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Kritik am Wasserwirtschaftsamt

Fischsterben verärgert Angler in Pfinztal

Kein oder wenig Wasser – das mögen Fische nicht so gerne. Aus diesem Grund gab es jüngst ein Fischsterben en masse in der Pfinz, worüber sich die Angler aufregen. War die Ursache ein Fehler vom Amt durch einen Funktionstest eines Wehrs?

Verkehr in beiden Richtungen: Die Fischtreppe der Pfinz hat den Vorteil, dass die Forellen auch flussaufwärts schwimmen können. Foto: Eric Büsching

Ein Fischsterben in der Pfinz bringt derzeit die Angler auf die Palme. Wo sich sonst Forellen tummeln, treiben nur noch deren Leichen auf dem Wasser. Für Eric Büsching aus Berghausen, der direkt an der Pfinz wohnt, ein klarer Fall: Das Wasserwirtschaftsamt hatte Ende August einen Funktionstest am Wehr „Walter“ in Söllingen durchgeführt. Dazu, das bestätigen Fachleute auf BNN-Nachfrage, wird üblicherweise das gestaute Wasser abgelassen, dann werden die diversen Funktionen, etwa Hydraulik oder Elektrik, überprüft, bevor das Wasser wieder auf ein Meter Höhe angestaut wird.

Das Problem diesmal: Es herrschte ohnehin Niedrigwasser, was der Schriftführer des AV Forelle Pfinztal auf Fotos dokumentierte. Da sich das Ganze deshalb um mehrere Stunden hingezogen habe, sei die Pfinz unterhalb des Wehres „Walter“ praktisch leer gewesen. „Das mögen die Fische nicht so arg – und hören dann dummerweise auf zu atmen“, formuliert es Gemeinderätin Dagmar Elsenbusch gegenüber den BNN.

Funktionstest der Wehre eigentlich bei Hochwasser

Die Angler entlang der Pfinz kritisieren das Wasserwirtschaftsamt deshalb, weil man die Funktionen solcher Wehre normalerweise bei Hoch- und nicht bei Niedrigwasser mache. Und normalerweise, so fasst Eric Büsching die Ansicht der Vereine zusammen, würden die Gewässerwarte der Angelvereine informiert, damit diese dann mit Käschern die Fische aus den wasserlosen Fischtreppen befreien und von den wasserlosen Stellen im Fluss abfischen könnten. So aber sei nichts passiert, und laut dem Gewässerwart des Vereins hätte das Wasser für die ein Kilometer lange Strecke eine Stunde gebraucht. „Da sind natürlich viele Fische verendet.“ Gemeinderätin Elsenbusch spricht denn auch von einem „schludrigen Umgang mit der Natur“ vonseiten des Amtes.

Den Vorwurf der Schludrigkeit weist Armin Stelzer weit von sich: „Wir haben das Walter-Wehr bei der Überprüfung nur wenige Zentimeter geöffnet. Davon kann der extreme Niedrigwasserstand nicht gekommen sein.“ Seine Fachleute in der Landesbehörde für Gewässer beim Regierungspräsidium Karlsruhe gingen vielmehr davon aus, dass ein technischer Defekt beim flussabwärts gelegenen „Stuhlmüller-Wehr“ in Berghausen die Ursache für die Wasserknappheit in der Fischtreppe gewesen sei. Noch am Dienstag werde man sich mit der Unteren Wasserbehörde (Landratsamt Karlsruhe) zusammensetzen, um über Ursachen und Lösungen zu beraten, sagte der Geschäftsführer der Landesbehörde gegenüber den BNN.

Zwischenzeitlich hat der Anglerverein Forelle Pfinztal bei der Polizei Anzeige erstattet. Schließlich sei ein Verlust von mindestens 600 Euro entstanden, eher mehr, wie Schriftführer Büsching schätzt. Der Verein müsse ja auch für den Fischbestand sorgen und „Sömmerlinge“ (einjährige Bachforellen) einsetzen. Man rechne in Anglerkreisen bei einer fangfrischen Forelle mit einem Erlös von sechs Euro pro Kilogramm.

Normalerweise hat eine Forelle zwei natürliche Feinde – den Graureiher und den Kormoran, beide im Tal der Pfinz heimisch. Und selbstverständlich ist eine entsprechende Wassermenge lebensnotwendig. Das weiß auch das Amt für Umwelt und Arbeitsschutz des Landratsamtes Karlsruhe und verweist in einer aktuellen Mitteilung auf die extrem niedrigen Pegelstände der heimischen Fließgewässer. Aufgrund der noch immer hohen Temperaturen und dem Ausbleiben von ergiebigen Niederschlägen würden an Alb, Pfinz, Kraichbach und Saalbach alle Fließgewässer-Pegel um den langjährig niedrigsten Wasserstand liegen, teilt die Behörde mit.

Tiere leiden unter Niedrigwasser und hohen Temperaturen

Unter den geringen Wassermengen und den hohen Wassertemperaturen litten die Lebewesen in den Gewässern, insbesondere Fische und Kleintiere, für die eine ausreichende Wassermenge lebensnotwendig sei. Auch vereinzelt lokale Schauer hätten die Situation nicht verbessert. Erst Landregen, die größere Niederschlagsmengen bringen, könnten zu einer Erholung der Gewässer führen. Die seien jedoch weiterhin nicht in Sicht.

Auch wenn der Wasserbedarf in den Hausgärten im Spätsommer und Herbst abnimmt, bezeichnet das Amt die gewässerökologische Situation weiterhin als kritisch und weist darauf hin, dass die Entnahme auch von geringen Mengen die Auswirkungen auf Tier- und Pflanzenwelt weiter verschärfen könnten.

Das Amt für Umwelt und Arbeitsschutz appelliert daher eindringlich an die Bevölkerung, auf eine Entnahme von Wasser aus Fließgewässern und Seen generell zu verzichten. Das Wasserschöpfen von Hand in geringen Mengen mit Gießkannen und ähnlichem Gerät sei zwar ohne Erlaubnis möglich, sollte jedoch bei besonders niedrigen Wasserständen der Natur zuliebe eingestellt werden, so die Aussage des Amtes. Das Aufstauen von Wasser und das Abpumpen mit einer Motorpumpe sei grundsätzlich verboten.

Service

Aktuelle Informationen zu den Wasserständen der Flüsse im Landkreis www.hvz.baden-wuerttemberg.de .











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