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Fünfte Generation ist am Start

Modellbau Wenz in Pfinztal blickt auf 125 Jahre zurück und produziert heute auch für Tesla

Die meisten Teile, die in dem Familienunternehmen hergestellt werden, sind Werkzeuge für die Automobilindustrie und deren Zulieferer.

Ein Spritzguss-Werkzeug für ein Schräglager musste Fabian Wenz (links) als Meisterstück herstellen. Hier präsentiert er seine Arbeit mit seinem Vater und Firmenchef Norbert Wenz.
Ein Spritzguss-Werkzeug für ein Schräglager musste Fabian Wenz (links) als Meisterstück herstellen. Hier präsentiert er seine Arbeit mit seinem Vater und Firmenchef Norbert Wenz. Foto: Dietrich Hendel

Fabian Wenz vertritt die fünfte Generation im Söllinger Familienunternehmen Modellbau Wenz. 2023 stand im Zeichen des Firmenjubiläums. „Mit der Erfahrung aus 125 Jahren gestalten wir den Modellbau der Zukunft“, lautet die Firmenphilosophie auf der Internetseite.

Die Entwicklung von den Anfängen bis heute dokumentieren Ausstellungsstücke der Werkzeuge, die das Unternehmen für die Industrie anfertigt. Auf den Regalen ist im Schnelldurchlauf sichtbar, wie sich der Formen- und Modellbau vom massiven Holz über Schichtholz hin zu Kunststoff und Aluminium als Ausgangsmaterial gewandelt hat. Und wie moderne Maschinen die Handarbeit verdrängt haben.

Pfinztaler Firma Wenz blühte nach dem Krieg auf

Als erster gelernter Modellbauer in der Familie Wenz hat Ururgroßvater Christof Wenz sich 1898 selbstständig gemacht, berichtet der heutige Firmenchef Norbert Wenz (63 Jahre), Modellbaumeister und Betriebswirt: „Die ersten Arbeiten waren Gießereimodelle.“ Urgroßvater Karl-Rudolf Wenz wagte 1928 die Verlagerung und Erweiterung des elterlichen Unternehmens.

Nicht einmal zehn Jahre später, im Jahr 1936, folgte die nächste Ausdehnung, erzählt Norbert Wenz weiter. Der Großvater Friedrich Wenz, der sehr spät aus russischer Kriegsgefangenschaft zurückkehrte, schaffte es, die Firma nach schwerer Zeit zu retten und weiterzuführen, ehe Norbert Wenz das Ruder übernahm und den Betrieb weiter vergrößerte.

Die Firma ist eigentlich ein Handwerksbetrieb. Die Fertigungsverfahren haben sich aber stark vom Handwerk entfernt.
Markus Rendes
Betriebsleiter

„Wir haben immer in neue Fertigungsanlagen investiert“, sagt Wenz. „Wir waren technologisch stets auf der Höhe der Zeit und sind es heute noch immer“, ergänzt Markus Rendes, gleichfalls gelernter Modellbauer mit Meisterbrief und Betriebsleiter. „Die Firma Wenz Modellbau ist zwar ein Handwerksbetrieb, aber die Fertigungsverfahren haben sich vom Handwerk entfernt.“

Das alteingesessene Modellbauunternehmen ist ein Männerbetrieb. „Wir haben immer etwa zehn Mitarbeiter“, berichtet Rendes. Das Team sei klein, harmoniere aber gut. Ganz ohne weibliche Mithilfe geht es in der Firma doch nicht: „Meine Frau macht das Büro“, sagt Norbert Wenz. „Wir hatten auch mal weibliche Auszubildende, die nach der Lehre in andere Branchen gewechselt sind.“ Gut 40 Auszubildende hätten bei der Firma Wenz in den vergangenen rund 50 Jahren das Rüstzeug für den Modellbau erworben, was eine gute Basis für andere Berufe sei.

Werkzeuge für die Automobilindustrie sind wichtiges Standbein

Die meisten Teile, die bei Wenz Modellbau hergestellt werden, sind Werkzeuge für die Automobilindustrie und deren Zulieferer. Nach den Vorgaben der Auftraggeber werden diese Teile gefertigt, die als Formen an die Auftraggeber zurückgehen, erklärt Rendes. Er zeigt auf ein Werkstück auf dem Bildschirm des Rechners, das aussieht wie ein Kunststoffteil für eine Fahrzeugverkleidung. Als er die Bildansicht verschiebt, kann man mit Anleitung erkennen, dass es das Modell einer Armaturentafel ist.

„Wir konstruieren von innen her, von der Seite, die man nicht sieht, wenn das Teil eingebaut ist“, erklärt Rendes. „Auch was wir sonst machen, sind Teile für den klassischen Maschinenbau“, ergänzt Norbert Wenz.

„Wir haben für BMW die Instrumententafel für den elektrischen i5 gebaut, für Tesla und für VW haben wir Werkzeuge angefertigt. Die Formen für Türen, Motorhaube und Dach des Streetscooters der Post haben wir ebenfalls entwickelt“, berichtet Fabian Wenz, Meister im Modellbauer-Handwerk. Ein Firmenbesuch bei BMW in Landshut sei ein tolles Erlebnis gewesen.

Etwa eine Million Euro Jahresumsatz würden im Durchschnitt erwirtschaftet. Sorgen habe man sich während der Finanzkrise gemacht. Danach sei es aber gut weitergegangen. Wenz blieb nicht von der Corona-Pandemie verschont: „Produkte wurden verschoben, es gab Engpässe bei Lieferung und Beschaffung.“ Noch seien nicht alle Probleme ausgeräumt, so Norbert Wenz. „Wir sind momentan wieder auf einem guten Niveau. Die Auftragslage ist ausgelastet“, merkt Betriebsleiter Rendes an.

Wie geht es weiter? „Wir dürfen nicht stehen bleiben. Wir müssen die Entwicklung beobachten und zukunftsorientiert arbeiten. Wir sind offen für Neues“, macht der Juniorchef deutlich. Es sei unerlässlich, weiter rechtzeitig zu investieren und den Maschinenpark auf dem Laufenden zu halten.

„Ich habe immer auf Kontinuität gesetzt. Und das gebe ich so weiter“, sagt Norbert Wenz. Sein Sohn Fabian will auf jeden Fall weitermachen und das 125 Jahre alte Unternehmen erfolgreich in die Zukunft führen.

Internet

www. modellbauwenz.de

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