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Protest bleibt friedlich

70 Menschen tanzen in Pfinztal gegen die Corona-Einschränkungen

Ihren Protest gegen Corona-Vorgaben, gegen die ihrer Meinung nach damit verbundenen Einschränkungen der Meinungsfreiheit und einer Spaltung der Gesellschaft will eine Bürgerinitiative bei Disco-Demos kundtun. In Söllingen gab es nun so eine Veranstaltung.

Mit Musik und Tanz gegen Corona: Eine „Disco-Demo“ gab es auf dem Leerdamplatz in Söllingen. Demonstriert wurde dabei gegen die Corona-Verordnung. Foto: Klaus Müller

Da dürfte der Mann aus Pforzheim dann doch etwas fehl am Platz sein. „Ich dachte, das ist ne Demo gegen Corona – gegen all die, die uns anlügen, die uns vorschreiben, was wir machen sollen.“ Mitnichten. Das, was sich auf dem Leerdamplatz in Söllingen zutrug, erinnerte beim ersten Hinschauen eher an eine Veranstaltung im Freien zur fünften, närrischen Jahreszeit.

Und dass viele zur Musik aus Batterie-betriebenen Boxen tanzten, könnte auch pragmatische Gründe gehabt haben: Es war lausig kalt. Über eine Stunde bevölkerten rund 70 Teilnehmer den spärlich beleuchteten Platz unter dem Motto „Peace, Love, Music“. Mag es am Ende um eine Art Vergnügen gegangen sein, so kam das Gros der Veranstaltungsteilnehmer zunächst wegen Corona zum Ort des Geschehens.

„Auch verstanden als Protest gegen die zu heftigen Corona-Maßnahmen“, war im Laufe des Abends immer wieder zu hören. Als eine „politische Veranstaltung mit Musik nach Artikel 8 des Grundgesetzes“ wollen Tobias Loose und seine Mitstreiterin Olga Knittel-Wald den Aufruf zu „Peace, Love, Musik“ verstanden wissen.

Sie sprechen von einer Bürgerinitiative, die sie federführend ins Leben riefen. Inzwischen gab es in der Region etliche solcher Abende – mal als Zug durch den Veranstaltungsort, mal als „Disco-Demo“ auf einem dafür geeigneten Platz.

„Wir wollen die Leute zusammenbringen. Wir wollen den Dialog – und zwar den unterschiedlichen Dialog – über Corona fördern“, betonten die beiden. In die Phalanx der Querdenker wollen sich die Initiatoren keineswegs einreihen lassen.

Kritik an Spaltung der Gesellschaft

Sorgen machen sie sich nach eigenem Bekunden um die Meinungsfreiheit, darüber dass „Andersdenkende“ viel zu schnell in eine Ecke gedrängt werden. Und sie machen durch Corona, durch die Vielzahl an „nicht immer nachvollziehbaren Vorgaben eine Spaltung der Gesellschaft“ aus.

Solange ihre Veranstaltungen so friedlich wie in Söllingen abliefen, würden sie weitermachen. Eigentlich war dort ein von Musik begleiteter Spaziergang durch den Pfinztaler Ortsteil vorgesehen. 20 Leute hätten laut Genehmigung aus dem Landratsamt mitlaufen können. Als abzusehen war, dass doch mehr Teilnehmer kommen, wurden die Planungen geändert. Statt des Spaziergangs blieb man auf dem Leerdamplatz – unter den Augen einer Polizeistreife, die dort einen ruhigen Abend verbringen konnte.

Gedanklich indes brodelte es coronabedingt in so manchen Köpfen. Wie sich in etlichen Gesprächen andeutete, fand sich in Söllingen annähernd die Bandbreite an unterschiedlichen Meinungen zu Corona, vor allem aber gegen Corona.

Man will anonym bleiben

Eines verband sie: „Meine Meinung möchte ich sagen, aber nicht meinen Namen.“ Warum nicht? „Das gibt nur Ärger“, antwortete so beispielsweise ein Pfinztaler.

„Ich leugne Corona nicht. Aber ich habe große Zweifel an den Zahlen, die veröffentlicht werden“, meinte ein Teilnehmer aus Oberderdingen. Querschläger gegen die Medien blieben auch nicht aus: „Ihr berichtet doch einseitig. Ihr verbreitet wie die Politik nur Angst“, tönte es aus dem Dunkeln. Das sei alles Stückwerk, sagte eine Mutter aus Karlsruhe. Es wäre besser gewesen, einmal einen richtigen Lockdown zu machen. Angst vor Corona habe sie nicht. Gleich als ganz und gar immun gegen das Virus bezeichnete sich ein Mann aus Heidelberg.

Zaungäste, die das Treiben beobachten, schüttelten den Kopf. „Was soll das alles? Wir haben die Pandemie. Und die ist heftig“, meinte ein junger Mann. Als Rettungssanitäter werde er jeden Tag damit konfrontiert.

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