Skip to main content

Motivation leidet

Coronakrise der Künstler: Pfinztaler Malerin kämpft ums Überleben

Wie geht es Künstlern in der Corona-Pandemie und wie gehen sie damit um? Ann-Kathrin Busse ist Künstlerin in Pfinztal. Mit ihren Bildern will sie einen Gegenpol zur Pandemie setzen.

Blütenmeer auf der Staffelei: Ann-Kathrin Busse hat das Bild bereits im September 2020 gemalt. Sie möchte mit ihren Bildern einen Gegenpol zum Coronavirus setzen. Foto: Patric Kastner

Die Corona-Pandemie hat die Welt der Kunst erfasst. Abgesagte Ausstellungen oder Konzerte, die nicht stattfinden können. Welche Auswirkungen hat die Pandemie ein Jahr nach ihrem Ausbruch auf die bildende Künstlerin Ann-Kathrin Busse?

Sie holt ein Bild in ihrem Atelier hervor. Mohnblumen sind darauf zu sehen und auch eine Hummel schwirrt an einer der Blüten. 2017 steht am rechten unteren Rand. „Ich bin gerade dabei, das Bild zu übermalen“, sagt sie. Es habe anfänglich trauriger ausgesehen, erklärt die Pfinztaler Künstlerin. Corona, das macht sie deutlich, habe sich zeitweise auf ihre Motivation ausgewirkt, jedoch nicht auf ihre Kreativität, wie sie betont.

An Ideen mangele es nicht, jedoch an der Zeit, diese umzusetzen. Dennoch hat die 61-Jährige beschlossen, die Pfinztaler Kunsttage nicht mehr leiten zu wollen. „Weil ich es unter anderem als perspektivlos empfinde“, führt sie als Grund an. Corona hat sich hier bemerkbar gemacht. Wie sich die Werkschau weiterentwickle, werde sich zeigen, sagt sie. „Es kann auch etwas Neues entstehen“, betont Busse. Die Entscheidung sei ihr schwer gefallen.

Schon im vergangenen Jahr wurden die Aktionstage, die sich normalerweise über verschiedene Orte in der Gemeinde erstrecken, Corona-bedingt zu einer Gruppenausstellung komprimiert. „Das war schon eine Notlösung“, erklärt Busse. Die befreundete Künstlerin Monika Roser habe dazu ihre Galerie zur Verfügung gestellt. Einlass war unter Corona-Bedingungen einen Monat lang an den Wochenenden im Oktober. Nun, im 25. Jahr des Bestehens der Kunsttage, sei eigentlich dieses Jahr ein Sommerfest geplant gewesen. Das falle jetzt ins Wasser.

Als nächste Aktion möchte Busse aber nun mit der Künstlerin Jutta Maier, ebenfalls aus Pfinztal, im Mai oder Juni unter dem Titel „Blütenträume“ in den Schaufenstern einer Badausstellung in der Gemeinde ihre Werke zeigen – es sollen Arbeiten voller Leichtigkeit sein. Schaufenster als Galerie-Alternative zu nutzen, diese Idee möchte sie ausbauen.

Kunst-Kalender als Alternative

Jedoch erklärt sie, dass es keine dauerhafte Lösung sei. Die Gemälde würden je nach Lage der Schaufenster unter der Sonneneinstrahlung leiden. Während der Pandemie seien ihre Bilder fröhlicher geworden, sagt sie. Auf der Staffelei befindet sich ein buntes Blütenmeer auf Leinwand, das sie schon im September 2020 gemalt hat. Sie möchte einen Gegenpol zum Virus schaffen. Auch bei Künstlerkollegen merke sie, wie die Menschen langsam den Optimismus verlieren würden.

„Corona ist eine Katastrophe“, sagt die 61-Jährige. Persönliche öffentliche Auftritte bei Kunstausstellungen, Kunsthandwerkermärkten und Messen hätten wegen der Pandemie nicht stattfinden können. Da Termine ausgefallen seien, habe sie die Zeit genutzt, um die zweite Edition von zwei immerwährenden Kalendern auf den Weg zu bringen.

Ich bin schon früh zweigleisig gefahren.
Ann-Kathrin Busse Pfinztaler Malerin

Busse lebt seit 1992 in Pfinztal, ist Biologin und hat auch an der Düsseldorfer Kunstakademie studiert. Durch die Verbindung mit der Biologie kam sie dazu, medizinische Illustrationen für den Bereich des Gesundheitswesens zu malen. „Ich bin schon früh zweigleisig gefahren“, sagt sie. Seit 30 Jahren sei sie selbstständig. Seit acht Jahren habe sie das Glück, mit ihrer Malerei, ihrem eigenen Stil, Geld zu verdienen, betont sie. Die Krise habe sie auch sehr stark im Geldbeutel gespürt.

Auftragsarbeiten helfen über die Runden

Während Corona habe es bei den Auftragsarbeiten, die einen Teil ihrer Einnahmen ausmachen, jedoch keinen Rückgang gegeben. Was zurückgegangen sei, waren die Besuche auf ihrer Homepage, erklärt Busse. Dort bietet sie Kunstdrucke, Postkarten oder Kalender an. Kundschaft komme nun über Facebook oder Instagram oder Leute kämen einfach vorbei. Ein Bild habe sie auch schon über die Schwelle der Haustüre verkauft. Busse meint, mit Terminabsprachen und Lüften sei es eigentlich kein Problem, ein bis zwei Kunden in ihrem Atelier zu empfangen. „Aber ich darf nicht“, sagt sie.

Sind Ausstellung oder Atelierbesuche in diesem Jahr noch möglich? „Ich bin für alles offen“, betont Busse. Sie werde der Situation gemäß handeln. „Sobald sich eine Möglichkeit ergibt, bin ich dabei – aber zurzeit sieht es eher schlecht aus.“

nach oben Zurück zum Seitenanfang