittel vermarktet werden. Foto: dpa

Die gute Nachricht: Bis auf eine Ausnahme bei Tomaten und mehreren beanstandeten Proben von Weizen sind bei Gemüse und Salat von PFC-belasteten landwirtschaftlichen Flächen aus dem Raum Baden-/Baden/Rastatt und Mannheim keine erhöhten Werte festgestellt worden. Das teilt das Regierungspräsidium Karlsruhe mit.

Flächenmäßig einer der größten Umweltskandale in Deutschland

Die schlechte Nachricht: Ein Ende des Umweltskandals, flächenmäßig einer der größten in Deutschland, ist nicht in Sicht. Unter anderem sollten Kleingärtner in der betroffenen Region auf Gießwasser aus Brunnen verzichten, heißt es.

Bis auf eine Ausnahme wiesen Tomaten aus landwirtschaftlichen Flächen in Mittelbaden, die mit PFC belastet sind, keine erhöhten Werte auf. Foto: dpa

Nach Ansicht von Regierungspräsidentin Nicolette Kressl (SPD) ist es mit dem so genannten Vorerntemonitoring von landwirtschaftlichen Erzeugnissen von PFC-belasteten Flächen im Raum Baden-Baden/Rastatt und bei Mannheim gelungen, „dass die dort erzeugten und auf den Markt gebrachten Lebensmittel für den Verbraucher unbedenklich sind“.

Die auf den Markt gebrachten Lebensmittel sind für den Verbraucher unbedenklich

Laut einer Mitteilung der Mittelbehörde seien die Proben vom Landwirtschaftlichen Technologiezentrum Augustenberg (LTZ) auf ihre Gehalte an verschiedenen PFC-Verbindungen untersucht worden. Als Maßstab gelten Beurteilungswerte, die vom Stuttgarter Agrarministerium festgelegt wurden.

Wie von den BNN berichtet, waren auch bei Erdbeerproben keine PFC-Rückstände gefunden worden. Das gilt ebenso für neun Spargelproben. Bei einer Spargelcharge sei ein Wert „unterhalb der Bestimmungsgrenze“ gemessen worden.

Erzeuger weichen auf unbelastete oder gering belastete Flächen aus

Die Behörde schließt daraus, dass die Erzeuger „mit diesen empfindlichen Kulturen auf unbelastete bzw. gering belastete Flächen ausgewichen sind“. Beim Getreide seien dagegen zum Teil die Beurteilungswerte überschritten worden, die Zahl der beanstandeten Proben sei aber geringer als im Vorjahr.

Beanstandeter Weizen durfte nicht als Lebensmittel vermarktet werden

„Besonders sensibel bezüglich der Aufnahme von PFC“ sei jedoch Weizen. „Die entsprechenden Partien sind nicht als Lebensmittel vermarktet worden“, teilt das Regierungspräsidium dazu mit.

PFC-Nachweise auch in Fischen und  Eiern

Bei Proben von Fischen, die von Angelsportvereinen gefangen wurden, gab es ebenfalls PFC-Nachweise – unter anderem bei Aal, Barsch, Braxen und Forelle. Ebenso in einer von drei Eier-Proben.

Fast 500 Hektar in Mittelbaden sind PFC belastet

Wie mehrfach berichtet sind allein im Landkreis Rastatt und im Stadtkreis Baden-Baden fast 500 Hektar Fläche mit PFC belastet – das entspricht rund 670 Fußballfeldern. Als Verursacher des Umweltskandals werden Schlämme aus der Papierindustrie vermutet, die zwischen 1999 und 2008 mit Kompost auf den Felder ausgebracht wurden.

Vor vier Jahren erste Verunreinigungen des Trinkwassers festgestellt

Erste Verunreinigungen waren jedoch erst im Herbst 2013 im Trinkwasser des Rastatter Wasserwerks aufgefallen. In der Folge wurden auch Belastungen im Wasser aus Brunnen im vorderen Murgtal, in Bühl, Hügelsheim und Baden-Baden festgestellt. Inzwischen gilt der mittelbadische PFC-Skandal als eine der größten Umweltverschmutzungen im Südwesten – mit derzeit noch nicht überschaubaren Folgen.

Behörde empfiehlt: Kein Gießwasser aus Brunnen verwenden

Nicht erfasst vom Vorerntemonitoring ist die Ernte aus Kleingärten. Auch dort können Pflanzen PFC über den Boden oder das Gießwasser aufnehmen. Kleingärtner sollten daher in den betroffenen Regionen auf Brunnenwasser verzichten und ihre Pflanzen mit gesammeltem Regenwasser oder mit dem Nass aus der öffentlichen Wasserversorgung gießen, empfiehlt das Regierungspräsidium.

Pfannen, in denen nichts anbrennt, Fast-Food-Verpackungen, die nicht durchweichen, Outdoorjacken, die Wind und Wetter widerstehen oder Handys, deren Oberfläche nicht zerkratzt werden kann – all das sind Bequemlichkeiten, die das Leben erleichtern sollen. Aber in solchen Produkten sind sehr oft poly- oder perfluorierte Kohlenwasserstoffe (PFC) verarbeitet, die sich mittlerweile weltweit in der Umwelt nachweisen lassen.

Es gibt mehr als 800 dieser künstlich hergestellten Verbindungen, die in der Umwelt nicht abgebaut werden und daher die Gesundheit von Mensch und Tier gefährden. Einige PFC stehen im Verdacht, krebserregend zu sein. Man unterscheidet zwischen langkettigen und den kurzkettigen PFC. Aufgrund ihrer nachgewiesenen Gefährlichkeit sind einige der langkettigen PFC streng reglementiert bzw. bereits verboten. Deshalb weicht die Industrie für ihre Produkte zunehmend auf die vermeintlich ungefährlichen kurzkettigen PFC aus.

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