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So kommen Obstbäume durch die Trockenheit: Gartenbauvereine im Karlsruher Norden geben Tipps

Wer Obst im eigenen Garten anbaut, für den ist die aktuelle Dürreperiode eine Herausforderung. Das wissen die Obst- und Gartenbauvereine nur zu gut. Doch es gibt hilfreiche Tricks.

Mann gießt mit einem Eimer einen Baum
Langer Weg des Wassers: Aus Eimern gießt Alexander Wiedemann einen Jungbaum der Apfelsorte Winterrambur auf dem weitläufigen Areal des Lehrgartens des OGV Berghausen. Foto: Jürgen Hotz

„Die wirken gestresst“, sagt Alexander Wiedemann mit fachmännischem Blick im 70 Ar großen Lehrgarten des Obst- und Gartenbauvereins (OGV) Berghausen in der Mickenlochstraße. Die Rede ist nicht etwa von Vereinskollegen, sondern von Bäumen im Gelände. Etwa einem zweijährigen Jungbaum der Apfelsorte Winterrambur, der seine Blätter eingerollt hat. Zwei Pfirsichbäume sind dürr geworden. Auch Kirschen- und Zwetschgenbäume am Hang.

Der 41-Jährige, einer der Jüngsten im Verein, bringt bei über 30 Grad Celsius das Wasser mit Eimern in einer Schubkarre über das weitläufige Hanggelände zu den durstigen Bäumen.

Insektentränken können Obstbäume schützen

Bevor er gießt, zieht er um den Baum eine Rinne durch die staubtrockene Erde. So bleibt das Wasser besser beim Baum. Sein Tipp: Gärtner sollten flache Teller als Tränken für Insekten aufstellen, um so das Obst zu schützen. Wiedemann zeigt etliche Äpfel, an denen sich Wespen im muldig ausgehöhlten Fruchtfleisch gütlich tun.

„Die Blätter rollen sich ein, um die Oberfläche zu verkleinern. Dann müssen wir Wasser zufahren“, erläutert Bernd Schaber. Der 79-Jährige ist der Vorsitzende des OGV Berghausen. Alle drei bis vier Tage seien ein bis zwei Kannen nötig. Nach zwei bis drei Jahren müssten die Jungbäume über den Berg sein. Schon rein personell könnten sie die Bewässerung aller Bäume nicht bewältigen. Nachwuchs sei rar, Alexander Wiedemann werde seine Nachfolge antreten, so Schaber.

„Der Schnitt im Frühjahr ist das Allerwichtigste. Die Wasserschosse müssen weg, um den Blütenansatz zu reduzieren“, sagt Fritz Zimmermann vom Obst- und Gartenbauverein Graben, der auch Landwirt ist. Durch das Beschneiden dieser Triebe verringere sich der Ertrag, aber der Baum werde widerstandsfähiger. Der OGV freue sich über frühzeitige Anfragen nach Schnittkursen und helfe gern. Allerdings hätten sie auch in Graben ein Nachwuchsproblem im Verein. Die Mischung im Garten von frühen und späten Sorten – maximal fünf – mache es aus, dass über einen großen Teil des Jahres Äpfel geerntet werden können.

Im vorigen Jahrhundert seien die Jahre 1947, 1949 und 1954 sehr trocken gewesen, sagt Zimmermann. Aber sie hätten in seiner Jugend immer Äpfel gehabt. Der frühere Standort an der Pfinz bot für zwei oder drei robuste Sorten wie Bohnapfel, Goldparmäne oder Rubinette ausreichend Bewässerung. Heutige Züchtungen von über 200 Sorten wie Braeburn seien häufig anfälliger gegenüber Trockenheit.

Zimmermann empfiehlt, auch das Gras um den Baum regelmäßig zu mähen. „Alle acht Tage fünf bis sechs Zentimeter.“ Denn das Gras ziehe Wasser vom Baum ab. Zudem begünstige es Mäuse, die die Wurzeln der Bäume fräßen.

„In der Hardt haben wir einen reinen Sandboden, der das Wasser nicht halten kann. Die ersten Kieselsteine kommen erst in elf Metern Tiefe“, nennt Zimmermann einen weiteren Grund, der gezielte Bewässerung der Bäume erfordert. Als Faustregel gelte, „nicht unverschämt viel gießen, aber laufend“.

Alte Apfelsorten sind robuster gegen Trockenheit

„Die Trockenheit im Juli gefährdet unsere Jungpflanzen“, sagt Rainer Oberacker, der Vorsitzende vom OGV Liedolsheim, der seinen Lehrgarten mit rund 500 Bäumen im Gewann Allmendäcker betreibt. Von 25 Jungbäumen seien ihnen drei eingegangen. Bei Äpfeln schwört er auf alte Sorten wie den Brettacher, die robuster seien.

Die Intensität der Bewässerung sei lokal vom Grundwasser abhängig. „In Alt-Dettenheim sieht es besser aus.“ Er empfiehlt, mit 150 Litern Wasser pro Baum in der Woche zu bewässern. Zusätzlich verursache der Schwarze Rindenbrand, ein durch Trockenstress hervorgerufener Pilz, ein Aufplatzen der Rinde und bringe den Baum zu Absterben.

„Im Moment wird um die Bäume nicht gemäht, denn das Wasser soll nicht verdunsten“, sagt Rainer Oberacker. „Aber wenn im August keine nennenswerten Niederschläge kommen, sieht es schlecht aus.“ Auch er wirbt für Schnittmaßnahmen und verweist auf ein vom Land gefördertes Schnittprogramm, bei dem innerhalb von fünf Jahren pro Baum zwei Schnitte erfolgen müssen, die mit je 15 Euro gefördert werden: „Eine gute Einrichtung, die motiviert.“

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