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Sterben soll aus der Tabu-Zone

Begleitung für den letzten Weg: Ökumenischer Hospizdienst in Pfinztal sucht Helfer

Der Ökumenische Hospizdienst in Pfinztal begleitet Menschen auf ihrem letzten Weg. Die Anfrage nach Sterbebegleitungen ist gestiegen. Der Hospizdienst sucht deshalb weitere Ehrenamtliche für diese Aufgabe. Aber was bedeutet ein solches Ehrenamt?

Begleitung bis in den Tod: Der Ökumenische Hospizdienst in Pfinztal hat in diesem Jahr 60 Menschen auf ihrem letzten Weg begleitet. Aktuell kümmert sich der Dienst um 16 Personen. Foto: Sebastian Kahnert/dpa

Wenn absehbar ist, dass ein Leben zu Ende geht, wenn jemand schwerstkrank ist und keine Therapie mehr anschlägt, dann wird in manchen Fällen der Hospizdienst gerufen. Die letzten Monate oder Wochen im Leben eines Menschen stehen bevor.

Die Aufgabe: Leiden zu lindern und über palliative – also schmerzlindernde – Begleitung zu informieren. Und einfach da zu sein, sagt Heidi Weller. Sie ist Koordinatorin des Ökumenischen Hospizdienstes in Pfinztal. Der Spruch der englischen Krankenschwester Cicely Saunders, dass es nicht darum gehe, dem Leben mehr Tage zu geben, sondern den Tagen mehr Leben, formuliere treffend die Arbeit.

Im vergangenen Jahr haben die Ehrenamtlichen des ambulanten Hospizdienstes 64 Menschen auf ihrem letzten Weg begleitet. Momentan kümmert man sich um 16 Menschen.

Bedarf an Sterbebegleitungen steigt: So werden Ehrenamtliche vorbereitet

Der Bedarf an Sterbebegleitungen, so Weller, sei im Vergleich zu 2020 um 25 Prozent gestiegen. Damit einher geht auch ein steigender Bedarf an Ehrenamtlichen, denn der Ökumenische Hospizdienst sucht Menschen, die sich Sterbender und ihrer Angehörigen annehmen.

Auf der Suche nach Ehrenamtlichen: Christine Fodi (links) und Heidi Weller sind die Koordinatorinnen des Ökumenischen Hospizdienstes in Pfinztal. Foto: Patric Kastner

Nicht jeder sei dafür gemacht. „Aber viele sind die Rolle hineingewachsen“, sagt Christine Fodi, ebenfalls Koordinatorin beim ambulanten Hospizdienst. Es komme immer wieder vor, dass Ehrenamtliche nicht die Begleitung von Sterbenden übernehmen wollten. „Aber es gibt die Möglichkeit, dass man sich dann in der Öffentlichkeitsarbeit engagiert“, sagt Heidi Weller.

100 Stunden werden die Menschen auf die Aufgabe vorbereitet. Es gebe eine Orientierungsphase, um zu schauen, ob einem das Thema liege. „Die eigene Auseinandersetzung mit dem Sterben spielt hier eine große Rolle“, sagt Weller. 40 Stunden Praktikum sind vorgesehen, die zum Beispiel auf einer Palliativstation oder in einer Pflegeeinrichtung geleistet werden.

Trauerbegleitung ist auch eine Aufgabe des Hospizdienstes in Pfinztal

Dienste wie Pflege oder Hauswirtschaft übernimmt der Hospizdienst nicht, es gehe um die psychosoziale Begleitung, erklärt Weller. Man empfehle den Ehrenamtlichen, nachdem die Begleitung eines Sterbenden geendet hat, eine Pause zu machen, bevor die nächste Begleitung begonnen wird, damit man die Situation gut verarbeiten könne.

Heidi Weller und Christine Fodi stehen den Ehrenamtlichen als ständige Ansprechpartnerinnen zur Verfügung. Zur Arbeit der Koordinatorinnen gehört auch Netzwerkarbeit und Abstimmung zwischen verschiedenen Stellen wie Hausärzten, Pflegeeinrichtungen, Sanitätshäusern oder eben einer stationären Hospizeinrichtung.

„In manchen Fällen geht die Hospizbegleitung zu Hause nicht mehr“, sagt Weller. Die Trauerbegleitung gehört auch zu den Aufgaben des Dienstes – und diese soll ausgebaut werden, Angebote wie der Gesprächskreis, das Trauercafé oder der Trauerspaziergang.

Schwierigkeiten für den Hospizdienst wegen Corona

Die Corona-Pandemie habe die Arbeit des ambulanten Hospizdienstes erschwert, betont Weller: „Viele Menschen wollten andere Leute nicht im Haus haben.“ Durch die Erstgespräche, die die Koordinatorinnen bei jeder Sterbebegleitung führen, sei jedoch möglich gewesen, dass in manchen Fällen sie anstelle der Ehrenamtlichen die Begleitung übernehmen konnten. Das sei aber nicht die Regel, so Weller. Christine Fodi spricht von einer Ausnahmesituation.

Die Begleitung von Angehörigen habe manchmal auch telefonisch stattgefunden. Heidi Weller erzählt, dass sie eine an Corona erkrankte Frau, die schon zuvor vom Hospizdienst betreut wurde, nur mit Schutzkleidung besuchen konnte. In Pflegeheimen habe es zu Anfang, wenn eine Station komplett in Quarantäne war, keine Chance gegeben, zu den Sterbenden zu kommen. Mittlerweile habe sich die Situation aber verbessert.

Ich möchte das Sterben aus der Tabu-Zone herausholen.
Christine Fodi, Koordinatorin Hospizdienst

Sie vertrete die Grundhaltung, dass der Tod zum Leben gehört, sagt Christine Fodi. „Das klammert unsere Gesellschaft immer noch aus“, betont sie. „Ich möchte das Sterben aus der Tabu-Zone herausholen.“

Im Januar zieht der Ökumenische Hospizdienst um – in ein eigenes Büro in die Söllinger Hauptstraße. Man wolle im Ort präsenter sein, sagt Weller. Der Hospizdienst bleibe aber unter dem Mantel der Diakoniestation.

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