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Chance durch Corona

Wie Race Result durch Corona einen ganz neuen Geschäftszweig erschließt

Das Pfinztaler Unternehmen Race Result wurde von der Corona-Krise stark getroffen und sieht sie mittlerweile als Chance. Es hilft Veranstaltern inzwischen, dass Events sicherer umgesetzt werden.

Sönke Petersen, Vorstand des Unternehmens Race Result. Foto: Rake Hora/BNN

Normalerweise entwickelt das Pfinztaler Technolgieunternehmen Race Result Hardware von Zeitmesssystemen für verschiedene Sportarten wie Laufen, Radsport, Mountainbike oder Skifahren und die dazugehörige Software. Distributoren aus verschiedenen Ländern kaufen diese Technik dann und vertreiben sie weiter

„Mittlerweile sind wir die Nummer zwei auf dem Weltmarkt“, sagt Sönke Petersen, Vorstand der Race Result AG. Die Produkte werden in über 80 Länder verkauft und 15.000 Veranstaltungen pro Jahr werden damit ausgestattet. Inzwischen hat das badische Unternehmen dem Platzhirsch Mylaps, der seit 30 Jahren auf dem Markt ist, Konkurrenz gemacht.

Das war schon ein harter Schlag für uns.
Sönke Petersen, Vorstand von Race Result

Doch Massenveranstaltungen mit Transponder-Zeitmessung fanden wegen Corona im März und April keine statt – weltweit stand alles still. „Das war schon ein harter Schlag für uns“, gesteht der in Glückstadt bei Hamburg geborene Vorstand, der seit 2003 in Karlsruhe lebt und hier Wirtschaftsingenieurwesen studierte.

Bisherige Wirtschaftskrisen trafen das Unternehmen nicht so sehr. Sport mache normalerweise jeder, so Petersen. Aber dieses Mal musste er die Kosten reduzieren und wie viele andere Unternehmen Kurzarbeit anmelden.

Mit Tickets, die mit RFID-Chips versehen sind, können Besucherströme gemessen und Kontakte nachverfolgt werden. Race Result-Vorstand Sönke Petersen hält drei solcher Eintrittskarten in Händen. Foto: Rake Hora/BNN

Schnell begannen Petersen und sein mittlerweile 40 Mitarbeiter großes Team damit, umzudenken und Alternativen zu suchen, wenn die Krise länger dauert. Ziel war die Beantwortung folgender Frage: Welchen Beitrag können sie leisten, der die Krise etwas lebenswerter macht?

„Wir haben schon immer unsere Fühler ausgestreckt und geschaut, wie wir unsere Technik auch in anderen Bereichen einsetzen können“, sagt der 37-jährige Unternehmer. Einer dieser Einsatzbereiche ist beispielsweise die Tunnelfeuerwehr in der Schweiz. Jeder der Feuerwehrleute ist mit einem Transponder ausgestattet, um im Brandfall zu sehen, welcher Feuerwehrmann noch im Tunnel ist und wo er sich befindet.

Wer war wann wo?

Was die entwickelte Unternehmenslösung auf Basis der RFID-Technologie kann, ist herauszufinden, wer wann wo war. Und das sei laut Petersen auch in Corona-Zeiten besonders wichtig. Geeignet dazu sei eine Empfängerbox. Sie ist kleiner als die bisherigen Boxen für die Zwischenmessstellen. Das Unternehmen entwickelte sie ohnehin im April und stattete sie mit Modem sowie SIM-Karte aus.

Sönke Petersen mit einer der roten Empfängerboxen, die bei Veranstaltungen aufgestellt werden. Foto: Rake Hora/BNN

So versuchte Race Result zunächst, das Produkt Alten- und Pflegeheimen anzubieten, was jedoch auf keine Abnehmer stieß und damit nicht umgesetzt wurde. „Unsere Transponder sind ganz einfach, hätten bei jedem Bewohner angebracht werden können und zuverlässige Infos geliefert“, sagt Vertriebsmitarbeiter Sascha Hornung.

