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Kitas werden teurer

Pfinztal erhöht Elternbeiträge

Für die Betreuung ihrer Kinder müssen Familien in Pfinztal künftig tiefer in die Tasche greifen. Das gilt nicht nur für die Kindergärten der Gemeinde. Auch die Hort-Betreuung wird teurer.

Rucksäcke hängen in einem Kindergarten an der Garderobe.
Die Gemeinde Pfinztal wird ihre Kindergartenbeiträge im kommenden Jahr erneut erhöhen. Foto: Susanne Dürr

Die Gemeinde Pfinztal erhöht ihre Kindergartenbeiträge im kommenden Jahr erneut. Ebenso müssen die Eltern für die Hort-Betreuung der Schüler dann mehr zahlen.

Eltern von über Dreijährigen bis zum Schuleintritt müssen künftig zwischen sieben Euro und 14 Euro im Monat, in Abhängigkeit von der täglichen Betreuungszeit, mehr für den Besuch einer Betreuungseinrichtung in der Gemeinde bezahlen.

Für die Betreuung der Kleinsten unter drei Jahren steigen die Elternbeiträge um elf Euro für die Regelgruppe, die dann mit monatlichen 231 Euro zu Buche schlägt. Für die „44+ Stundenbetreuung“ in der Woche wird der Betrag um 22 Euro angehoben und liegt dann bei 470 Euro pro Monat. Die Kosten steigen für alle Betreuungsformen um fünf Prozent zum kommenden Kindergartenjahr. Das beschloss der Gemeinderat in Pfinztal mit 15 Ja-Stimmen, während zwei Räte dagegen stimmten und sich vier der Stimme enthielten.

Gemeinde bleibt unter der empfohlenen Erhöhung

„Mit der Erhöhung um fünf Prozent bleibt die Gemeinde unter den Empfehlungen der Kirchen und Kommunalen Landesverbände in Baden-Württemberg, die eine Steigerung der Beiträge um 8,5 Prozent im kommenden Schuljahr ausgesprochen haben“, betonte Eva Möller (Unabhängige Liste Pfinztal).

Simon Schwarz (Grüne) stimmte der Erhöhung als gangbarem Mittelweg zu: „Mit einem Deckungsgrad für die Gemeinden von elf bis 16 Prozent sind die Kosten für die Gemeinde sehr hoch und ein kostenfreies Angebot nur per Landes- oder Bundesbeschluss durchsetzbar.“

Kirsten French (Linke) hielt an der Parteilinie fest, die Kindergärten als Bildungseinrichtungen ohne Beiträge fordert. Dagmar Elsenbusch (SPD) erklärte zum Spagat zwischen gebührenfreier Bildungseinrichtung und dem, was Eltern leisten können, seien die fünf Prozent Erhöhung für Eltern machbar.

Geschwisterkindregelung soll entlasten

Thomas Sturm Bildungs-, Sozial- und Personalamtsleiter verwies auf den im vergangenen Jahr beschlossenen „sehr großzügigen“ Geschwisterrabat, der greift, wenn mindestens zwei Kinder einer Familie gleichzeitig eine Betreuungsform der Gemeinde nutzen. Hierbei sinkt der Beitrag für das zweite Kind um 50 Prozent, während das dritte Kind noch 30 Prozent und das vierte Kind nur noch 20 Prozent des Betrags entrichten müsse, sowie weitere Vergünstigungen von Eltern als Empfänger von Sozialleistungen zur Entlastung greifen würden. Die geltende Geschwisterkinderregelung werde auch bei der Schülerbetreuung automatisch angewandt.

Die Essensbeträge bleiben unverändert. Eine Erhöhung wurde ferner für die seit zehn Jahren unveränderten Elternbeiträge für die Ferienbetreuung erhoben. So steigt die Halbtagesbetreuung (30 Wochenstunden) von 35 Euro auf 40 Euro pro Woche und die Ganztagsbetreuung (49 Wochenstunden) von 55 Euro auf 65 Euro ab dem kommenden Kalenderjahr. Geschwisterkinder erhalten bei gleichzeitiger Anmeldung eine Ermäßigung von zehn Euro.

Pfinztal entscheidet sich gegen Ganztagsbetreuung

Mit dem Beschluss, das bisherige Hort-System der Gemeinde weiter beizubehalten und auszubauen, entschied sich der Gemeinderat erstmals gegen eine Ganztagsbetreuung in der Grundschule. Dem Entscheid vorausgegangen war die bundesweit ab 2026 gebotene Möglichkeit, mit der Ganztagsgrundschule ein kostenfreies schulisches Betreuungsangebot anzubieten. Für die Kommunen bestünde der Vorteil darin, dass das Land die Lehrkräfte für die Ganztagsschule stellen und bezahlen müsse.

Allerdings überzeugte die Räte mehrheitlich bei 20 Ja-Stimmen und einer Enthaltung der im nicht öffentlichen Verwaltungs- und Finanzausschuss von Schulleiterin Barbara Fuch von der Geschwister-Scholl-Realschule gehaltene Sachvortrag, der Schwierigkeiten in der Umsetzung der Konzeption aufzeigte.

Zuzüglich zeigte der Abgleich mit dem zurate gezogenen Bedarfsplan der Schülerbetreuung 2013/2024, dass das von der Ganztagsgrundschule abgedeckte mögliche Betreuungsfenster mit einer täglichen Betreuungszeit von acht Stunden an vier Wochentagen unter dem aktuellen Hort-Angebot bleibt und auch die Ferien nicht abgedeckt werden.

Wir sind frei und können zu jeder Zeit die Richtung wechseln.
Nicola Bodner
Bürgermeisterin Pfinztal

Wie der Bedarfsplan zeige, bietet dieser ein flexibles, funktionierendes Hort-System täglich von 7 bis 17 Uhr mit einer Betreuungsquote zwischen 60 und 70 Prozent und übertreffe damit bereits das Angebot einer möglichen Ganztagsgrundschule.

Simon Schwarz (Grüne) wollte wissen, inwieweit die nun getroffene Entscheidung, in den Ausbau der Horte zu investieren, die Verwaltung binde. „Wir sind frei und können zu jeder Zeit die Richtung wechseln“, so Bürgermeisterin Nicola Bodner (parteilos) und ergänzte: „Auch wenn wir jetzt viel Geld in die Hand nehmen, um die Horte auszubauen, sind dies sinnvolle Investitionen in die Zukunft.“

Dagmar Elsenbusch (SPD) regte einen Ausbau der Horte in allen vier Ortsteilen „mit Augenmaß an“ und forderte, Qualitätsstandards zu etablieren. Auch wenn sie als politisch Linke ein kostenfreies Bildungsangebot einer Ganztagsgrundschule favorisiere, so frage sich ihr Lehrerinnenherz, mit welchen Ressourcen dies gestemmt werden solle, erklärte Kirstin French.

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