Bei der zweitägigen Schweizer Messe „Swiss Economic Forum“ mit rund 2.000 Besuchern kam das System erstmals zum Einsatz. Die Veranstalter stellten rund 50 Boxen mit einer Reichweite von je 20 Metern auf, um die neuralgischen Punkte abzudecken. So war die Kontaktnachverfolgung und Besucherstrommessung möglich. „Einer der Teilnehmer, der nur an einem Tag da war, hat sich mit Covid 19 infiziert“, berichtet Petersen. „Wir ermittelten nur eine weitere Person, mit der er intensiven Kontakt hatte und die dann in Quarantäne musste.“

Der Unternehmer betont, dass Datenschutz ein wichtiges Thema für ihn sei und ihm auch nur anonymisierte Daten vorliegen würden. Lediglich der Veranstalter habe die entsprechenden Namen dazu. Nach dieser Messe folgten sieben weitere Kongresse in der Schweiz.

Einsatz beim „Tag der offenen Baustelle“ in Karlsruhe

Auch die Karlsruher Schieneninfrastrukturgesellschaft (KASIG) setzte beim „Tag der offenen Baustelle“ in Karlsruhe auf das Produkt. „Die Veranstaltung wurde nur genehmigt, weil unsere Transponder Assisted Visitor Information-Lösung (TAVI) zum Einsatz kam“, betont Petersen. Denn diese gebe Behörden, Veranstaltern und Besuchern eine erhöhte Sicherheit.

An dem Tag waren insgesamt knapp 8.000 Besucher an der neuen Haltestelle Marktplatz unter der Erde. Zeitgleich durften jedoch nur 300 Menschen in den Tunnel, der in drei Bereiche eingeteilt war. An Ein- und Ausgang gab es zusätzliche Kontrollpunkte.

Die Messebesucher führen eine Karte mit Transponder mit sich und werden so geschützt. Foto: Rake Hora/BNN

„Wir wussten jederzeit, wie viele Besucher in welchem Bereich sind“, sagt der Firmenchef, der inzwischen auch mit lokalen und regionalen Messen in Deutschland im Gespräch ist. Die Australian Open werden zudem möglicherweise bald mit TAVI veranstaltet.

Aber auch Museen, Konzertveranstalter, Schulen oder Universitäten sind als Kunden denkbar. „Jeder Bereich, wo Menschen aufeinandertreffen“, fasst es Petersen knapp zusammen. Der Unternehmer sagt, dass sein Produkt nur wenige Euro pro Teilnehmer kosten würde.

„Und, wenn davon abhängt, ob ein Event stattfindet, oder nicht, lohnt es sich allemal“, fügt er hinzu. Petersen bietet sein Produkt Vereinen, die nur ein oder zwei Veranstaltungen pro Jahr haben, auch auf Leihbasis an.

2003 kam Sönke Petersen zum Studieren nach Karlsruhe, seither hält er der Region die Treue - bis auf Studienaufenthalte wie etwa in Boston an der Harvard University. Foto: Rake Hora /BNN

Ein Besuch einer Veranstaltung mit unserer Lösung ist sicherer als ein Supermarktbesuch.
Nikias Klohr, CTO von Race Result

Im Gegensatz zur Corona-Warn-App, die sich viele noch nicht heruntergeladen haben, sei das System von Race Result zuverlässiger. „Mit unserer Lösung können Veranstalter nachweisen, dass zum Beispiel nicht mehr als 100 Personen bei einer Veranstaltung waren“, so Petersen.

Er weiß, dass das System keine Infektionen vermeiden, aber die Anzahl denkbarer Kontakte massiv reduzieren kann. Sein Kollege und technischer Direktor Nikias Klohr bringt es etwas anders auf den Punkt: „Ein Besuch einer Veranstaltung mit unserer Lösung ist sicherer als ein Supermarktbesuch.“

Seit 2017 befindet sich das Unternehmen in Pfinztal neben dem Fraunhofer-Institut und produziert dort auch eigenständig – bis hin zum Druck der Startnummern mit Transpondern. In den ersten Jahren war die 2009 gegründete Firma in der Karlsruher Technologiefabrik untergebracht.

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